Region Hannover/Hannover-Linden. Mit einer Abschlussveranstaltung im Tagungszentrum am Martha-Wissmann-Platz hat die AWO Region Hannover gemeinsam mit den Projektpartnern Participolis Akademie gGmbH und der Klimaschutzagentur Region Hannover das Multiplikationsprojekt „Nachhaltigkeit – interkulturell“ (INA) beendet. Mit dabei waren die im Projekt ausgebildeten Nachhaltigkeitstrainer*innen sowie zahlreiche Gäste. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Nachhaltigkeit so vermittelt werden kann, dass sie Menschen erreicht, beteiligt und ins Handeln bringt – unabhängig von Herkunft, Sprache oder institutionellem Hintergrund.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Dirk von der Osten, Vorstandsvorsitzender der AWO Region Hannover. In seiner Begrüßung machte er deutlich, dass Nachhaltigkeit für die AWO kein Zusatzthema, sondern Teil ihres gesellschaftlichen Auftrags ist. Besonders überzeugt habe ihn am Projekt die Haltung, mit der Nachhaltigkeit vermittelt wurde, betonte von der Osten: „Nicht als Problem. Nicht mit moralischem Zeigefinger. Sondern als Perspektive für ein gutes, gemeinsames Leben.“ Die Nachhaltigkeitstrainer*innen hätten Vereine begleitet, nicht belehrt, unterstützt statt vorgegeben – und dabei erlebt, wie positiv das Thema aufgenommen wird, wenn es auf Augenhöhe vermittelt wird.
Auch Karsten Klenner vom Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN), knüpfte in seinem Grußwort an diesen Gedanken an. Gerade in herausfordernden Zeiten seien bürgerschaftliches Engagement und Empowerment von zentraler Bedeutung, betonte er. Projekte wie INA stärkten Menschen und Communities darin, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten, eigene Potenziale zu entfalten und ihre Interessen sichtbar zu vertreten. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der Vielfalt der beteiligten Trainer*innen und den zahlreichen praxisnahen Projektideen, in denen soziale, gesundheitliche und klimapolitische Fragestellungen gemeinschaftlich aufgegriffen wurden.
Nachhaltigkeit aus der Perspektive der Menschen
Anschließend stellte Projektverantwortliche Lea Kohlhage von Participolis das Projekt INA vor – seine Ziele, Struktur und den Ansatz, Nachhaltigkeit konsequent aus der Perspektive der Menschen vor Ort zu denken. Statt Wissensvermittlung im klassischen Sinne stand die Frage im Mittelpunkt, was Nachhaltigkeit im eigenen Alltag, im eigenen Verein oder in der eigenen Community bedeutet – und wie daraus konkrete Schritte entstehen können. In der Region Hannover wurden im Rahmen des Projekts acht Vorhaben umgesetzt.
Kern von INA war die Qualifizierung 18 mehrsprachiger Nachhaltigkeitstrainer*innen.
In den Praxisphasen begleiteten sie verschiedene Organisationen und Gruppen – von Sport- und Bildungsinitiativen bis hin zu migrantischen Selbstorganisationen. Gemeinsam wurden Ideen entwickelt, Ziele formuliert und erste Maßnahmen angestoßen. Nachhaltigkeit wurde dabei nicht „vermittelt“, sondern gemeinsam erarbeitet.
Wie vielfältig diese Erfahrungen waren, zeigte sich im zentralen Programmpunkt des Abends: In kurzen Pitches stellten die Trainer*innen ihre Projekte, Erlebnisse und Lernerfahrungen vor – unterstützt durch Bilder und Beispiele aus der Praxis. Deutlich wurde: Wenn Menschen in ihrer eigenen Sprache angesprochen werden und ihre Themen ernst genommen werden, entsteht Engagement, Verantwortung und das Gefühl von Selbstwirksamkeit.
Die Projekte und ihre Trainer*innen
Sport-Kita Bothfeld: Vladislava Velcheva-Lange, Kerem Ak
Unter dem Leitmotiv „Das gute, gemeinsame Leben“ wurde in der Sport-Kita Bothfeld mit Eltern und Erzieher*innen gearbeitet. Konkrete Ziele wie Mülltrennung, Hochbeete und Regentonnen wurden mithilfe des SMART-Ansatzes entwickelt und umgesetzt – mit dem Ziel, die Kita Schritt für Schritt nachhaltiger und naturverbundener zu gestalten.
Witryla e. V.: Yevheniia Don-Zakharova, Barbara Lewandowska
Der von Ukrainer*innen gegründete Verein, bietet soziale Projekte, Bildungsangebote, Beratung und kulturelle Initiativen an. Das Projekt „Nachhaltigkeit interkulturell“ stärkt Austausch, gemeinsames Handeln und ein verantwortungsbewusstes Miteinander.
