Achim Günter Klimaschewsky (rechts) ist Teilnehmer bei AWO BeA und unterstützt AWO Haustechniker Gerd Krüger bei der Arbeit im AWO Carré Spierenweg und im AWO Wohnheim Nordfelder Reihe.

„Hier habe ich Kontakt zu anderen Menschen“

AWO bietet Betätigungsangebote für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen

Region Hannover/ Hannover. Achim Günter Klimaschewsky ist Teilnehmer bei AWO BeA – Betätigungsangebote für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Als technischer Assistent unterstützt er Gerd Krüger, der als Haustechniker für die AWO Einrichtungen Wohnheim Nordfelder Reihe und Carré Spierenweg zuständig ist, bei der Arbeit. Der gelernte Maler und Lackierer hat bis 2007 in seinem Beruf gearbeitet. Im Alter von 42 Jahren ist er vom Gerüst gestürzt – ein Arbeitsunfall, bei dem seine rechte Körperseite verletzt wurde. Seitdem ist der jetzt 55-Jährige arbeitsunfähig und bezieht Erwerbsminderungsrente.

In der damals für ihn schwierigen Zeit seien auch seine Eltern verstorben – erst der Vater, dann die Mutter, wie er erzählt. Klimaschwesky, der ein sehr enges Verhältnis zu ihnen hatte, ist mit dem Tod der Eltern nicht klargekommen. Er bekam psychische Probleme, litt an Depressionen und war einige Jahre auf Unterstützung durch eine ambulante Wohnbetreuung angewiesen. „Ich konnte meinen Alltag nicht mehr selber regeln.“ Ein Busunfall im Jahr 2010, bei dem seine linke Gesichtsseite stark beschädigt wurde, habe ihn zusätzlich belastet. Doch irgendwann habe er wieder den Wunsch verspürt, etwas Sinnvolles zu machen. „Richtig arbeiten, konnte ich nicht mehr, aber ich wollte wieder raus.“ Zuhause sei ihm die Decke auf den Kopf gefallen. Seine Wohnbetreuung habe ihm dann das Angebot BeA bei der AWO empfohlen und einen gemeinsamen Termin zu einem ersten Beratungsgespräch vereinbart.

Betätigungsangebote sind ein gemeindenahes und niedrigschwelliges Angebot, das Menschen mit unterschiedlichen, auch schwereren Beeinträchtigungen ermöglicht, ihre (Arbeits-) Fähigkeiten einzusetzen. „Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen bekommen hier die Möglichkeit, einer Tätigkeit nachzugehen, die ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten individuell angepasst wird“, erklärt Silke Semrau, die zuständige AWO Mitarbeiterin bei BeA das Angebot. Ihnen werde eine flexible stundenweise Beschäftigung ermöglicht, die ihnen die nötige Unterstützung bietet, ihr Alltagsleben zu stabilisieren, soziale Kontakte zu haben, Selbstbewusstsein zu stärken und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Für manche Teilnehmende biete es sogar eine Perspektive auf eine reguläre Beschäftigung im Arbeitsmarkt.

„Ich konnte mir das gut vorstellen – stundenweise zu arbeiten, zu unterstützen, aber nicht voll verantwortlich zu sein“, sagt Klimaschwesky. Das hätte er aufgrund seiner psychischen und körperlichen Beeinträchtigung auch gar nicht leisten können, wie er betont. Es gehe ihm nicht jeden Tag gleich gut und bei BeA werde darauf Rücksicht genommen.“ Gemeinsam mit Silke Semrau wurden dann die weiteren Schritte und Einsatzmöglichkeiten für ihn besprochen.

Seine erste Tätigkeit war im AWO Pflegeheim Sehnde. Dort wollte er sich um Senior*innen kümmern, ihnen das Essen anreichen und sie beschäftigen. Das sei aber doch nicht so sein Ding gewesen, erklärt Klimaschwesky, der vorher immer handwerklich gearbeitet hatte. Auch Gespräche mit allen Beteiligten hätten daran nichts geändert. Er habe es versucht, aber keinen richtigen Zugang zu den Bewohner*innen gefunden und seine Tätigkeit abgebrochen. Danach war er ein Jahr im Bistro eines Krankenhauses als Spülhilfe tätig. Das sei ihm aber irgendwann zu viel geworden und er habe dann mit Silke Semrau andere Einsatzmöglichkeiten besprochen.

