Kerstin Kremer, Mitarbeiterin von „Violetta“, einer Fachberatungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und junge Frauen, informierte Bewohnerinnen des AWO Wohnhauses zum Thema Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern.

„Muss ich tun, was er sagt?“

Projekt Gewaltschutz im AWO Wohnhaus Höver: Expertin informierte zur Prävention von sexuellem Missbrauch

Hannover/ Sehnde. Das Mädchen Jenny mag ihren Onkel, weil er immer so lustige Geschichten erzählt, doch plötzlich will er Nacktfotos von ihr machen; der Junge Murat fühlt sich nach einem Streit mit seinen Freunden einsam und lässt sich von seiner Lehrerin trösten, die ihn jedoch sexuell belästigt. Wie sollen Eltern in solchen Situationen handeln? Und wie schaffen sie ein Klima, in dem sich ihre Kinder ihnen bei Problemen anvertrauen. Darüber informierte Kerstin Kremer, Mitarbeiterin von „Violetta, der Fachberatungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und junge Frauen“ jetzt Bewohnerinnen des AWO Wohnhauses für Geflüchtete in Höver. Organisiert wurde die Veranstaltung von Rabia Kuru – sie hat die Gewaltschutzkoordinatorenstelle inne, die der Bund hier seit einem Jahr fördert.

Um den Schutz von besonders schutzbedürftigen Menschen zu einem Bestandteil der vielfältigen Aufgaben von Flüchtlingsunterkünften in Deutschland zu machen, ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) eine Kooperation mit der Organisation UNICEF eingegangen. Gemeinsam haben sie im Frühjahr 2016 eine Initiative zum Schutz von Frauen und Kindern in Flüchtlingsunterkünften gestartet – für die Umsetzung werden aktuell bis zu 100 Koordinatorenstellen gefördert. Seit einem Jahr ist Rabia Kuru  Gewaltschutzkoordinatorin in der AWO Flüchtlingsunterkunft in Höver und organisiert regelmäßig Informationsveranstaltungen zum Thema Gewaltprävention.

„Muss ich tun, was er sagt?“ steht auf einem DIN A 4-Plakat, das im Flur des Wohnheims hängt. Darunter steht die Telefonnummer einer Beratungshotline. Das Plakat hat Kuru aufgehängt; es ist eines von mehreren, auf denen Hilfe bei Gewaltsituationen angeboten wird – sie sind wie die regelmäßigen Veranstaltungen Teil des Gewaltschutzkonzeptes der AWO Einrichtung, in der derzeit 27 Geflüchtete untergebracht sind. „Wir sensibilisieren die Bewohnerinnen und Bewohner und informieren sie aktiv über ihre Rechte und Hilfsangebote, erklärt Kuru. Zwischen 5 und 15 Bewohnerinnen und Bewohner nahmen an den bisherigen Infoveranstaltungen teil. Zum Vortrag von Kremer hat es Bewohnerinnen und vier dezentral untergebrachte Frauen gezogen. Begleitet wurden sie von zwei Übersetzerinnen, die ins arabische und in farsi übersetzen.

Zu Beginn des Vortrags zeigt Kremer kurze animierte Filme, die unterschiedliche Formen von sexuellem Missbrauch aufzeigen und erläutert, wie Täter und Täterinnen vorgehen. Dann leitet die Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin zur Prävention über. „In der Familie bedeutet präventive Erziehung, den Kindern mit Liebe und Respekt zu begegnen, ihre Persönlichkeit ernst zu nehmen und ihre Selbstbestimmung zu fördern“, erklärt Kremer. Im Mittelpunkt der präventiven Erziehung stehe die Stärkung der Mädchen und Jungen. „Diese gelingt am besten, wenn Eltern sensibel für die Belange ihrer Kinder sind. Vor allem aber geht es darum, sie zu ermutigen, sie selbst zu sein, ohne die Grenzen anderer zu überschreiten.“ Wichtig sei es auch, Kinder und Jugendliche darin zu bestärken, sich nicht zu Dingen überreden zu lassen, die sie nicht wollen. „Kinder müssen wissen, dass sie ein Recht haben, Nein zu sagen und ihre Grenzen aufzeigen dürfen“, so Kremer. Zur präventiven Erziehung gehören laut Kremer außerdem, die Kinder über ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung aufzuklären, die Sexualerziehung, damit Kinder nicht unwissend sind, die Wahrnehmungsfähigkeit der Mädchen und Jungen zu fördern und sie darin zu unterstützen, ihre Gefühle auch auszudrücken; die Aufklärung darüber, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt und die Aufklärung über sexuellen Missbrauch. „Präventive Erziehung verlangt Besonnenheit und realistische Ziele. Sie kann Risiken verringern, aber keinen absoluten Schutz garantieren. Sie kann aber dazu beitragen, Missbrauch frühzeitig zu beenden, bevor schwere seelische Verletzungen entstehen. Und sie kann helfen, seelische Verletzungen schneller verheilen zu lassen“, so Kremer abschließend.

Die nächste Veranstaltung im AWO Wohnhaus am kommenden Freitag, 31. August, richtet sich an männliche Geflüchteten und hat die Grundrechte zum Thema. Ein Mitarbeiter des Männerbüros Hannover e.V. wird den Männern einen Einblick in das deutsche Grundgesetz geben und sie über die rechtliche Situation in Deutschland aufklären.

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