Gruppenfoto mit einigen Teilnehmer*innen und Lehrkräften des Vorbereitungskurses bei der AWO.

Bestanden: Acht Teilnehmer*innen haben ihr Zeugnis erhalten 

Erster Durchgang des Vorbereitungskurses auf den Hauptschulabschluss bei der AWO erfolgreich abgeschlossen 

Region Hannover/Hannover-Linden. Der Vorbereitungskurs für den Hauptschulabschlusskurs, den das Zentrum für berufliche Entwicklung der AWO Region Hannover erstmals angeboten hat, ist jetzt beendet. Acht von neun Teilnehmer*innen haben bestanden und ihre Zeugnisse erhalten. „Das ist ein wunderbares Ergebnis für jede einzelne Teilnehmer*in“, freut sich AWO Fachbereichsleiterin Gabriele Schuppe. „Sie hatten zum Teil kaum Schulerfahrungen und haben neun Monate intensiv gelernt.“ Allen gemeinsam sei gewesen, dass sie den Abschluss unbedingt schaffen wollten.

So wie Rania M. Die 24-Jährige kam vor sechs Jahren aus Syrien nach Deutschland. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern. „Ich wollte unbedingt mit der Schule weitermachen“, sagt Rania M. Durch einen Computerkurs bei der AWO sei sie auf das Angebot aufmerksam geworden. Mit dem Hauptschulabschluss habe sie viel mehr Chancen, ist sich Rania M. sicher. Am Anfang sei es schwierig gewesen. „Ich wollte sogar aufhören“, erzählt sie. „Dann hat es mich gepackt. Ich habe jeden Tag ein bis zwei Stunden gelernt und schnell gemerkt, dass ich immer besser werde.“ Ranias Ziel ist es jetzt, den Realschulabschluss zu machen.

Für Franziska A. bietet der Abschluss jetzt die Möglichkeit, eine Ausbildung in der Altenpflege zu machen. „Mein Schulabschluss in Spanien wurde hier nicht anerkannt“, sagt die 30-Jährige, die 15 Jahre lang in Spanien gelebt hat. Da habe das Angebot der AWO super gepasst. Während des Kurses hat Franziska M. ein Praktikum in einer Pflegeeinrichtung gemacht und sich darin bestätigt gefühlt, dass sie gerne in diesem Bereich arbeiten möchte: „Ich freue mich schon sehr darauf“.

„Bei unserer Arbeit in den verschiedenen Einrichtungen begegnen uns häufig Migrant*innen, die keinen in Deutschland anerkannten Schulabschluss haben“, erklärt Schuppe. „Mit diesem Kurs möchten wir die Teilnehmer*innen auf die Nichtschülerprüfung „Hauptschulabschluss“ so vorbereiten, dass sie die Prüfung bestehen“, sagt die Fachbereichsleiterin. Eine erfolgreich abgelegte Prüfung und der damit erworbene Hauptschulabschluss erhöhten die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und auf gesellschaftliche Teilhabe.

Während des neunmonatigen Kurses erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Unterricht in allen prüfungsrelevanten Fächern wie Mathematik, Deutsch, Biologie, Werte und Normen, Politik und Erdkunde. Zusätzlich beinhaltete die Maßnahme Praktika- und Berufsorientierungsphasen, in denen die Schüler*innen Informationen über Betriebe und Ausbildungsberufe erhalten und kennengelernt haben.

Hanifa A. freut sich sehr, dass fast alle Teilnehmenden den Hauptschulabschluss geschafft haben. Sie ist eine von insgesamt sechs Lehrkräften, die die Schüler*innen unterrichtet haben. Bei einer so bunt gemischten Klasse mit Menschen zwischen 20 bis 35 Jahren, die alle ganz unterschiedliche Hintergründe und Geschichten mit sich tragen, sei das nicht selbstverständlich. „Manche haben noch nie oder nur wenige Jahre eine Schule besucht, andere sind traumatisiert vom Krieg in ihrer Heimat, von der Flucht oder auch aus familiären Gründen“, sagt Hanifa A. Aber alle wollten unbedingt den Abschluss schaffen und waren hoch motiviert. Eine Teilnehmerin war schwanger. Auch sie sei mit ihrem Babybauch bis zuletzt gekommen, so Hanifa A. „Überhaupt waren alle sehr diszipliniert“, ergänzt Lehrerin Bleranda L. Der Unterricht fand jeden Tag von 8 bis 13 Uhr statt – für die meisten war das nicht einfach zu organisieren, weil sie zum Teil zusätzlich familiäre Verpflichtungen hatten, sich um Kinder und/oder Eltern kümmern mussten. Es habe Höhen und Tiefen gegeben. „Aber wir alle zusammen mit den Schüler*innen und den Lehrkräften waren ein tolles Team.“

Der nächste Vorbereitungskurs für den Hauptschulabschluss startet am 9. Januar 2024. Mehr Informationen dazu gibt es unter Telefon 0511 21978-119 oder per E-Mail an qualifizierung@awo-hannover.de

Zum Hintergrund:

Die AWO Region Hannover berät und unterstützt Menschen in der Region Hannover durch vielfältige Angebote. Das Zentrum für berufliche Entwicklung ist ein zertifizierter Träger der beruflichen Weiterbildung und unterstützt mit wechselnden Qualifizierungen Erwerbslose bei der beruflichen Neuorientierung und Integration in Arbeit.

Der Vorbereitungskurs für den Hauptschulabschluss dauert etwa neun Monate. Während der gesamten Dauer werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sozialpädagogisch begleitet. Die Maßnahme kann über die Förderung beruflicher Weiterbildung (FbW) nach Paragraf 81 SGB III sowohl von der Agentur für Arbeit als auch vom Jobcenter über einen Bildungsgutschein gefördert werden.

Text & Fotos: Gaby Kujawa/AWO

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