Aktionstag Schuldnerberatung auf dem Platz der Weltausstellung in Hannover. Die Schuldnerberaterinnen und Schuldnerberater von Diakonie, Caritas und AWO informieren über ihre Arbeit, vorne rechts im Bild: Fachbereichsleiterin Ute Vesper mit Schuldnerberaterin Birgit Hellwig von der AWO Region Hannover.

„Albtraum Miete“

Aktionstag Schuldnerberatung: Verbände fordern bezahlbare Mieten in Hannover

Die Wohnungsangebote sinken dramatisch und die Mieten steigen drastisch. Für viele Menschen ist das eine große finanzielle Herausforderung. „Albtraum Miete“ – so lautet das Motto der diesjährigen bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatungsstellen vom 3. bis zum 7. Juni 2019. Die Schuldnerberaterinnen und Schuldnerberater der Diakonie, Caritas und der AWO haben dieses Thema zum Anlass für eine besondere Aktion heute in Hannover genommen: An einem „Wohnzimmer“-Stand auf dem Platz der Weltausstellung haben sie auf die zunehmenden Wohnungsprobleme von Geringverdienern und Hartz-4-Empfängern hingewiesen und über ihre Arbeit informiert. Neben weiteren Aktionen konnten Passanten mit Klebepunkten verdeutlichen, wie viel Prozent ihres Einkommens sie für Miete aufwenden müssen.

Die Mietpreise sind zu hoch und es muss ein immer größerer Teil des Einkommens für Wohnraum verwendet werden. Viele Mieter gerieten deshalb in eine Schuldensituation. Wer schon überschuldet sei,  finde kaum eine Wohnung, denn zunehmend verlangten Vermieter und auch gemeinnützige Wohnungsunternehmen eine Schufa-Auskunft des Mieters. „Auch wenn diese Auskunft nur Schulden auf Telefonie oder Warenbestellungen ausweist, verweigern Vermieter den Abschluss einen Mietvertrages“, so die Erfahrungen der Schuldnerberatungsstellen. Schuldner ließen zunächst erst einmal alle anderen Rechnungen liegen oder verzichteten auf andere Dinge, bevor sie ihre Miete nicht zahlen, was häufig auch zu Lasten der Kinder ginge, betont Elke Zebedies, Leiterin der AWO Schuldnerberatungsstellen. „Denn eine angemessene Wohnung zu angemessenen Mieten, die gibt man nicht leichtfertig auf.“

Laut Mietspiegel liegt der durchschnittliche  Quadratmeterpreis für Wohnungen in Hannover bei 9,81 Euro, bei kleinen Wohnungen ist der Durchschnittspreis 11,15 Euro. Hartz-4-Beziehern erstatte das Jobcenter nur 7,80 Euro inklusive Nebenkosten pro Quadratmeter. Die Quote verschuldeter Haushalte in Hannover liege bei 10,4 Prozent, in der Region bei 11,45 Prozent.

Das Bündnis von Diakonie, Caritas und AWO fordert, dass zumindest die gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften auf eine Schufa-Auskunft bei potenziellen Mietern verzichten sollen. Weiter fordern sie eine angemessene Mietkostenübernahme durch die Jobcenter ebenso wie mehr Direktzahlungen der Miete an Vermieter von Hartz-4-Beziehern. Auch müssten Bauwirtschaft und Politik in Hannover mehr für bezahlbaren Wohnraum tun.

Die Forderungen der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände zur Aktionswoche Schuldnerberatung richten sich unter den Stichworten „Wohnraum finden – Wohnraum erhalten – Wohnraum sichern“ an verschiedene Adressaten. So müsse der Sektor des gemeinwohlorientierten und sozialen Wohnungsbaus nach Auffassung der Arbeitsgemeinschaft erheblich gestärkt werden, damit mehr bezahlbare Mietwohnungen geschaffen und dann auch erhalten würden. Die Schufa solle Überschuldete im Insolvenzverfahren nicht mit einer schlechteren „Benotung“ abstrafen, da dieses Verfahren eine Form der Schuldenregulierung und somit nichts Negatives sei. Auch sollten die Negativmerkmale von Auskünften für Vermieter sich auf Miet- und ähnliche Schulden beschränken.

 

 

 

 

 

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