Enno Lenz ist Pflegedienstleiter der AWO Seniorenresidenz in Langenhagen.

„Ich habe nie das Gefühl, einfach nur zu arbeiten.“

Neue Ausgabe der AWO ImPuls mit dem Fokus Pflege: Enno Lenz, Pflegedienstleiter, spricht über seinen Alltag

Region Hannover. Was bedeutet Pflege – für diejenigen, die sie brauchen, für Angehörige und für die, die sie täglich leisten? Wir haben drei Menschen gebeten, aus ihrem Alltag in verschiedenen AWO-Seniorenresidenzen zu erzählen. Teil 3: Enno Lenz, 32, Pflegedienstleiter der AWO-Seniorenresidenz in Langenhagen, spricht darüber, was gute Pflege heute braucht – zwischen Fachkräftemangel, steigenden Kosten und dem Wunsch nach Menschlichkeit.

Meine Arbeit als Pflegedienstleiter bedeutet für mich, für Menschen da zu sein – und gleichzeitig Strukturen zu schaffen, damit Nähe, gute Versorgung und ein verlässlicher Alltag überhaupt möglich bleiben. In diesem Beruf sind harte Arbeit und Menschlichkeit eng miteinander verbunden. Ich habe nie das Gefühl, einfach nur zu „arbeiten“. Es ist anstrengend, ja, aber das Gefühl überwiegt, etwas Sinnvolles zu tun. Aufmerksamkeit, Lachen, kleine Begegnungen im Alltag: All das gehört für mich genauso dazu wie Pflegehandlungen.

Gleichzeitig weiß ich, dass Pflege mehr bedeutet als Zuwendung: Sie verlangt Organisation, Planung, Verantwortung und immer auch den Blick darauf, wie man Menschlichkeit trotz aller Vorgaben bewahrt. Wir müssen eine bestimmte Anzahl an Vollzeitstellen vorhalten, eine Fachkraftquote erfüllen – das ist mit den Kassen verhandelt und wird regelmäßig kontrolliert. Ich plane die Dienste, schaue: Wie viele Mitarbeitende haben wir? Wo setzen wir sie ein? Wie stellen wir sicher, dass rund um die Uhr gute Pflege möglich ist? Gute Pflegefachkräfte zu finden, ist wirklich ein Problem – so, wie man es aus Nachrichten und Zeitungen kennt. Es bewerben sich einfach zu wenige. Und das, obwohl die Gehälter in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind.

Das ist richtig und wichtig: Pflege ist eine verantwortungsvolle Arbeit, und sie muss vernünftig entlohnt werden. Aber Pflege muss auch bezahlbar bleiben. Wir können keine Luxuspflegeplätze anbieten. Eine stationäre Pflegeeinrichtung funktioniert im Grunde wie eine Teilkaskoversicherung – vieles wird abgedeckt, aber längst nicht alles. Die Bewohner*innen und Angehörigen zahlen viel Geld und erwarten zu Recht eine gute Versorgung. Gleichzeitig können wir nur das anbieten, was innerhalb der verhandelten Budgets, Personalschlüssel und Pflegegrade möglich ist. Meine Aufgabe ist es, unter diesen Bedingungen so zu planen, dass aus begrenzten Mitteln die bestmögliche Qualität entsteht. Beim Thema Hilfsmittel – Rollatoren, Rollstühle, Matratzen – klappt vieles gut. Wenn etwas medizinisch notwendig ist, bekommen wir über Ärztinnen, Ärzte und Sanitätshäuser meist schnell das Richtige verordnet. Schwieriger wird es bei Produkten, die wir für die Mitarbeitenden anschaffen, um etwa ihren Rücken zu entlasten oder Sicherheit zu verbessern. Da spürt man die Grenze der Budgets deutlicher.

Trotz aller Bemühungen gibt es natürlich Situationen, in denen Angehörige unzufrieden sind. Dann höre ich zu, erkläre Abläufe, prüfe, wo wir nachsteuern müssen. Um Missverständnisse generell zu vermeiden, setzen wir auf Transparenz. Wir bieten regelmäßige Angehörigenabende an, stellen dort Projekte vor – etwa die Zusammenarbeit mit dem Hospizdienst oder neue technische Hilfen. Viele Angehörige erleben dann zum ersten Mal, wie komplex Pflege ist. Oft kommt dann auch sehr viel Wertschätzung zurück.

Für mich bedeutet gute Pflege immer auch, Menschen individuell zu sehen. Beschäftigung und Ansprache sind nicht als „Programm“ zu verstehen, sondern als etwas, das zum Leben eines Menschen passen muss. Dafür bräuchten wir mehr Zeit und mehr Personal, damit wir Bewohner*innen noch gezielter abholen können. Demografisch betrachtet stehen wir jedoch vor einer Herausforderung: Es wird immer mehr ältere und immer weniger junge Menschen geben. Es braucht mehr Anreize, damit der Beruf attraktiv bleibt.

Als Einrichtung können wir nur im Kleinen ansetzen: mit echter Beteiligung, transparenten Entscheidungen und Arbeitsbedingungen, die sich lohnen. Am Ende geht es darum, dass Pflege würdevoll bleibt. Dass Menschen hier sicher sind, gesehen werden und ein Stück Alltag behalten. Dafür arbeite ich – und dafür lohnt sich jeder Tag.

Die neue Ausgabe unseres Magazins AWO ImPuls findet Ihr hier: https://www.awo-hannover.de/impuls/

Text: Julia Meyer-Hermann, Foto: Christian Degener/AWO

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