Haben den fachlichen Input gegeben (von links): Dr. Burkhard Neuhaus, Chefarzt Kinder- und Jugendpsychiatrie Auf der Bult, Ramona Höppner-Hager, Koordinatorin 2. Chance der Region Hannover, und Thomas Thor, Leiter der AWO Fachstelle Schulvermeidung.

„Was hilft, wenn Schule Bauchschmerzen macht?“

Ursachen, Folgen und Interventionsansätze: AWO hat Fachgespräch zum Thema Schulvermeidung veranstaltet

Region Hannover/Hannover. Immer mehr Kinder und Jugendliche gehen nicht regelmäßig zur Schule. Manche fehlen immer wieder ein paar Tage, andere schwänzen den Unterricht über Wochen und Monate. Schulvermeidung, auch Schulabsentismus oder Schulphobie genannt, ist ein ernstes Problem, bei dem Schülerinnen und Schüler wiederholt dem Unterricht fernbleiben. Mit Faulheit hat das nichts zu tun. Meist stecken große Sorgen und Ängste dahinter. Schulvermeidung hat seit der Corona-Pandemie zugenommen – das zeigen verschiedene Studien – und kann erhebliche Auswirkungen auf die Bildung, die soziale Entwicklung und das spätere Leben der betroffenen Schülerinnen und Schüler haben. Die aktuelle Fördersituation bildet diese Bedarfe nicht weiter ab.

„Wir verzeichnen einen stark erhöhten Beratungsbedarf“, sagte Dirk von der Osten in seiner Rede anlässlich des Fachgesprächs zum Thema Schulvermeidung im Grete-Hofmann-Saal der AWO im Ahrbergviertel in Hannover-Linden. Der Vorstandsvorsitzende der AWO Region Hannover begrüßte die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Rita Maria Rzyski, Dezernentin für Bildung, Jugend und Familie der Landeshauptstadt Hannover, sowie Fachleute aus Schulen, Politik und Verwaltung der Stadt und Region Hannover.

„Schulvermeidung ist ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen“, sagte Dr. Burkhard Neuhaus in seinem Vortrag. Und je früher Hilfe einsetze, desto besser seien die Erfolgsaussichten, betonte der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie Auf der Bult. Dass die Zahlen alarmierend sind, machte Thomas Thor, Leiter der AWO Fachstelle Schulvermeidung, auf der Veranstaltung deutlich. Allein in Hannover gebe es 50000 Schülerinnen und Schüler, von denen etwa zwei bis drei Prozent regelmäßig dem Unterricht fernblieben. Das sind 1000 bis 1500 Kinder und Jugendliche, so Thor. Zentrale Fragen seien dabei immer: „Was hilft den Kindern und Jugendlichen dabei, wieder regelmäßig zur Schule zu gehen?“ und „Welche Unterstützung brauchen diejenigen, die sich komplett verweigern?“, erklärte Thor. Die AWO Fachstelle Schulvermeidung bietet mit drei unterschiedlichen Ansätzen Hilfe an: Im außerschulischen Lernort Glashütte werden die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen unterrichtet. Im Projekt KonneX werden Jugendliche ambulant beraten und begleitet. Das Präventionsprojekt hilft vor Ort in der Schule, um den Schulbesuch zu stabilisieren. Thor: „Frühes Wahrnehmen und Reagieren sichert die Chancen der Kinder und Jugendlichen die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe.

„Schulvermeidung ist ein komplexes Problem, das komplexe Handlungsansätze erfordert“, sagte Ramona Höppner-Hager, Koordinatorin 2. Chance der Region Hannover, in ihrem Referat. Die Entstehung von schulvermeidendem Verhalten sei oft schleichend. „Je länger es besteht, desto schwieriger wird der Weg zurück in die Schule“, so Höppner-Hager.

Nach dem fachlichen Input durch die Referentin und die beiden Referenten tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter der Überschrift „Ideen, Entwicklungen, Visionen“ aus. In Kleingruppen wurden Fragen wie “Welche frühen Anzeichen von Schulvermeidung sollten wir erkennen, um frühzeitig intervenieren zu können?”, „Wo können präventive Maßnahmen ansetzen, um Schulvermeidung zu reduzieren?” oder „Wie können Schülerinnen und Schüler nach längeren Abwesenheiten nachhaltig in den Schulalltag reintegriert werden?“, diskutiert.

Ein wichtiger Punkt ist auf jeden Fall, ein koordiniertes Vorgehen der verschiedenen Akteure im Bereich Schulvermeidung zu erreichen, waren sich die Teilnehmenden einig.

Text & Fotos: Gaby Kujawa/AWO

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