Allein nach Deutschland gekommen

Benyamin Ebrahimi floh aus dem Iran und lebt heute in der AWO Jungen-Wohngruppe in Lehrte

Benyamin Ebrahimi ist froh, in Deutschland leben zu können. Hier sei er endlich sicher, sagt er. Seine Mutter floh mit ihm aus Afghanistan in den Iran, als er noch ein Kleinkind war, vor zweieinhalb Jahren flüchtete er allein – als 15-Jähriger – nach Deutschland. Heute lebt zusammen mit neuen weiteren Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft in der AWO Jungen-Wohngruppe in Lehrte.

Es sollte eigentlich eine Flucht in ein sichereres Land werden, weshalb seine Mutter mit ihm von Afghanistan in den Iran floh, als er gerade mal ein Jahr alt war. Doch weit gefehlt: Ausgrenzung, keine Job-Perspektiven, keinen Respekt – als Afghanen seien sie wie Menschen zweiter Klasse behandelt worden. „Da kommen die Hunde, wurde uns regelmäßig hinterher gerufen“, berichtet Ebrahimi. Im Iran darf er nicht zur Schule gehen, mit elf Jahren beginnt er als Erntehelfer bei verschiedenen Bauern zu arbeiten. „Manche bezahlten uns einfach nicht – und wir konnten uns nicht dagegen wehren, da wir keinen iranischen Pass besaßen“, berichtet Ebrahimi.

Eine Rückkehr nach Afghanistan kam für sie nicht in Frage. In dem von religiösen und ethnischen Konflikten geschundenen Land hätten sie keine Sicherheit zu erwarten. „Man würde uns dort verfolgen und wir hätten Angst um unser Leben“, sagt er. Also beschlossen sie, dass er sich allein auf den Weg nach Europa macht.

Heute wohnt Erbrahimi in der AWO Jungen-Wohngruppe an der Althener Straße in Lehrte. Die Gruppe ist ein langfristiges Wohnangebot für zehn männliche Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen nicht bei ihrer Familie leben können oder dürfen – überwiegend sind dort derzeit allein nach Deutschland gekommene Jugendliche untergebracht. Die jungen Bewohner haben hier ein eigenes Zimmer, es gibt eine große Gemeinschaftsküche und ein gemeinsames Wohnzimmer. „Wie haben eine tolle Wohngemeinschaft – wie verstehen uns alle sehr gut“, sagt Ebrahimi, der bereits gut deutsch spricht. Der 17-Jährige besucht derzeit die Hauptschule in Lehrte: „Es ist toll, dass es eine Schulpflicht in Deutschland gibt.“ Denn er gehe gern zur Schule, die Nachmittage verbringt er mit Hausaufgaben und Lernen. Er weiß, dass er eine bessere Chance hat, in Deutschland bleiben zu können, wenn er einen Ausbildungsplatz bekommt. Kürzlich hat er ein Praktikum bei einem Glaser gemacht, am liebsten würde er jedoch Anlagenmechaniker werden. „Ich lerne viel, damit das klappt“, sagt Ebrahimi.

Schwerpunkt des AWO Jungenwohnens ist der Sport. Ebrahimi hat sich für das Kickboxen entschieden und möchte Profisportler werden. Der Sport gebe ihm Selbstvertrauen – körperliche und mentale Stärke. „Ich mag es, mich im Wettkampf fair zu messen. Und ich möchte später mein Wissen gern als Trainer an andere weitergeben und unterstütze schon jetzt ab und zu beim Kindertraining“, sagt Ebrahimi. Und der Sport ist schon jetzt mehr als nur ein Hobby: Er nimmt regelmäßig an Wettkämpfen teil und hat zuletzt den dritten Platz bei den Europameisterschaften belegt.

Zu seiner Familie habe er kaum Kontakt, seine Mutter habe keinen Computer und nur ein altes Handy, die Telefonate seien teuer. Sein Traum: Arbeit in Deutschland zu finden und damit seine Familie zu unterstützen.

Benyamin Ebrahimi, Bewohner der AWO Jungenwohngruppe in Lehrte: „Wir haben hier eine tolle Wohngemeinschaft.“

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