Region Hannover/ Barsinghausen. Die Kindertagesstätte Langenkampstraße der AWO Region Hannover in Barsinghausen ist am 25. Februar 2026 im Rahmen des Fachtags „Kleine Schritte für große Ziele – Nachhaltigkeit in der frühkindlichen Bildung“ in Hannover als „KITA21“ ausgezeichnet worden. Damit würdigt die Jury das besondere Engagement der Einrichtung im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit stand in den vergangenen Monaten die Frage, wie Kinder ihre Umwelt bewusst wahrnehmen, mitgestalten und Verantwortung übernehmen können. Nachhaltigkeit wird in der Kita nicht abstrakt vermittelt, sondern im Alltag konkret erlebt. Ein zentrales Beispiel dafür ist das Thema Frühstück: Das Team beobachtete, dass zuckerhaltige und stark verarbeitete Lebensmittel in den Brotdosen zunahmen – ebenso wie das Müllaufkommen. Gemeinsam wurde daraufhin ein neues Konzept entwickelt. Seit dem 31. März 2025 bietet die Kita ein eigenes, gesundes und weitestgehend müllfreies Frühstück an – überwiegend mit saisonalen, regionalen und zu einem großen Teil biologisch erzeugten Lebensmitteln.
„Wir wollten nicht nur über gesunde Ernährung sprechen, sondern sie konkret erlebbar machen“, sagt Einrichtungsleiter Heiko Herbst. „Beim gemeinsamen Frühstück kommen wir täglich mit den Kindern ins Gespräch – über Herkunft, Saisonzeiten und darüber, was unser Körper braucht. Gleichzeitig ist das Müllaufkommen praktisch auf null gesunken.“
Ein besonderer Lernort ist der eigene Kita-Garten. Dort bauen die Kinder gemeinsam mit den Fachkräften Gemüse, Obst und Kräuter an. Radieschen, Beeren oder Äpfel werden geerntet, probiert oder weiterverarbeitet – je nachdem, wie die Kinder entscheiden. Auch darüber wird demokratisch abgestimmt: In Gesprächskreisen sammeln die Mädchen und Jungen Vorschläge, visualisieren diese und treffen anschließend gemeinsam ihre Wahl – etwa darüber, welches Gemüse im Frühjahr gepflanzt wird oder wie die Ernte verwendet werden soll.
Nachhaltigkeit zeigt sich in der AWO Kita Langenkampstraße in vielen Bereichen des Alltags: Regenwasser wird zum Gießen genutzt, Bioabfälle landen in der eigenen Komposttonne, Insektenhotels fördern die Biodiversität im Garten. Ein „Plastik-Müllfisch“ im Eingangsbereich macht sichtbar, wie viel Abfall früher durch Frühstücksverpackungen entstand. Heute gehört eine konsequente Mülltrennung ebenso selbstverständlich dazu wie das Prinzip „leihen statt kaufen“ – etwa über die städtische Ausleihstation, die Stadtbücherei oder die eigene Ludothek, eine Ausleihstelle für Spiele, der Kita.
Besonders wichtig ist der Einrichtung die Partizipation der Kinder. Sie entscheiden mit, wenn es um Wasserverbrauch im Sommer, den Einsatz von Materialien oder Neuanschaffungen geht. „Wir haben gelernt, mit einer Art Nachhaltigkeitsbrille auf unseren Alltag zu schauen“, so Heiko Herbst. „Das betrifft nicht nur die Kinder, sondern auch uns als Team.“
Der Weg dorthin war ein gemeinsamer Prozess. Fortbildungen, die Teilnahme an Klima-Aktionswochen und die Erarbeitung eines eigenen BNE-Konzeptes stärkten das Bewusstsein im Team. „Heute sitzen wir gemeinsam im BNE-Boot“, beschreibt Herbst die Entwicklung. „Die Auszeichnung ist eine schöne Bestätigung – und zugleich Motivation, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.“
Zum Hintergrund
Die Auszeichnung als „KITA21“ erhalten Kindertageseinrichtungen, die ihre Bildungsarbeit an den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten. Ziel ist es, Kinder frühzeitig zu ermutigen, Zusammenhänge zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Umwelt aktiv mitzugestalten. Das KITA21-Auszeichnungsverfahren in Niedersachsen steht unter der Schirmherrschaft von Julia Willie Hamburg und wird von der S.O.F. Save Our Future – Umweltstiftung in Kooperation mit dem Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) und der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN) vergeben.
Text: Gaby Kujawa/AWO, Foto: Christian Degener/AWO