Anna-Lena S. will nach „Höllenjahr“ wieder schuldenfrei werden

AWO Schuldnerberatungsstelle in Langenhagen hilft

Hannover/Langenhagen. Für Anna-Lena S.*  aus Langenhagen war 2016 „das Höllenjahr“: Ihre Großeltern starben und Ärzte diagnostizierten bei ihr eine schwere chronische Krankheit – außerdem war sie auf Jobsuche, alleinerziehend und hatte Schulden. „Irgendwann war ich so fertig, dass ich tote Maus gespielt und die Post nicht mehr geöffnet habe“, sagt die 26-Jährige. Die Folge: Die Schulden häuften sich. In diesen Tagen sehe sie zum ersten Mal wieder Licht am Horizont und eine Perspektive – eine große Hilfe sei für sie die Schuldnerberatungsstelle der AWO Region Hannover.

„Es war die hohe Nachzahlung für Gas, die mich endgültig ruiniert hat“, sagt Anna-Lena. Sie wohnt mit ihrer Tochter in einem alten Haus, das nicht gut gedämmt ist. „Ich habe mit einer Nachzahlung gerechnet, aber dass sie so hoch sein wird, hätte ich nicht gedacht, da ich sehr sparsam mit Energie umgehe.“ Wie schlecht es um ihre Finanzen steht, erfährt sie kurz nach Weihnachten am Bankautomaten. „Es war Geld auf meinem Konto, aber ich konnte nichts mehr abheben.“ Es stellt sich heraus: Einer ihrer Gläubiger hat ihr Konto gepfändet. „Ich war total verzweifelt“, erinnert sich Anna-Lena. Beim Jobcenter rät man ihr dann, die AWO Schuldnerberatungsstelle in Langenhagen aufzusuchen.

Zwei Beratungstermine später hat Anna-Lena wieder Hoffnung, ihre Schulden abbauen und irgendwann ein schuldenfreies Leben führen zu können. AWO Einrichtungsleiterin Elke Zebedies hat zunächst ein Pfändungsschutzkonto für sie beantragt, damit sie wieder über ihr Konto verfügen kann. Gemeinsam mit Zebedies geht Anna-Lena Schritt für Schritt alle offenen Rechnungen durch und sie machen eine Aufstellung. Nach einer ersten Sichtung geht Zebedies von weniger als 5000 Euro Gesamtschulden aus. „Vielleicht sind es auch nur 3000 Euro.“ Der nächste Schritt werde sein, den Gläubigern ein Rückzahlungsangebot zu machen. „Und wir müssen schauen, wo wir das Geld herbekommen können“, sagt Zebedies. Im Fall von Anna-Lena haben sich die Eltern bereit erklärt, ihr zu helfen. „Als Erwachsene fällt es mir natürlich schwer, wieder wie ein Kind um Geld zu bitten“, sagt Anna-Lena.

Neben den Schulden sorgt sie sich auch um ihre berufliche Laufbahn, da sie lediglich einen Hauptschulschluss hat.  „Ich komme aus einem bürgerlichen Elternhaus, habe aber viel Mist gebaut und sehr viele schlimme Sachen in meiner Jugend erlebt und damit meine Schullaufbahn ruiniert – das bereue ich jetzt sehr.“ Anna-Lena geht offen mit ihrer Vergangenheit um. Mit 19 wurde sie schwanger, ihren Ex-Freund und Vater ihres Kindes verließ sie, weil er gewalttätig geworden sei. Unterhalt bekommt sie von ihm nicht. Monatlich muss Anna-Lena S. mit 1100 Euro einschließlich Kindergeld auskommen; allein 600 Euro gehen für Miete, Strom und Gas drauf. „Wenn alle laufenden Rechnungen bezahlt sind, habe ich manchen Monat nur 80 Euro zur Verfügung“. Als erstes spare sie bei sich selbst, um ihrer Tochter Teilhabe zu ermöglichen. Der Schulstart habe fast 500 Euro gekostet, Bücher, Hefte, Stifte – der Zuschuss vom Jobcenter habe die Kosten nicht mal annähernd gedeckt. Für „normale“ Aktivitäten, die Kinder gern mit ihren Eltern unternehmen, ist kaum Geld da. „Meine Tochter geht gern schwimmen. Im Sommer kann man auch mal kostenlos an einen See fahren, im Winter geht das nicht“, sagt Anna-Lena.

Für die Zukunft wünscht sich Anna-Lena, wieder schuldenfrei zu werden und einen besseren Schulabschluss nachholen zu können, um eine Ausbildung machen zu können. „Mit meiner Krankheit kann ich leider nur eingeschränkt körperlich arbeiten. Am liebsten würde ich im sozialen Bereich arbeiten“, sagt Anna-Lena.

*Name redaktionell geändert.

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