Rund 200 Teilnehmende auf dem Fachtag zur rassismuskritischen Pädagogik im Freizeitheim Vahrenwald.

„Eine Schule schaffen, in der jedes Kind die gleichen Chancen hat“

AWO veranstaltete Fachtag zu rassismuskritischer Pädagogik

Region Hannover/Hannover-Vahrenwald. Viele Kinder hören tagtäglich Äußerungen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Kleidung, ihres Geschlechtes, ihres Ganges, ihres Alters oder anderer Merkmale, die verletzend sind. Sie lernen durch Beobachtung und Nachahmung und übernehmen dabei viele vorgelebte Stereotype. Wie erklärt man Kindern Rassismus oder Diskriminierung? Um Kinder in ihrem Alltag und dem Umgang mit Vielfalt zu stärken, haben die AWO Region Hannover und das AWO Jugendwerk einen Fachtag für rassismuskritische Pädagogik im Freizeitheim Vahrenwald veranstaltet. Der Fachtag richtete sich an pädagogische Fachkräfte aus dem Ganztagsbereich mit dem Ziel, sie für das Thema zu sensibilisieren.

Da Ganztagsangebote in Hannover in Kooperation zwischen dem Land Niedersachsen, der Landeshauptstadt Hannover und einem Jugendhilfeträger umgesetzt werden, waren auch Vertretungen des Kultusministeriums, der Stadtverwaltung und der Partnerschulen anwesend. Dr. Silke Lesemann begrüßte die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und betonte als Präsidentin der AWO Region Hannover die Bedeutung einer inklusiven und vielfältigen Bildung. Sie unterstrich die Verantwortung der AWO, Menschen unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft zu unterstützen. Dieser Fachtag biete die Möglichkeit, die bisherige Arbeit sowie eigene Stereotype und Vorurteile zu reflektieren und im Interesse der Kinder weiterzuentwickeln, indem alle gemeinsam an einer rassismuskritischen Pädagogik in den Ganztagsschulangeboten arbeiten. „In einer Zeit, in der Vielfalt und Toleranz immer wichtiger werden, ist es entscheidend, dass wir uns aktiv mit rassismuskritischer Pädagogik auseinandersetzen. Durch ein gemeinsames Engagement können wir eine Schule schaffen, in der jedes Kind die gleichen Chancen hat.“

Marco Hartrich, der in Vertretung der niedersächsischen Kultusministerin Julia Willie Hamburg gekommen war, betonte in seinem Grußwort die Notwendigkeit, eine Bildungslandschaft zu gestalten, die Demokratie und Vielfalt nicht nur fördert, sondern auch lebt. Schulen seien die Orte, an denen die Weichen für die Entwicklung der Gesellschaft von morgen gestellt würden und Kinder Haltungen entwickelten, die sie zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern machten, so der Staatssekretär. Demokratie- und Menschenrechtsbildung müsse früh beginnen, um antidemokratischen und rassistischen Tendenzen aktiv entgegenzutreten, betonte auch die Dezernentin für Kultur und Bildung der Landeshauptstadt Hannover, Eva Bender, in ihrer Rede.

Neben gesellschaftsbezogenen und politischen Beiträgen wurde der Veranstaltungsauftakt durch einen Vortrag zum Thema Rassismus und weiteren Diskriminierungsformen abgerundet. Ercan Carikci gab in einem Impulsvortrag einen Einblick in die Bedeutung von Vielfalt und Inklusion in der Gesellschaft. Der Referent, der als Coach und Berater in den Bereichen Empowerment und Rassismuskritik tätig ist, zeigte auf, wie jeder Einzelne durch diversitätssensibles Denken, Sprechen und Handeln zur Stärkung demokratischer Werte und zum Aufbau einer inklusiven Gesellschaft beitragen kann. Er vermittelte nicht nur theoretische Einblicke, sondern auch praktische Werkzeuge, die es den Teilnehmenden ermöglichen, sich bewusst für Vielfalt einzusetzen und sich aktiv für die Förderung und den Schutz demokratischer Werte zu engagieren.

Im Verlauf des Tages hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in acht verschiedenen Workshops, die Möglichkeit, ihre pädagogische Ausrichtung zu vertiefen und durch viele Impulse, langfristig ein inklusiveres Umfeld für Kinder in Schulen zu schaffen. Der Workshop “Critical Whiteness“ beleuchtete, wie weiße Privilegien unbewusst den Alltag beeinflussen und mit Rassismus und sozialer Ungerechtigkeit verknüpft sind. Im Workshop „Demokratiebildung im Ganztag“ gab es Impulse, wie Demokratiebildung vor allem durch die Verankerung der Kinderrechte methodisch in die pädagogische Arbeit mit Grundschulkindern integriert werden kann, um freie Meinungsbildung und -äußerung in einer vielfältigen Gesellschaft zu fördern. Wie in kindgerechter Sprache über Diskriminierung gesprochen werden kann, um gesellschaftliche Vorurteile und Ungleichheiten zu erklären und langfristig abzubauen, erfuhren die Teilnehmenden im Workshop „Antirassismus mit Kindern thematisieren“. Praktische Werkzeuge und Strategien erhielten die Teilnehmenden im Workshop zum Umgang mit Meinungsverschiedenheiten und Widersprüchen. Weitere Themen waren „Empowerment für von Rassismus betroffene Kinder“, „Wahrnehmung eigener Stereotype und Umgang damit im Alltag“ und „Sprache und Sprachgebrauch“.

Der Fachtag für rassismuskritische Pädagogik soll das Bewusstsein der Fachkräfte für strukturellen Rassismus generell und auch in Bildungseinrichtungen schärfen. „Wir wollen alle Mitarbeitenden an unseren Ganztagsschulen zu diesem Thema sensibilisieren, um gemeinsam konkrete Maßnahmen gegen Diskriminierung zu entwickeln und damit einen Aspekt inklusiver Schule sicherzustellen“, sagte Anja Meyer, Geschäftsführung des Jugendwerks der AWO und Moderatorin des Fachtages. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten hier die Möglichkeit, sich über gute Praxisbeispiele auszutauschen, neue Perspektiven kennenzulernen und Impulse für die Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit bei der AWO mitzunehmen. „Letztlich trägt rassismuskritische Pädagogik dazu bei, Chancengleichheit und Vielfalt in unserer Arbeit und vor allem für die Kinder zu fördern und damit die individuelle Entwicklung aller Kinder zu unterstützen.“

Text: Gaby Kujawa/AWO, Fotos: Christian Degener/AWO

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