AWO Personalleiterin Michaela Bräuer.

„Manche Stellen müssen wir fünf- bis sechsmal ausschreiben“

Magazin AWO ImPuls beschäftigt sich mit dem Thema Fachkräfte(mangel)

Region Hannover. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe unseres Magazins “AWO ImPuls” ist das Thema Fachkräfte(mangel) in den Kindertagesstätten. Der Fachkräftemangel nimmt immer dramatischere Formen an. Laut Studien von GEW oder prognos könnten bis 2025 200.000 bis 500.000 frühpädagogische Fachkräfte in den Kindertagesstätten in Deutschland fehlen. Zum Beispiel werden allein in den westdeutschen Bundesländern zur Deckung des erhöhten Platzbedarfes und dem altersbedingten Ausstieg circa 164.000 bis 197.000 zusätzliche pädagogische Fachkräfte und pädagogische Assistenzkräfte benötigt. Bis zum Jahr 2030 steigt der Bedarf auf 203.000 bis zu 235.000 Personen. Derzeit werden circa 21.000 bis 24.000 Personen im Jahr ausgebildet. Die Ausbildungskapazitäten reichen bei weitem nicht aus, um den Platzbedarf zu decken. In der Region Hannover geht man davon aus, dass bis 2025 rund 5.000 bis 6.000 Personen benötigt werden. Wir haben ein Interview mit Michaela Bräuer, der Personalleiterin bei der AWO Region Hannover,  zur aktuellen Situation geführt.

Wie stellt sich die Situation bei der AWO dar?

Michaela Bräuer: Wie bei allen anderen Trägern ist der Fachkräftemangel in den Kindertagesstätten ein Riesenproblem. Manche Stellen müssen wir fünf- bis sechsmal ausschreiben, bis wir sie besetzen können. Betroffen von dem Mangel sind aber nicht nur unsere Kitas, sondern auch Einrichtungen wie das Jungenwohnen, das Frauenhaus oder die offenen Ganztagsschulen. Auch dort werden pädagogische Fachkräfte dringend gesucht.

Wie hoch ist der Fachkräftebedarf konkret?

Michaela Bräuer: Wir beschäftigen derzeit rund 750 pädagogische Fachkräfte. Und – es kommen immer mehr hinzu. Durch den Betrieb neuer Kitas zum Beispiel in Wennigsen oder in Uetze, den Ausbau von Krippenplätzen und die Verbesserung des Personalschlüssels im Krippenbereich sind wir in einem starken Wachstum.

Wie viele Stellen können nicht besetzt werden?

Michaela Bräuer: Derzeit sind rund 50 Stellen im Kita-Bereich nicht besetzt und es laufen Stellenausschreibungen. Bisher gelingt es uns in der Besetzungsphase, die Stellen über unseren großen Vertretungspool mit circa 100 pädagogischen Fachkräften übergangsweise aufzufangen. Damit können wir die Lücken füllen und den Personalschlüssel einhalten. Auch unsere regionalen Vertretungspools, in denen die Kitas nach Stadtbezirken zusammengeschlossen sind, können einiges auffangen. Die Vertretungskräfte fehlen uns dann allerdings für Krankheits- oder Urlaubsvertretungen.

Wir wirkt sich der Fachkräftemangel auf die Arbeit in den Kitas aus – müssen auch mal Gruppen schließen?

Michaela Bräuer: Derzeit werden selten Gruppen oder ganze Einrichtungen wegen des Fachkräftebedarfs geschlossen. Allerdings ist der Krankenstand in unseren Kitas sehr hoch und unsere Mitarbeitenden sind nach zwei Jahren Pandemie erschöpft und ausgelaugt. Pandemiebedingt und durch die Qua- rantänemaßnahmen gibt es natürlich auch noch einmal viel höhere Krankheitsausfälle.

Welche Strategien zur Personalgewinnung gibt es bei der AWO?

Michaela Bräuer: Wir haben eine Reihe von Maßnahmen und Strategien entwickelt und umgesetzt. Ganz neu ist unsere Homepage „Jobs und Karriere“, die moderner und bedienerfreundlicher gestaltet wurde. Mit nur wenigen Klicks gelangen Jobsuchende jetzt schnell auf für sie interessante Stellen. Dann nutzen wir neben Postkarten-werbung in Kneipen Werbemöglichkeiten in den Bahnen der Üstra und natürlich Social Media – wir veröffentlichen Stellenangebote auf Facebook und Instagram und stellen die Menschen in ihrem Job bei der AWO vor. Darüber hinaus haben wir die Zusammenarbeit mit den Fachschulen intensiviert und präsentieren unsere Arbeit vor Ort – auf Infoveranstaltungen oder Tag der offenen Tür.

Unsere Rettung sind im Moment die sogenannten QuiK-Kräfte (Anm. d. Redaktion: Landesförderung „Qualität in Kindertagesstätten“), die in den Kitas als dritte Zusatzkraft eingesetzt werden können und durch das Land Niedersachsen finanziert werden. Die QuiK-Kräfte haben alle eine Ausbildung in einem anderen Beruf beziehungsweise einen anerkannten Hochschulabschluss in einem anderen Land erworben und machen jetzt bei uns berufsbegleitend die Ausbildung zur/zum sozialpädagogisch*en Assistent*en. Seit 2020 haben sich circa 150 Personen bei uns für die Ausbildung im pädagogischen Bereich entschieden. Wenn sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben, bleiben rund 90 Prozent von ihnen bei uns. Sie alle sind sehr motiviert und bringen viel Lebenserfahrung mit.

