Fotografin Claire Winkler zeigt Mina Tricks und Kniffe beim Fotografieren.

Kinder und Jugendliche wollen ihre Umwelt verschönern

Mühlenberg: AWO-Projekt „SO – ist das mein Stadtteil“ – Teilnehmende weisen mit Fotos und Kunstwerken auf Defizite in ihrem Stadtteil hin

Hannover-Mühlenberg. „Wir fotografieren, was wir schöner und besser machen wollen“, sagt die neunjährige Mina gleich zu Beginn des Projekts, und fasst damit einen wesentlichen Teil des Programms der kommenden Wochen zusammen. Sie ist eines von 26 Kindern im Alter von sechs bis 15 Jahren, das beim AWO-Projekt „SO – ist das mein Stadtteil“ mitmacht, dass in Kooperation mit der ADA- und Theodor-Lessing Volkshochschule sowie der Kunstschule Kunstwerk umgesetzt wird.

Der Startschuss ist am vergangenen Montag gefallen. In der zweiten Woche der Herbstferien können sich Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil Mühlenberg kreativ entfalten: Mit Kameras und Kunstmaterial. Ziel ist es, die Politik und Verwaltung durch Fotos, Bilder und Skulpturen auf Defizite im Stadtteil hinzuweisen: Wo halten sich die Kinder auf, was gefällt ihnen dort und was muss aus ihrer Sicht dort verändert oder verbessert werden?  Um diese Fragen wird es im Projektzeitraum gehen. „Ich finde es wichtig, dass die Kinder die Möglichkeit haben mitzureden und mitzugestalten und bin sehr gespannt auf die Ergebnisse“, sagte AWO-Fachbereichsleiterin Gabriele Schuppe. Bei ihrem Besuch des Projekts war sie außerdem von der Vielfalt der kulturellen Hintergründe der TeilnehmerInnen beeindruckt: Ihre Eltern stammen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Bulgarien, Äthiopien oder der Türkei.

In ideal ausgestatteten Kunsträumen, die dankenswerterweise die Leonore-Goldschmidt-Schule zur Verfügung stellt, können die Kinder in der Projektzeit arbeiten. Zwei ausgebildete Fotografinnen und eine bildende Künstlerin geben ihnen praktische Tipps bei der Umsetzung. Gleich zu Beginn stecken die Kinder an ihrem Wohnort eine bunte Nadel auf eine große Karte ihres Stadtteils. Auf der freien Fläche um den Stadtplan herum sollen nun viele Ergebnisse des Projekts ihren Platz finden. Dazu gehören beispielsweise Portraits, die die Kinder als erste Übung mit den 16 zur Verfügung gestellten Kameras voneinander anfertigen. Dabei machen sie auch vor komplizierten Motiven nicht halt, wie Aufnahmen von Sprüngen. Weiterhin versuchten sie die Schatten von Klettergerüsten für die Bildkomposition zu nutzen oder besondere Perspektiven beim Fotografieren einzunehmen.

„Ich finde es richtig schön mit echten Kameras Fotos zu machen“, sagte die zehnjährige Özge. Viele Kinder aus ihrem Umfeld hätten kein Interesse mehr an den Geräten, weil sie nur noch Handys zum Fotografieren nutzten. Anders als bei Selfies, die sie und die achtjährige Mina normalerweise machen würden, müssten sie jetzt viel mehr darauf achten, wie sie die Motive mitsamt ihrer Umgebung festhalten. Yussuf hat der Einstieg ins Projekt ebenfalls gefallen: „Wir haben gut zusammengearbeitet, schöne Fotos gemacht, uns nicht gestritten und immer wenn wir Hilfe brauchten, war einer der Betreuer da“, so der Zwölfjährige. Für die achtjährige Lidya war gleich klar, dass sie weiter Fotografieren möchte: „Ich kaufe mir eine Kamera“, sagt sie entschlossen.

Die beteiligten Fotografinnen Claire Winkler und Sina Niemeyer freut es, wenn die Kinder Anreize zum kreativen Arbeiten bekommen und die erlernten Möglichkeiten weiter verfolgen: „Fotografie war für einige sicher nie ein Thema, aber vielleicht merkt der Eine oder die Andere, wie sie sie als Medium nutzen können, um Dinge zu erschließen oder auszudrücken“, so Winkler. Insbesondere in den Ferien und ohne Notendruck hätten die Schüler einen sehr freien Entfaltungsraum. „Es geht uns sehr darum, dass die Kinder durch die Fotografie bewusster sehen und auch ihre Umgebung bewusster wahrnehmen“, ergänzt Kollegin Niemeyer. Die Fragen, was und warum die Kinder etwas auf ihre spezielle Art abbilden möchten, sei dabei zentral: Wo sind sie gerne, was schätzen sie, wo können sie sich einbringen und wo Veränderungen herbeiführen?

Doch nicht nur fotografisch sollen sich die Schüler mit ihrem Stadtteil auseinandersetzen. Die Bilder der Kameras werden anschließend in Kunstwerke integriert. Die Möglichkeiten, die Künstlerin Antje Koos ihnen dazu bietet, sind umfangreich: Von gemalten und gezeichneten Bildern über Modelle aus verschiedenen Materialien bis hin zu Mosaiken, Collagen sowie Gips- und Tonobjekten – alles können sie bei Bedarf erstellen. „Ich finde es spannend, den Kindern ein Gefühl dafür zu vermitteln, dass sie selbst Einfluss haben und ihre Vorstellungen umsetzen können“, sagt sie über das Projekt. Denn die Ergebnisse werden bei einer abschließenden Ausstellung im Dezember auch geladenen Bezirksratspolitikern, Stadtplanern sowie Repräsentanten örtlicher Wohnungsbaugesellschaften präsentiert – insbesondere hoffen die Verantwortlichen, dass die Mitglieder der Sanierungskommission Mühlenberg die Ideen der Kinder zur Kenntnis nehmen. Demnach würde es Künstlerin Koos freuen, wenn die Verantwortlichen ein offenes Ohr für die Wünsche und Ideen der Kinder hätten.

Die erste Übung mit den Kunstmaterialien war bereits ein voller Erfolg: Neben Zeichnungen, die die Kinder von sich selbst anfertigten und auf der Stadtkarte anbrachten, bastelten, malten und modellierten sie erste Objekte – darunter ein detaillierter Fußballplatz mit filigranem Zaun und fein gezeichnetem Torwart sowie ein Schwimmbad in strahlendem Sonnenschein, ganz aus bunten Steinen zusammengesetzt. „Ich male und bastele sehr gerne – das hat sehr viel Spaß gemacht“, so die zehnjährige Danaya, die Gipsformen erstellte und danach mit bunten Farben gestaltete.

Nach der Einführung in die Techniken gehen die Kindern auf Exkursionen in ihren Stadtteil. Dann machen sie die Fotos, auf denen ihre abschließenden Kunstwerke basieren. Damit die TeilnehmerInnen ihre Arbeiten bis zur Ausstellung im Dezember fertigstellen können, treffen sie sich über die Projektwoche hinaus weiter. Im Oktober und November können sie immer montags gemeinsam arbeiten. Unterstützt werden sie dann natürlich weiterhin durch Antje Kroos sowie den Mitarbeitern der AWO.

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