„Ich habe 11 Jahre Hölle hinter mir“

Jana M.* floh vor ihrem gewalttätigen Ex-Freund ins AWO Frauenhaus

Hannover. „Ich habe 11 Jahre Hölle hinter mir“, sagt Jana M. aus Hannover. 11 Jahre lang wurde die heute 30-Jährige von ihrem Freund verprügelt, eingesperrt und zum Sex gezwungen. Vor einigen Monaten gelang ihr die Flucht aus der häuslichen Gewalt ins AWO Frauenhaus. „Das hat mich gerettet“, sagt sie.

Es war die Liebe, die sie nach Deutschland verschlug: Bei einem Kurzurlaub lernte Jana M.* aus Tschechin, damals gerade 18 Jahre alt, ihren Freund Stefan S.* kennen – dann ging alles ganz schnell: Sie packte das Nötigste zusammen, ging nach Deutschland und zog sofort mit ihm zusammen. „Er war so witzig, ich habe mich schnell in ihn verliebt“, sagt M.

Die erste Zeit sei wunderschön gewesen, die beiden schmiedeten Pläne und kauften ein Haus. Sie ging arbeiten, er blieb zu Hause. Doch nach einiger Zeit bemerkte sie, wie sich ihr Freund veränderte: Er fand keine Arbeit, war häufig betrunken und es kam zu Streits. „Er hat von Anfang an gern Alkohol getrunken, aber irgendwann wurde es immer mehr und er war schon nachmittags betrunken“, erinnert sich M.

Die Streits zwischen den beiden wurden heftiger – und plötzlich körperlich. „Es fing mit einer Ohrfeige an“, erinnert sich M. Die erste Ohrfeige verzeiht sie ihm, das kann mal passieren, denkt sie sich. Doch je mehr er trank, desto schlimmer wurden seine Attacken: Dann, nach einem Streit, wird M. zum ersten Mal von ihrem Freund verprügelt – ihr ganzer Körper ist am nächsten Tag mit blauen Flecken übersät. „Es war schrecklich. Ich habe tagelang geweint und konnte nicht zur Arbeit gehen“.

Es bleibt nicht bei diesem einen Vorfall. Fortan endet jeder Streit damit, dass M. verprügelt wird. „Er hatte keine Hemmschwellen mehr. Manches Mal hat er gleich nach dem Aufwachen auf mich eingeprügelt.“ Hinzu kam seine ständige Eifersucht und Kontrollsucht. In dieser Zeit darf sie sich nicht mit anderen Menschen treffen – nur einen Abend pro Woche erlaubt er ihr, eine Freundin zu besuchen. Zur Arbeit wird sie von ihm gebracht und abgeholt. Als ihre Mutter zu Besuch kommt, machen sie gemeinsam einen Ausflug in den Zoo. Mit dabei: ein gemeinsamer alter Freund, mit dem M. plaudert. S. wird wieder eifersüchtig und drückt eine Zigarette an ihr aus. Ein anderes Mal schneidet er ihre Haare ab und sticht mit einer Schere auf sie ein.

Mittlerweile gehören Prügel zu ihrem täglichen Leben. „Ich trug im Sommer bei fast 40 Grad einen Pullover, um meine blauen Flecken zu verstecken.“ Damit sie weiterhin zur Arbeit gehen kann, fleht sie ihn an, ihr nicht ins Gesicht zu schlagen. „Oft schlug er mich mit einem Gürtel und ich war von oben bis unten mit blauen Flecken übersät – die Schmerzen spürte ich schon gar nicht mehr“, erinnert sich M. Wenn sie andeutete, ihn verlassen zu wollen, habe er gedroht, ihr Säure ins Gesicht zu schütten und Leute zu bezahlen, die ihrer Familie etwas antun.

Über die Arbeit gewinnt sie eine neue Freundin, die sie ermutigt, ihren Freund zu verlassen. Eines Tages fasst sie ihren ganzen Mut zusammen und geht nicht zur Arbeit, sondern fährt zu ihrer Freundin: Sie will sich trennen. Doch S. lässt nicht locker, er schüchtert sie ein und erpresst sie – mit Erfolg: Sie kehrt noch einmal zu ihm zurück. Doch auch ihre Freundin lässt nicht locker: Da M. nicht telefonieren darf, sucht sie für sie die Nummern von Frauenhäusern raus – als M. erfährt, dass ein Platz im AWO Frauenhaus frei ist, tritt sie ihre zweite Flucht an. Dieses Mal mit Erfolg – und mit Hilfe ihrer Freundin und einem Bekannten, der heute ihr Freund ist.

Mit Polizeibegleitung holt sie ihre Sachen aus der gemeinsamen Wohnung ab – nur das nötigste, es sollte schnell gehen, auch wenn sie einen Großteil der Einrichtung bezahlt hatte. Heute könne sie nicht verstehen, wie sie so lange mit ihm zusammen sein konnte. „Ich bin in einen Abwärtsstrudel geraten und war darin gefangen – dadurch habe ich elf Jahre meines Lebens verpasst“, sagt M.  Die Flucht ins Frauenhaus der AWO habe sie gerettet. Die AWO habe ihr geholfen, ein neues Leben zu beginnen. „Ich bin quasi wiedergeboren worden – für mich beginnt das Leben jetzt“, sagt M. Und auch ihre Freundin und ihr heutiger Freund hätten ihr sehr bei ihrem Neustart geholfen. Jeder Tag in Freiheit sei ein Geschenk. „Ich erfreue mich gerade an so einfachen Dingen wie einen Kaffee in einem Café trinken – ich bin so glücklich.“

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