Die Vergabe der Notbetreuungsplätze sei nicht immer einfach. „In der Umsetzung müssen wir immer Eltern enttäuschen - das belastet in manchen Fällen das Verhältnis zu den Eltern, das ansonsten sehr gut ist“, berichtet kNadine Gnauck, Leiterin der AWO Kita Bergfeldstraße, hier mit Erzieherin Stefanie Kriese.

„Ich bin den Erzieherinnen und Erziehern sehr dankbar!“

Notbetreuung in den Kindertagesstätten: AWO Region Hannover stellt 1913 Plätze - Mitarbeitende hohem Ansteckungsrisiko ausgesetzt - AWO Kita Voltmerstraße zum zweiten Mal von Corona betroffen

Region Hannover. Die neue Regelung zur Notbetreuung in den niedersächsischen Kitas ist vor etwas mehr als zwei Wochen in Kraft getreten – die AWO Region Hannover stellt in ihren 48 Einrichtungen 1913 Notbetreuungsplätze zur Verfügung. „Davon haben wir mehr als 1165 durchschnittlich und real belegt“, berichtet Ingrid Kröger, Leiterin des AWO Fachbereichs Tageseinrichtungen für Kinder. Dabei sei zu berücksichtigen, dass nicht alle Plätze jeden Tag von den Familien benötigt werden und manche Einrichtungen wegen Corona teilweise oder ganz geschlossen sind. In den Notgruppen können laut Anordnung des niedersächsischen Kultusministeriums maximal 50 Prozent der Kinder betreut werden. Aufgenommen werden Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil in einem systemrelevanten Bereich arbeitet, die einen besonderen Unterstützungsbedarf haben und Vorschulkinder.

„Es ist wichtig, die Notfallbetreuung für die Kinder und Familien anzubieten“, sagt AWO Vorstandsvorsitzender Burkhard Teuber. Für viele Familien stelle die Situation wieder eine große Herausforderung dar, Berufstätigkeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren. Besonders betroffen seien Alleinerziehende. Allerdings bestehe nach wie vor ein hohes Ansteckungsrisiko, so Teuber. Zwischendurch mussten immer mal wieder Kindertagesstätten geschlossen werden, weil sich Kinder, Eltern oder Mitarbeitende infiziert hatten. „Ich bin den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kitas sehr dankbar, dass sie durch ihren Einsatz den Betrieb aufrechterhalten“, betont Teuber.

Dankbar ist auch Franziska Finke den Erzieherinnen und Erziehern der AWO. Als arbeitende Mutter von zwei Kindern, die in der AWO Kita Rosenbergstraße notbetreut werden, wisse sie ihren Einsatz zu schätzen. Während der Corona-Pandemie sei ihr noch deutlicher geworden, wie wichtig Kindertagesstätten wie die AWO Einrichtung sind, um Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. „Ein Großteil der sogenannten Care-Arbeit übernehmen ja immer noch die Frauen“, sagt Finke. Berufstätigkeit und die gleichzeitige Betreuung von Kleinkindern seien schwer vereinbar, zum Beispiel längere Zeit konzentriert zu arbeiten, ein Telefonat zu führen oder aktiv an einer Videokonferenz teilzunehmen. „Wenn im Hintergrund die Kinder spielen, ist immer was los – Kinder können und sollen ja auch nicht geräuschlos spielen.“ Für ihre Kinder bedeute die AWO Kita mehr als nur Betreuung. „Hier treffen sie ihre Freunde, können frei spielen, individuelle Angebote nutzen und ihrer Phantasie mit Gleichaltrigen freien Lauf lassen“, sagt Finke.

Die Notbetreuung findet derzeit in festen Gruppen statt. Eine Durchmischung der Gruppen soll laut Vorgaben des niedersächsischen Kultusministeriums vermieden werden. Die Gruppen werden beim Bringen und Abholen, beim Spielen auf dem Außengelände und beim Mittagessen streng voneinander getrennt. Früh- und Spätdienste werden nicht angeboten. In den Hortgruppen besteht eine Maskenpflicht für die Fachkräfte und die betreuten Schulkinder.
Normalerweise werden in der AWO Kita im Stadtteil Buchholz/Kleefeld 85 Kinder in einer Krippen-, zwei Kindergarten- und einer Hortgruppe betreut. Knapp mehr als 40 Kinder sind momentan für die Notbetreuung angemeldet. „Wir haben tolle Eltern, die großes Verständnis für die Situation haben“, sagt Kitaleiterin Petra Horn. Es lägen nur Anträge von Eltern vor, die in systemrelevanten Berufen arbeiten und von Alleinerziehenden. Trotzdem hätten die Mitarbeiterinnen große Sorge, sich anzustecken. Horn verweist auch auf die AOK-Studie von Dezember 2020, nach der Erzieherinnen und Erzieher und Pflegekräfte am häufigsten an Corona erkranken würden. „Im Moment ist die Situation stabil, im Dezember mussten wir 14 Tage schließen“, sagt Horn. Und die Lage könne sich jederzeit wieder ändern. „Wir stehen an vorderster Linie“.