Auch bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit an, ihre Ausbildung zum/zur Erzieher*in bei uns berufsbegleitend zu machen. Eine weitere Maßnahme ist, dass wir zukünftig pädagogischen Fachkräften, die in Rente gegangen sind, anbieten, stundenweise in den Einrichtungen zu arbeiten.

Sehen Sie Lösungsmöglichkeiten, die Situation zu verändern?

Michaela Bräuer: Pädagogische Fachkräfte werden dringend gesucht. Da fischen alle im gleichen Teich. Unsere Erfahrungen zeigen, dass es ganz wichtig ist, Praktikantinnen und Praktikanten gut zu begleiten – damit sie bei uns bleiben und sich für die AWO entscheiden. Dazu gehören gute Arbeitsbedingungen und eine positive Arbeitsatmosphäre. Hier spielen unsere Führungskräfte eine große Rolle. Wir bilden unsere Führungskräfte gut aus, sie werden durch Führungskräftetrainings und eine gute Begleitung, zum Beispiel in der AG neue Leitungen, in ihrer Rolle als Leitungskraft qualifiziert und gestärkt, um ihre Mitarbeitenden gesund und vertrauensvoll zu führen.

Eine gute und faire Bezahlung ist wesentlich dafür, dass sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung im pädagogischen Bereich entscheiden. Der Beruf der pädagogischen Fach- und Assistenzkräfte sollte insgesamt aufgewertet werden – und es müsste mehr Ausbildungsmöglichkeiten geben. Derzeit reichen die Schulplätze nicht aus. Gern würden wir gemeinsam mit Kooperationspartnern eine AWO Schule gründen. Leider sind dafür vom Land sehr strenge Auflagen zu erfüllen und für die ersten drei Jahre sehr hohe Anlaufkosten aufzubringen. Aber dieses Thema wird uns in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Da bleiben wir dran.

Was macht es besonders bei der AWO als Erzieher*in zu arbeiten?

Michaela Bräuer: Wir bezahlen nach Tarif. Die Bezahlung erfolgt nach dem Haustarif der AWO und entspricht dem TVÖD – wie in der Landeshauptstadt Hannover. Es besteht ein Urlaubsanspruch von 30 Tagen bei einer 38.50 Vollzeitwochenarbeitszeit. Wir zahlen die Hannover-Zulage im Kita Bereich und eine Jahressonderzahlung in allen Arbeitsbereichen. Weitere Leistungen sind das Jobticket und die Möglichkeit, ein Dienstrad mit privater Nutzung zu leasen.

Wer bei uns arbeitet, hat die Möglichkeit in Vollzeit oder Teilzeit zu arbeiten und Familie und Beruf gut zu vereinbaren. Unsere Führungskräfte erarbeiten dazu mit den Mitarbeitenden passgenaue, individuelle Lösungen, die deren Bedürfnisse als auch betriebliche Belange berücksichtigen. Durch die Möglichkeit nach der Elternzeit oder auf Wunsch in den Vertretungspool zu wechseln, können wir sehr flexible Arbeitszeiten anbieten. Uns ist es wichtig, dass die Mitarbeiter*innen sich fort- und weiterbilden. Das fördern wir. Seit vielen Jahren gibt es in unserem Verband ein internes Fortbildungsprogramm. Neben der präventiven Gesundheitsförderung, dem Arbeitsschutz und allgemeinen Themen bieten wir im fachlich-pädagogischen Bereich eine vielfältige Palette von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten an. Diese ermöglichen eine Vertiefung von Praxiswissen und setzen neue Impulse für die eigene Arbeit.

Auch die Nachwuchsförderung und die Begleitung unserer Führungskräfte bilden einen wichtigen Schwerpunkt unserer Personalentwicklung. Wir haben auf jeder Ebene den Anspruch, Wertschätzung nach innen und außen zu leben und für einen wertschätzenden Umgang miteinander einzutreten. Unseren Führungskräften kommt daher eine besondere Verantwortung zu: Im Rahmen ihrer Vorbildfunktion werden Aspekte von Wertschätzung und gesunder Führung konsequent umgesetzt. Die AWO steht für eine moderne Pädagogik. Partizipation, offene Gruppenkonzepte, aktuelle Beobachtungsverfahren und ein Rahmenkonzept zum Kinderschutz bilden wichtige Grundpfeiler unserer Arbeit in den Kindertagesstätten.

Allen Mitarbeiter*innen stehen bei Bedarf unsere internen Dienstleistungen zur Verfügung. Dies gilt für die Erziehungs- und Familienberatung, die Schuldnerberatung, die Eltern-Kind-Kurberatung, die Pflegeberatung und vieles mehr.

Foto: Christian Degener/AWO

Die gesamte neue Ausgabe der “AWO ImPuls” gibt es hier: https://www.awo-hannover.de/impuls/ 

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Gaby  Kujawa
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