Katharina Krüger ist die neue Ansprechpartnerin für Frauen in Seelze, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.

„Gewalt kann Frauen jeden Alters treffen“

Seelze: Katharina Krüger ist die neue Ansprechpartnerin in der AWO Frauenberatungsstelle

Hannover/ Seelze. Vertraulich, parteilich, kostenfrei und auf Wunsch anonym – so berät die AWO Region Hannover seit Jahren Frauen in Seelze, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Jetzt gibt es einen Personalwechsel in der Frauenberatungsstelle: Neue Ansprechpartnerin in Seelze ist künftig Katharina Krüger. Die AWO Frauenberatung ist auch weiterhin im Sozialen Haus gegenüber dem Rathaus zu finden.

Annika Meyer (Name von der Redaktion geändert) führt eine harmonische Beziehung: Sie lebt mit ihrem Partner zusammen, die beiden verstehen sich bestens, nun soll ein Kind ihr privates Glück krönen. Doch als Meyer schwanger wird, ändert sich plötzlich das Verhalten ihres Partners: Er fängt an, sie zu kontrollieren, ihr Dinge zu verbieten und ist ständig grundlos eifersüchtig. Sie darf weder ihre Freundinnen treffen noch aus dem Haus gehen, ihr gemeinsames Zuhause ist mittlerweile zu einem Gefängnis für sie geworden: es folgen ständige Beleidigungen und Schläge. Als die Gewalt zunimmt, sucht Meyer die AWO Frauenberatung auf. „Sie war eine der ersten Frauen, die ich in Seelze beraten habe“, sagt Krüger, die zuerst als Vertretung in Seelze gearbeitet hat.

Meyer ist kein Einzelfall. 118 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen mit insgesamt 103 mitbetroffenen Kindern hat es im vergangenen Jahr in Seelze gegeben, berichtet Krüger. Dabei sei die Gewalt in 56 Prozent der Fälle vom Partner ausgegangen, zu 32 Prozent vom Ex-Partner und zu 12 Prozent von Familienmitgliedern. „Unter häuslicher Gewalt wird meist körperliche Gewalt verstanden, aber Gewalt kann vielschichtig sein – gerade psychische Gewalt kann das Leben von Frauen zur Hölle machen“, betont Krüger. Beleidigungen, Druck, Manipulationen, Verbote, Ausnutzen der finanziellen Abhängigkeit: die Symptome psychischer Gewalt können laut Krüger vielfältig sein. Krüger appelliert auch an das Umfeld der Betroffenen, nicht wegzuschauen. „Zu mir in die Beratung können auch Menschen kommen, die häusliche Gewalt in ihrem Umfeld beobachten und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen“, betont Krüger.

Krüger hat Soziale Arbeit in Coburg und Hildesheim studiert, derzeit macht die 25-Jährige nebenbei ihren zweiten Master in „Sozialer Arbeit im internationalen und interkulturellen Kontext“. „Ich lerne einfach gern Neues“, sagt Krüger. Bereits im Bachelorstudium stand für sie fest, dass sie später Frauen beraten möchte. Damals legte sie ein Praxissemester in Schottland in einer Frauenberatungsstelle mit angeschlossenem Frauenhaus ein. „Dort kam ich gleich mit richtig schweren Fällen von körperlicher Gewalt in Berührung“, sagt Krüger.

Der AWO ist Krüger seit ihrer Kindheit verbunden. „Als Kind nahm ich die Angebote des AWO-Ortsvereins wahr und hatte viel Spaß bei Freizeiten und Ausflügen.“ Und was macht ihr an ihrem neuen Job Spaß? „Die Beratungen fordern mich immer wieder aufs Neue heraus, da die Frauen mit unterschiedlichen Problemlagen an mich herantreten. Toll ist es natürlich, wenn ich Frauen helfen kann und sie ihr Leben nach ihren Wünschen verändern können“, sagt Krüger.

Mit den Frauen geht sie die möglichen Optionen durch. So können die Betroffenen von Gewalt einen Gewaltschutzantrag stellen, der in einem Eilverfahren vor Gericht gestellt wird, damit der gewalttätige Mann zum Beispiel aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen muss. Eine weitere Möglichkeit ist der Gang in ein Frauenhaus, um Schutz zu finden. Für diese Variante entschied sich Annika Meyer nach mehreren Beratungen bei der AWO: Krüger vermittelte sie an ein Frauenhaus weiter.

Jede vierte Frau in Deutschland erlebt Gewalt in einer Beziehung, berichtet Krüger. „Und Gewalt kann Frauen jeden Alters treffen“. Kürzlich habe eine ältere Frau, die ihren Ehemann pflegt, die AWO Beratung aufgesucht, da sie ständig von ihm beleidigt wird. „Sie will sich aber nicht von ihm trennen, weil sie ihn liebt. Deshalb habe ich mit ihr zusammen Unterstützungsangebote herausgesucht, damit sie entlastet wird. Jede Frau bekommt eine für sie passende Beratung.“, berichtet Krüger.

Katharina Krüger ist die neue Ansprechpartnerin für Frauen in Seelze, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.

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