“Ich wünsche mir mehr Wertschätzung von der Politik”, sagte Stefanie Kriese, Erzieherin in der AWO Kita Bergfeldstraße. “Wir sind ein wichtiges Rad im Getriebe unserer Gesellschaft – ohne uns würde vieles nicht laufen.“ Die jetzige Notbetreuungsverordnung habe die Kita, die normalerweise von 102 Kindern besucht wird, bereits umgesetzt, die 50-prozentige Auslastung erreicht, berichtet Leiterin Nadine Gnauck. Dabei sei die Vergabe der Notplätze nicht immer einfach. „Wir haben Vorgaben aus der Politik, die oft nicht ganz eindeutig sind. In der Umsetzung müssen wir immer Eltern enttäuschen – das belastet in manchen Fällen das Verhältnis zu den Eltern, das ansonsten sehr gut ist“, berichtet Gnauck. Die alltägliche Arbeit sei weiterhin eingeschränkt. „Von einem offenen Konzept mussten wir auch wieder abrücken. Es gibt nur feste Gruppen und auch die Aktivitäten sind limitiert – die Kinder können beispielsweise nicht singen“, berichtet Gnauck. Kleine Enttäuschungen gebe es regelmäßig bei den Kindern, wenn beispielsweise ihr Lieblingsspielzeug nicht greifbar ist, weil es sich in einem anderen Gruppenraum befindet. „Die Kinder gehen aber toll mit der Situation um – und haben sich schnell an die neuen Regeln gewöhnt“, erklärt Gnauck.

Die AWO Kita Voltmerstraße ist bereits zum zweiten Mal von Corona betroffen. Der Leiter der Kita, Markus Stünkel, sowie neun Kolleginnen und Kollegen sind an Covid-19 erkrankt. „Zum Glück musste niemand ins Krankenhaus“, berichtet Anja Schulze von der AWO Fachberatung. Die Mitarbeitenden hätten über starke Grippe-ähnliche Symptome und schwere Erschöpfungserscheinungen geklagt. „Eine Mitarbeiterin berichtete mir, wie schwer ihr leichte, alltägliche Arbeiten seit ihrer Erkrankung fallen“, so Schulze. Das Gesundheitsamt hatte in der vergangenen Woche kurzfristig einen Sammeltest-Termin anberaumt, um abzuklären, ob niemand an einer Mutation des Virus erkrankt ist. Deshalb wurde die Quarantäne für manche Fachkräfte noch einmal verlängert. Außerdem wurde abgefragt, ob jemand im Ausland war oder Kontakte zu Personen aus dem Ausland hatte. Voraussichtlich Anfang nächster Woche sollen die Mitarbeitenden zurückkehren und die Notbetreuung vorbereiten, so dass die Kinder ab dem 3. Februar wieder in der Kita betreut werden können.

Bereits im November musste die Kita 50 Kita-Kinder und neun pädagogische Fachkräfte kurzzeitig in Quarantäne schicken. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie mussten noch weitere AWO Kitas ganz oder teilweise schließen. AWO Fachbereichsleiterin Ingrid Kröger appelliert deshalb an die Eltern: „Zum Schutz ihrer Kinder, ihrer Familien und unserer Mitarbeitenden sollten die Kinder möglichst zu Hause betreut werden“.

Text: Christian Degener/ Gaby Kujawa, Fotos: Christian Degener

Die Vergabe der Notbetreuungsplätze sei nicht immer einfach. „In der Umsetzung müssen wir immer Eltern enttäuschen – das belastet in manchen Fällen das Verhältnis zu den Eltern, das ansonsten sehr gut ist“, berichtet Nadine Gnauck, Leiterin der AWO Kita Bergfeldstraße, hier mit Erzieherin Stefanie Kriese.

Berufstätigkeit und die gleichzeitige Betreuung von Kleinkindern seien schwer vereinbar, zum Beispiel längere Zeit konzentriert zu arbeiten, ein Telefonat zu führen oder aktiv an einer Videokonferenz teilzunehmen, berichtet Franziska Finke, Mutter von zwei Kindern in der AWO Kita Rosenbergstraße.

Nach wie vor bestehe  ein hohes Ansteckungsrisiko, sagt AWO Vorstandsvorsitzender Burkhard Teuber. Zwischendurch mussten immer mal wieder Kindertagesstätten geschlossen werden. „Ich bin den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Kitas sehr dankbar, dass sie durch ihren Einsatz den Betrieb aufrechterhalten“, betont Teuber.

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