Die Gruppe besteht derzeit aus 20 Lyrikfreund*innen. Bei der Jubiläumsfeier gratulierten unter anderem der SPD-Bundestagsabgeordnete Adis Ahmetovic (hinten, 5. von links) und Bezirksbürgermeister Thorsten Baumert (Grüne, hinten, 4. von rechts).

Aus Lyrikfreunden wurden Freunde

AWO Lyrikkreis besteht seit 25 Jahren / Treffen finden monatlich statt

Region Hannover/ Hannover-Vahrenwald. „Wir sind die Wortverliebten“, sagt Ute Schönleiter und lacht. Die 81-Jährige leitet den AWO Lyrikkreis, der jetzt sein 25-jähriges Bestehen bei einem Empfang im AWO Pflege- und Gesundheitszentrum in Vahrenwald gefeiert hat, wo sich die Gruppe monatlich trifft, um ihrem Hobby nachzugehen. „Wir sind Freunde geworden – wir nehmen am Leben der anderen teil“, berichtet Schönleiter. Ins Leben gerufen wurde die Gruppe 1997 durch einen Aufruf der AWO per Zeitungsartikel: Senior*innen, die Lust hatten, ihr Leben in Reimform darzustellen, sollten ihre Gedichte einreichen. Die Resonanz war groß. Mehr als 500 Zuschriften bekam die AWO, die von einer Jury ausgewählt und in einem Gedichtband veröffentlicht wurden. „Da nicht alle berücksichtigt werden konnten, beschlossen wir, eine Lyrikgruppe anzubieten. Wir hatten sogar so viele Interessierte, es hätte für eine zweite Gruppe gereicht“, erinnert sich Schönleiter. Damals war sie noch hauptamtlich bei der AWO beschäftigt – als Leiterin der Seniorenarbeit. Als sie 2001 in Altersteilzeit ging, wollte sie eigentlich aufhören, aber die Gruppe überzeugte sie, ehrenamtlich weiterzumachen. „Daraus wurden mal schnell weitere 21 Jahre“, sagt Schönleiter lachend. 

Als die Gruppe startete, war sie zunächst unsicher, wie professionell der Lyrikkreis sein sollte beziehungsweise sein wollte. Sie nahm Kontakt zu Fachreferenten auf, um zu klären, wie viel theoretisches Wissen nötig ist, um Gedichte zu schreiben. Doch schnell wurde klar, dass die Teilnehmer*innen das nicht verlangten. „Formvollendete Gedichte, das wollen wir gar nicht“, so die einhellige Meinung. „Also haben wir weiter aus dem Bauch heraus gedichtet“. Alle seien von Anfang an mit so viel Begeisterung dabei gewesen, dass schnell viele Gedichte zusammenkamen und der erste Band veröffentlicht wurde: „Widerhall“. Es folgten zahlreiche Auftritte in und um Hannover sowie kleine und größere Veröffentlichungen. Auch heute ist die Schaffenskraft der Lyrikfreunde noch groß. „Ich bin seit 25 Jahren immer wieder überwältigt von den tollen Gedichten, die sie kreieren – und wie produktiv alle sind“, so Schönleiter. Thematisch ist die Gruppe breit aufgestellt – die einen dichten Nachdenkliches, mal Trauriges, anderen liegt das Humoristische. „Diese Vielfalt ist einfach toll“, sagt Schönleiter. Als Leiterin gibt sie jedes Mal die Themen des nächsten Treffens vor. „Hausaufgaben“ nennt sie das. Zum Beispiel: „Das Wiedersehen“, „Heimliche Liebe“ oder „Sei nicht traurig“. Die Teilnehmer*innen tragen ihre Hausaufgaben dann beim nächsten Mal der Gruppe vor. „Manches Mal sind wir zu Tränen gerührt, manches Mal lachen wir laut.“ Es wird viel Autobiografisches verarbeitet.

Zu ihrem Jubiläum haben die Hobby-Dichter*innen eine kleine Broschüre herausgebracht. Viele trugen dafür ein Gedicht bei und schrieben auf, was ihnen am Dichten Spaß macht. „Meine Gedanken und Sehnsüchte finden in den Versen Hoffnung, Ruhe und Mut“, erläutert Lotti Stadtlober ihre Motivation. Ernst Winsel schreibt gern, „weil ich Spaß an der Sprache habe“. Seine Liebe zur Sprache und Lyrik habe er bereits früh entdeckt. Bereits mit 14 Jahren nahm der heute über 80-Jährige an einem Wettbewerb der Deutschen Bahn teil. „Wir gewannen und durften vorn in einer Lokomotive mitfahren – das war ein beeindruckendes Erlebnis für uns.“ Mit „uns“ meint Winsel auch seine Mitschülerin Irene Daemi. Die beiden verband damals schon die Liebe zur Lyrik und auch nach ihrer gemeinsamen Schulzeit verloren sie sich nicht aus den Augen, obwohl Daemi viele Jahre im Ausland lebte. Als sie zurückkehrte, nahm sie Kontakt zu Winsel auf und sie schlossen sich der AWO Lyrikgruppe an, der sie bis heute die Treue halten. „Wir sind Freunde – Freunde der Lyrik und im Leben.“

Der Älteste der Gruppe ist mittlerweile 99 Jahre alt. Zwar kann er die wöchentlichen Treffen nicht mehr regelmäßig besuchen, aber beim Empfang war er dabei. „Wir haben schon viele durch Krankheit und Tod verloren“, sagt die Leiterin. Auch die Corona-Pandemie sei ein starker Einschnitt gewesen – Schönleiter machte sich Sorgen, ob die Gruppe die lange Auszeit überstehen würde. Doch die Sorgen waren unbegründet. „Es sind alle dabeigeblieben – und alle haben sich sehr über die Fortsetzung unserer Treffen gefreut.“ 

Seitdem haben die Lyrikfreunde wieder viel Dichtkunst geschaffen. Schönleiter sammelt sie in Kartons und will einen Teil davon an die AWO übergeben. Sie habe selbst gerade nicht die Kraft, eine Veröffentlichung zu organisieren. Vielleicht findet sich ja ein Universitätsprojekt, das die Gedichte verarbeitet. „Es sind richtige Schätze dabei.“

Text: Christian Degener/AWO, Fotos: Christian Degener/AWO (1), privat (1)

Die Gruppe besteht derzeit aus 20 Lyrikfreund*innen. Bei der Jubiläumsfeier gratulierten unter anderem der SPD-Bundestagsabgeordnete Adis Ahmetovic (hinten, 5. von links) und Bezirksbürgermeister Thorsten Baumert (Grüne, hinten, 4. von rechts).

Als Dank für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement erhielt Ute Schönleiter bei der Feier ein Porträt von sich, gemalt von Hans-Joachim Walter, der auch Mitglied der Lyrikgruppe ist.

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Gaby  Kujawa
Wilhelmstraße 7
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Fax: 0511 8114-250
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