Die Kita-Leitungen der 49 AWO Kitas nahmen an mehreren Workshops teil und erarbeiteten unter anderem gemeinsam den Weg zu einer Verhaltensampel.

Sexuelle Entwicklung von Kindern kompetent begleiten

AWO Qualitätstag: Kita-Leitungen befassten sich mit dem Thema kindliche Sexualität - Verhaltensampel erarbeitet

Region Hannover. „Doktorspiele“ – dieser Begriff ist allseits bekannt: Kinder ziehen sich aus und erkunden ihre Körper. Doch was ist, wenn das in der Kita passiert? Wie sollen Erzieherinnen und Erzieher das Thema sexuelle Entwicklung bei Kindern begleiten? Und wie können Kinder vor sexuellen Übergriffen geschützt werden? Darum ging es jetzt bei dem Qualitätstag für Kindertagesstätten der AWO Region Hannover. „Wir wollen unsere Kita-Mitarbeitenden schulen, zeitgemäß und professionell mit diesem sensiblen Thema umzugehen“, erklärt Anja Schulze von der AWO Fachberatung Tageseinrichtungen für Kinder. Die Kita-Leitungen der 49 AWO Kitas nahmen an mehreren Workshops teil und erarbeiteten unter anderem gemeinsam den Weg zu einer Verhaltensampel.

Gesellschaftlich sei das Thema „Kindliche Sexualität“ immer noch tabuisiert und Wissen darüber nicht weit verbreitet. „In den Kitas lässt sich das Thema nicht ignorieren, denn Kitas sind Orte, an denen Kinder ihre Körper erkunden und sich selbst befriedigen“, so Schulze. Die Selbsterkundung habe jedoch noch nichts mit dem sexuellen Begehren eines Heranwachsenden oder Erwachsenen zu tun, sondern mit normaler kindlicher Entwicklung und Neugier. Wenn dabei angenehme Gefühle entstehen, stärkt das ihre Selbstwahrnehmung und ihr Körpergefühl. Auch „Doktorspiele“ gehörten ab dem dritten Lebensjahr zu einer normalen kindlichen Entwicklung dazu und sollten gewährt werden, solange sich jedes Kind damit wohl fühlt und Grenzen nicht verletzt werden. Dafür gebe es Regeln, die jedes Kind im Kindergarten kennen lernen sollte. Ziel sei es auch, dass sich Kita-Mitarbeitenden mit dem Thema gut auskennen, achtsam und sensibel sind und auch angemessen Grenzen setzen, wenn Kinder untereinander doch mal Grenzen überschreiten. „Kinder sollten sich dafür nicht schämen müssen, da Schamgefühle und das Gefühl, etwas Falsches gemacht zu haben, ihre gesunde Sexualentwicklung stören könnte“, erklärt Schulze.

Deshalb ging es bei dem AWO Qualitätstag auch um das bewusste Verhalten der pädagogischen Fachkräfte gegenüber den Kindern. Den Kita-Leitungen wurde gezeigt, wie sie mit ihrem Team eine Verhaltensampel für einen professionellen, grenzwahrenden Umgang mit Kindern partizipativ erarbeiten können. „Die Beteiligung des Teams in der Kita ist uns dabei wichtig. Außerdem braucht jedes Team seine eigene Ampel“, so Schulze. Und die könne unterschiedlich sein, ein Qualitätspapier der AWO mache allerdings ein paar Vorgaben: Die Ampel steht zum Beispiel auf Rot, wenn Mitarbeitende Kinder küssen oder ihnen Kose- oder Spitznamen geben, denn jedes Kind habe ein Recht auf seinen eigenen Namen. Auf Gelb steht sie beispielsweise, wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter von einem Kind geküsst wird. „Hier gilt es dann, den Kindern zu erklären, dass Küssen eher der Familie vorbehalten ist und Mitarbeitende sich nicht küssen lassen möchten“, so Schulze. Grün zeige die Ampel, wenn sie Unterstützung bei der Selbstregulation und Trost brauchen und körperliche Nähe von den Kindern ausgeht. „Die Verhaltensampel ist ein Instrument, dass das professionelle Nähe- und Distanzverhalten der Mitarbeitenden gegenüber Kindern festlegt, den Dialog im Team fördert, Transparenz schafft und vor Machtmissbrauch durch Fachkräfte schützen soll. Das gleiche können Teams auch für den Umgang miteinander und gegenüber Eltern festlegen, um mehr Klarheit und Schutz miteinander zu haben“, so Schulze.

Vor allem – und das sei eine grundlegende Voraussetzung für den Kindesschutz – gehe es in den Kitas darum, die Kinder darin zu bestärken, „Nein“ und „Stopp“ sagen zu dürfen. „Nein zum auf den Arm nehmen, Nein zu einer Umarmung und anderen Berührungen: Kinder sollen lernen, selbst zu entscheiden, mit wem sie körperlichen Kontakt haben wollen“, erklärt Schulze. Dies sensibilisiere Kinder früh für übergriffiges Verhalten. „Wenn sie wissen, was sie fühlen, wenn sie ihre Grenzen kennen und darin bestärkt werden, sie zu äußern, dann sind sie besser geschützt und werden nicht so leicht zu Opfern“, so die Fachberaterin. Die AWO Fachberatung hat mit 10 Kitaleitungen ein Qualitätspapier zu dem Thema erarbeitet, dass allen Fachkräften im Intranet des Wohlfahrtsverbandes zur Verfügung steht. „Das Papier wird großer Bestandteil unseres zukünftigen Schutzkonzeptes für die AWO Kitas sein, das unsere AG KiK (Kinderschutz in Kitas) im Fachbereich Kindertagesstätten derzeit parallel erarbeitet“, so Schulze abschließend.

Die Kita-Leitungen der 49 AWO Kitas nahmen an mehreren Workshops teil und erarbeiteten unter anderem gemeinsam den Weg zu einer Verhaltensampel.

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