Zu dieser Zeit suchten das Wohnheim Nordfelder Reihe und das Carré Spierenweg im Rahmen der Kooperation mit AWO BeA jemanden zur Unterstützung des Haustechnikers. Bei vielen Dingen sei es einfacher zu zweit, berichtet Gerd Krüger, der seit 2005 für die beiden AWO Einrichtungen zuständig ist und damals gefragt wurde, ob er sich eine Zusammenarbeit mit Achim vorstellen könne. „Einer hält die Leiter fest, der andere bohrt und schraubt ein Regal an oder auch Schränke ausbauen und transportieren“ – mit zwei Leuten funktioniert das besser“, so Krüger. Nach drei Tagen Probearbeiten war klar: Klimaschewsky wird als technischer Assistent eingesetzt. „Es passte super“, darüber waren sich alle einig. Das war im Frühjahr 2021.

Die Arbeit mache ihm viel Spaß und sei sehr vielfältig. Jeder Tag sei anders, betont Klimaschwesky. Zu seinen Aufgaben gehörten zum Beispiel Malerarbeiten, kleinere Renovierungen, Rasen mähen oder Altpapier wegbringen. „Im Moment unterstützte ich Gerd dabei, die Küchen in den Wohnungen im Carré Spierenweg auszubauen und nach der Grundrenovierung durch den Eigentümer wieder einzubauen. Im Wohnheim Nordfelder Reihe ziehen gerade viele Bewohner*innen um und die Zimmer müssen renoviert werden.“ In beiden Einrichtungen sei es viel Instandhaltung, das reiche vom Wechseln einer Birne über die Reinigung von Abflüssen bis hin zur Entsorgung von Sperrmüll.

Für seine Teilnahme bekommt er eine sogenannte Motivationszuwendung in Höhe von drei Euro pro Stunde“, erklärt Silke Semrau. Die wöchentliche Arbeitszeit dürfe bei BeA-Tätigkeiten 15 Stunden nicht überschreiten. Zurzeit sei er zwei Tage im Wohnheim und drei Tage im Carré Spierenweg für jeweils drei Stunden eingesetzt. Es finden regelmäßig Reflexionsgespräche mit allen Beteiligten statt, je nach Bedarf monatlich, wahlweise aber auch öfter oder seltener. Hier geht es darum, Raum zu schaffen für Rückmeldungen, wie die Zusammenarbeit verläuft, mögliche Unsicherheiten zu besprechen, sowohl von Teilnehmer*innenseite als auch von Seiten des Betriebes. Ganz oft werden hier aber auch Lob und Anerkennung für die geleistete Unterstützung ausgesprochen, sagt Semrau.

Er mache das nicht allein des Geldes wegen, wie Klimaschwesky betont. Es sei schön, sich etwas dazuzuverdienen, wichtiger sei ihm aber, etwas zu tun zu haben und nicht alleine zu sein. Zuhause falle ihm die Decke auf den Kopf, hier habe er Kontakt zu anderen Menschen. „Ich fühle mich wohl.“

„Achim ist eine tolle Bereicherung für unsere Einrichtung“, freut sich Tanja Holzheimer, Leiterin Carré Spierenweg. Er sei so eine Type. Außerdem sei er sehr zuverlässig. Wenn es ihm nicht gut ginge oder er wegen seiner Augen zum Arzt müsse, würde er Bescheid sagen und sich abmelden. Er habe handwerklich wirklich etwas auf dem Kasten – und als Ergänzung zu Gerd sei er goldwert. Das bestätigt auch Marco Schomakers, der das Wohnheim Nordfelder Reihe leitet. Achim sei auch da, wenn Gerd im Urlaub ist und erledige Dinge zuverlässig. Meistens müsse er gebremst werden, dass er nicht zu viel macht. „Er hat sich hier wunderbar eingefunden, ist ein Teil des Wohnheim-Teams geworden und macht seine Sache einfach super.“

Kontakt:
AWO BeA – Betätigungsangebote für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen
Deisterstraße 85 A, 30449 Hannover
Ansprechpartnerinnen: Silke Semrau, Antje Linhart
Telefon 0511 21978-167
awobea@awo-hannover.de

Text & Fotos: Gaby Kujawa/AWO

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