Nicole Bartlakowski ist die neue Koordinatorin des AWO Familienzentrums Kapellenbrink im Stadtteil Groß-Buchholz.

„…es braucht ein Dorf…“

Ein Ort für Familien: Nicole Bartlakowski ist die neue Koordinatorin des AWO Familienzentrums Kapellenbrink

Hannover/Groß-Buchholz. „Heute feiern wir hier Fasching“, sagt Nicole Bartlakowski und legt zum Gespräch ihre Katzenohren ab. Die Verkleidung sei unkompliziert und lasse sich schnell realisieren, so die Koordinatorin des AWO Familienzentrums Kapellenbrink. „Meine drei Jungen habe ich heute Morgen auch verkleidet – da bleibt nicht viel Zeit für eigene aufwendige Kostüme“, betont Bartlakowski, die seit Anfang des Jahres bedarfsgerechte Angebote für die Familien im Stadtteil Groß-Buchholz entwickelt und koordiniert.

Bartlakowski muss selbst ihr Leben mit Familie und Beruf organisieren und kreative Lösungen finden. Die 40-jährige Diplom-Pädagogin hat jahrelang freiberuflich als Dozentin sowie bundesweit als Leiterin für theaterpädagogische Projekte gearbeitet – bis zur Geburt ihres ersten Kindes, knapp drei Jahre darauf folgten zwei weitere Kinder. „Es wurde für mich immer schwieriger, Beruf und Familie zu vereinbaren“, betont Bartlakowski, deren vorherige Tätigkeit mit häufigen Dienstreisen verbunden war. „Da habe ich nach anderen Möglichkeiten gesucht und bin auf die Stelle von der AWO gestoßen.“ Die Aufgabe, einen Ort für Familien zu schaffen, an dem sie sich willkommen und wohl fühlten, sei wichtig und reize sie sehr. Besonders freut sich Bartlakowski darüber, mit der AWO einen Arbeitgeber mit einer so bedeutsamen Geschichte zu haben: „Die AWO ist aus einem solidarischen Gedanken heraus entstanden, aus Liebe zu den Menschen und aufgrund gesellschaftspolitischer Veränderungen.“

Der Januar war für Bartlakowski der Monat des Kennenlernens: „Ich war in den Funktionsräumen der Kindertagesstätte unterwegs, habe die Kinder und unser Team kennengelernt und mich den Eltern vorgestellt“, erzählt Bartlakowski.

Der nächste Schritt sei es, die Wünsche und Interessen der Familien zu erfahren, und entsprechende Angebote zu entwickeln. „Dazu haben wir zum Beispiel die Kinder malen lassen, was sie sich im Familienzentrum wünschen.“ Herausgekommen sind dabei Bilder zu Themen wie Spielen und Bewegen mit der Familie, Backen und Kochen mit Oma und Opa, Blumenpflanzen oder Ausflüge. „Den Eltern zeigen wir jetzt die Bilder der Kinder und kommen darüber mit ihnen ins Gespräch, was sie für Vorstellungen oder auch Ideen haben“, erklärt Bartlakowski. Auch im neu eingerichteten Elterncafé haben sie die Möglichkeit, sich zu treffen und sich auszutauschen – untereinander oder auch mit den Erzieherinnen und Erziehern. „Wir möchten eine Atmosphäre schaffen, in der sich die Eltern willkommen fühlen, in der sie erzählen, was sie bewegt.“

Die Gründung von Familienzentren sei auch eine Reaktion auf eine gesellschaftliche Veränderung, sagt Bartlakowski. Familienstrukturen befänden sich im Wandel – viele hätten ihre eigene Familie nicht vor Ort und müssen sich Netzwerke erst mühsam aufbauen. „Ich möchte, dass wir auch diese Situation als Familienzentrum auffangen und Eltern so miteinander in Kontakt bringen, dass sie sich vielleicht auch privat helfen und unterstützen.“ Bartlakowski, die ursprünglich aus Brakel, einer Kleinstadt im Weserbergland, kommt, weiß aus eigener Erfahrung, wie schwierig sich der Alltag mit Kindern gestaltet, wenn die eigenen Eltern und andere unterstützende Familienangehörige nicht vor Ort sind. Auch Themenabende zu Fragen und Problemen, die die Eltern bewegen wie Medienkompetenz, Einschulung oder ‚Mein Kind schläft nicht durch‘ oder Spielegruppen für verschiedene Altersgruppen gehören zukünftig zu den Angeboten des Familienzentrums.

„Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf“, so lautet ein nigerianisches Sprichwort. Und ein Familienzentrum sei vergleichbar mit einem Dorf“, sagt Bartlakowski, deren eigene Kinder auch in einem Familienzentrum betreut werden. Dahinter stehe die Idee, dass die Kindererziehung nicht nur auf den Schultern von einem oder zwei Elternteilen ruht, sondern Kinder in einem sozialen Netz aufwachsen. „Das Familienzentrum soll sich zu einem Ort entwickeln, an den Familien jederzeit kommen können – und an dem sie Beratung und Unterstützung erhalten.“ Dieses Ziel zu erreichen, bedeute Zeit und genaue Planung und funktioniere nur gemeinsam im Team, wie Bartlakowski betont.

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