Grzegorz P. D., Teilnehmer des Projektes „Sprache und Arbeit“, möchte sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen.

„Ich möchte mir eine Zukunft aufbauen“

Der wohnungslose Grzegorz P. D. ist Asphalt-Verkäufer und lernt bei der AWO deutsch

Hannover. „Mir geht es gut.“ Grzegorz reicht sein Handy herüber und zeigt auf das Display. „Das ist schön! Was hast du heute gemacht?“, spricht Meryem ins Mikrofon, während gleichzeitig die Sätze auf dem Bildschirm erscheinen, und gibt Grzegorz das Handy zurück. Er drückt eine Taste, liest die Frage, lacht und zuckt mit den Schultern.

Grzegorz P. D. kann nicht hören und nicht sprechen – von Geburt an. Der 32-Jährige ist vor circa sieben Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen und nimmt seit August vergangenen Jahres am Projekt „Sprache und Arbeit“ teil, das die AWO Region Hannover in Kooperation mit dem Magazin Asphalt anbietet. Im Rahmen des Projektes erhalten elf obdachlose Männer aus Polen bei der AWO Deutschunterricht, machen ein Praktikum bei Asphalt und verkaufen das Magazin. Die Männer werden von Sozialarbeiterin Meryem Kirli sozialpädagogisch betreut und bei der Suche nach Job und Wohnung von der AWO unterstützt.

„Grzegorz war von Anfang an unser engagiertester Schüler“, sagt AWO Fachbereichsleiterin Gabriele Schuppe. Und bei Asphalt sei er inzwischen der beste Verkäufer. Für alle sei es eine neue Situation gewesen, dass jemand am Sprachkurs teilnimmt, der nicht hören und sprechen kann. „Da mussten wir uns erst einmal darauf einstellen. Und dann haben wir einen guten Weg gefunden, mit ihm zu kommunizieren“, berichtet Schuppe. Die Kommunikation läuft über sein Handy mit einer App, die gesprochene Wörter und Sätze visualisiert und ins Polnische beziehungsweise Deutsche übersetzt.

Außerdem gebe es ja noch Mimik und Gestik, ergänzt Kirli, die Grzegorz sozialpädagogisch betreut. Am Unterricht könne Grzegorz P. D. problemlos teilnehmen. Sprachlehrer Matthias Wesslowski setzt gerne audiovisuelle Methoden ein. Wenn die anderen Teilnehmer über CDs oder DVDs hören und sprechen üben, bekommt er Arbeitsblätter mit verschiedenen Aufgaben zum Lesen, Ankreuzen und Ausfüllen. Das funktioniere sehr gut. Ihm sei es wichtig, immer auch eine Rückmeldung zu bekommen, sagt Wesslowski. „Grzegorz möchte lernen und weiterkommen.“

Sein Wunsch ist es, eine richtige Arbeit zu haben, Geld zu verdienen und in einer Wohnung zu leben. „Ich möchte sie selber renovieren und einrichten“, tippt er in sein Handy. Grzegorz, der früher mal als Tischler gearbeitet hat, lebt zurzeit in einem Flüchtlingswohnheim. „Wir haben ihm geholfen, dort unterzukommen“, sagt Schuppe. In der Notunterkunft am Alten Flughafen habe er Angst gehabt.

Zugewanderte Menschen aus der EU haben keinen Anspruch auf Sozialleistungen, wenn sie hier ankommen, erklärt Schuppe. Für eine stabile Integration sei es aber wichtig, erst einmal die Sprache zu lernen, um eine Arbeit und Wohnung zu finden. So schaffe ein Minijob die Voraussetzung auf Leistungsansprüche und damit auch auf einen Sprachkurs. „Grzegorz hatte keine Krankenversicherung, als er hier ankam – er hatte gar nichts“, so Schuppe. Durch seinen Minijob bei Asphalt habe er jetzt Ansprüche auf Leistungen, wie zum Beispiel einen Facharzt aufzusuchen, um abzuklären, welche Hilfsmittel ihm zustehen. Es müsse ein Weg für die Betroffenen gefunden werden, damit sie im sozialen System ankommen können, wie Schuppe betont.

Durch das Kooperationsprojekt „Sprache und Arbeit“ ist es gelungen, die Teilnehmenden wieder in Arbeit zu bringen. 80 Prozent von ihnen konnten in Jobs auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden und arbeiten teilweise wieder in ihren ursprünglich gelernten Berufen als Schlosser, Automechaniker oder Koch. Der Sprachkurs findet jetzt noch zweimal pro Woche statt. Bis Ende März – dann ist das Projekt erst einmal beendet.  “Wir prüfen gerade, ob ein Nachfolgeprojekt möglich ist“, sagt Schuppe.

Grzegorz P. D. fühlt sich wohl in Deutschland. Er möchte weiter Deutsch lernen. Über seine Familie in Polen mag er nicht sprechen. Hier hat er Freunde gefunden und will sich eine Zukunft aufbauen.

Zum Hintergrund:
Sprachprobleme erschweren oft die soziale Integration. Um ausländische obdachlose Menschen in den Arbeitsalltag zu integrieren, hat die AWO Region Hannover in Kooperation mit dem Asphalt Magazin das Projekt „Sprache und Arbeit“ initiiert. Im Rahmen des Projektes erhalten elf obdachlose Männer aus Polen bei der AWO Deutschunterricht. Freitags machen sie ein Praktikum bei Asphalt und verkaufen das Magazin. Die Männer werden umfassend sozialpädagogisch beraten und bei der Suche nach Job und Wohnung unterstützt. Das Projekt läuft noch bis Ende März. Ob es ein Anschlussprojekt gibt, wird gerade geprüft.

Finanziert wird das Projekt von der Niedergerke Stiftung und dem Integrationsfond der Stadt Hannover.

Text & Foto: Gaby Kujawa/AWO

Grzegorz P. D., Teilnehmer des Projektes „Sprache und Arbeit“, möchte sich in Deutschland eine Zukunft aufbauen.

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