Marie Juchacz

Marie Juchacz war Politikerin und Begründerin der Arbeiterwohlfahrt und hatte eine bedeutende Rolle in der Geschichte der deutschen Frauenbewegung und im Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen. Sie war die erste Frau, die in einem deutschen Parlament die Rednerbühne betrat. 

Sie wurde 1879 als Tochter eines Zimmermanns geboren und wuchs in dem stark ländlich geprägten Landsberg an der Warthe auf. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr besuchte sie die Volksschule und war dann drei Jahre als Dienstmädchen in verschiedenen Haushalten tätig. Anschließend war sie als Arbeiterin in einer Netzfabrik und über zwei Jahre als Wärterin in der „Provinzial-Landes-Irrenanstalt” tätig. Mit dem ersparten Geld konnte sie sich einen Kurs in Weißnähen und Schneiderei leisten. Nach Abschluss des Kurses arbeitete sie in der Werkstatt des Schneidermeisters Bernhard Juchacz, den sie 1903 heiratete. Sie begann, angeregt durch ihren älteren Bruder, sich für die Politik und für die Landsberger Sozialdemokratie zu interessieren. Da in Landsberg keine politische Betätigung für sie möglich war, zog sie nach der Trennung von ihrem Ehemann zusammen mit ihren zwei Kindern und mit ihrer Schwester Elisabeth 1906 nach Berlin um. 

Marie Juchacz, geb. Gohlke, geb. 15. März 1879 in Landsberg an der Warthe, verst. 28. Januar 1956 in Düsseldorf.

Im Osten Berlins lebten die beiden Frauen von dem Geld, das sie mit Nähen in Heimarbeit verdienten. „Die Rolle des Anregers und Lehrers, des Diskussionspartners bei politischen Themen, die der ältere Bruder Marie gegenüber eingenommen hatte, spielte sie dann gegenüber der wesentlich jüngeren Schwester Die beiden Schwestern hatten eine außergewöhnlich vertrauensvolle und freundschaftliche Beziehung zueinander.” 

Die Annäherung an die Sozialdemokratie war schwierig. Von Landsberger Sozialdemokraten waren sie an Ida Altmann – die erste Frauensekretärin der Gewerkschaften – empfohlen worden. Diese riet ihnen, sich an die sozialdemokratischen Männer in ihrem Wohnbezirk zuwenden. Sie sollten mit deren Hilfe einen Frauenleseabend aufbauen. Noch wussten sie nicht, dass es in Berlin einen sozialdemokratischen Frauen- und Mädchenbildungsverein gab, der ihnen den Zugang zu Bildung erheblich erleichtert hätte, und auch die Zeitschrift der Sozialdemokratinnen „Die Gleichheit” war ihnen unbekannt. 1907 zogen sie um nach Schöneberg und auf einen Hinweis der sozialdemokratischen Vertrauensfrau für den Osten Berlins, Margarete Wengels, traten sie dem Frauen- und Mädchenbildungsverein in Schöneberg bei. 


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