Ballettschule (Elterninitiative): Vladislava Velcheva-Lange, Ljubka Steinhauer
Aus einer schwierigen Vereinssituation heraus entstand eine neue Form der Zusammenarbeit: Eltern, die sich zuvor kaum austauschten, kamen miteinander ins Gespräch. Im Rahmen des Projekts wurde deutlich, wie viele ähnliche Anliegen und Gedanken geteilt wurden. Die Gruppe wuchs enger zusammen und organisierte sich neu.
TuS Bothfeld 04: Vladislava Velcheva-Lange, Ljubka Steinhauer
Im Sportverein stand die Frage im Mittelpunkt, wie Kinder frühzeitig gesunde und nachhaltige Muster entwickeln können. Ziel war es, positive Grundlagen von Anfang an zu stärken.
Gruppe „Liebevolle Begegnung“: Sedigheh Asghary, Rami Alhadi
Die Gruppe trifft sich regelmäßig im Café Allerlei. Im Mittelpunkt stehen respektvoller Umgang, gegenseitiges Verständnis und die Idee, diese Haltung auch in das eigene Umfeld weiterzutragen.
GB Banda Patilanzi – Bulgarische Schule: Gergana Naumann, Ljubka Steinhauer
Die Bulgarische Schule setzte sich zum Ziel, Mehrsprachigkeit stärker in der Öffentlichkeitsarbeit sichtbar zu machen, Netzwerke auszubauen und ehrenamtliches Engagement zu fördern.
Rosa e. V., Ortsgruppe Hannover: Natascha Leo, Moira Fälber
Der Verein möchte Anlaufstellen für geflüchtete Menschen schaffen und bedürfnisorientierte Angebote weiterentwickeln. Im Fokus stehen Unterstützung, Orientierung und niedrigschwellige Zugänge.
Sprachcafé: Sahar Tahmasebi Ganjavi, Asimet Karakas
Das Sprachcafé stärkt Sprachkompetenz, digitale Teilhabe und Zukunftskompetenzen. Gleichzeitig fördert es Gemeinschaft und setzt sich für die Anerkennung vielfältiger Lebens- und Bildungswege ein.
„Uns als Trainerinnen und Trainern ist im Verlauf des Projekts deutlich geworden, wie abstrakt der Begriff „Nachhaltigkeit“ für viele zunächst ist“, betonte AWO Mitarbeiterin Barbara Lewandoska. Im gemeinsamen Austausch habe sich jedoch ein konkretes Verständnis entwickelt – bezogen auf alltagsnahe Fragen und die eigene Lebensgestaltung. Persönlicher Austausch wirke stärker als reine Informationsmaterialien, so Lewandowska. „Gespräche in der jeweiligen Muttersprache haben den Zugang erleichtert, Vertrauen gestärkt und ein gemeinsames Verständnis gefördert.“
Diese Eindrücke griff auch die anschließende Podiumsdiskussion an. Unter der Moderation von Lea Kohlhagel diskutierten Antja Ritschel, Wirtschafts- und Umweltdezernentin der Landeshauptstadt Hannover, Martina Eick vom Umweltbundesamt sowie Ingo Reinhold, Einrichtungsleitung Soziale Energieberatung bei der AWO Region Hannover. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen aus dem Projekt und die Frage, wie Nachhaltigkeit in unterschiedlichen kulturellen Kontexten so vermittelt werden kann, dass Menschen sich beteiligen und langfristig engagieren. In der Diskussion zeigte sich, wie wichtig Vertrauen, Beziehung und Zeit für echte Mitgestaltung sind – ebenso wie die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Verwaltung, Zivilgesellschaft und unterschiedlichen Communities.
Das Projekt wirkt weiter
Mit dem offiziellen Projektende endet nicht die Wirkung von INA. Vielmehr soll die interkulturelle Nachhaltigkeitsarbeit in Hannover weiter ausgebaut werden – mit neuen Qualifizierungen, weiteren begleiteten Organisationen und einer stärkeren Verankerung des Ansatzes. Ingo Reinhold fasste es so zusammen: „Das Projekt ,Nachhaltigkeit – interkulturell‘ hat gezeigt, dass Nachhaltigkeit dann besonders wirksam wird, wenn sie gemeinsam gedacht, vielfältig erzählt und konkret gelebt wird – und dass interkulturelle Perspektiven dabei kein Zusatz, sondern ein zentraler Schlüssel sind.“
Text: Gaby Kujawa/AWO, Fotos: Christian Degener/AWO