Sarah Ogiermann vor dem Rathaus in Seelze. Die AWO Beratungsstelle für Frauen bei häuslicher Gewalt ist im „Sozialen Haus“ am Rathausplatz untergebracht.

„Ich begleite Frauen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben“

Sarah Ogiermann ist neu bei der AWO und berät Frauen bei häuslicher Gewalt

Seelze. „Häusliche Gewalt ist immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema – viele Betroffene schämen sich und gehen nicht zur Polizei“, sagt Sarah Ogiermann, neue Mitarbeiterin der AWO Region Hannover. Die 27-Jährige arbeitet in den AWO Beratungsstellen für Frauen bei häuslicher Gewalt in Seelze und Garbsen sowie in der AWO Frauenberatungsstelle Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze mit dem Standort Lehrte. Als häusliche Gewalt werden körperliche, psychische und sexuelle Gewalt zwischen Menschen bezeichnet, die in Beziehung zueinander stehen: Zum Beispiel zwischen dem Ehemann und der Ehefrau oder dem Freund und der Freundin. Opfer sind zumeist Frauen – und Männer die Täter. „Häusliche Gewalt passiert häufig zu Hause in der Wohnung, wo es niemand bemerken kann. Deshalb gibt es eine hohe Dunkelziffer“, berichtet Ogiermann.

Doch welche Frauen sind am häufigsten von häuslicher Gewalt betroffen? „Der soziale Hintergrund, die Religion oder das Alter spielen keine Rolle – alle Schichten der Gesellschaft sind gleichermaßen betroffen“, sagt Ogiermann. Bei der häuslichen Gewalt gibt es körperliche Gewalt, aber auch psychische. Vor allem die psychische Gewalt an Frauen haben verschiedene Formen. „Manche Männer reden ihren Frauen ein, dass sie nicht gut genug sind und geben ihnen das Gefühl, nichts richtig machen zu können. Andere halten ihre Frauen in finanzieller Abhängigkeit und lassen sie das immer spüren“, sagt Ogiermann.

Diese permanente psychische Belastung führe zu einem hohen Leidensdruck sowie zu Ängsten bei den Frauen, doch der Loslösungsprozess vom Partner sei oftmals schwierig und langwierig. „Viele Frauen sind natürlich ambivalent, besonders wenn es gemeinsame Kinder gibt oder eine finanzielle Abhängigkeit. Sie fragen sich dann: Soll ich mich wirklich trennen? Verliere ich dann die Kinder?“, erklärt Ogiermann. Mit Fragen wie diesen beschäftigten sich die Betroffenen oft monate- oder jahrelang. Manche Frauen trennten sich, andere nicht. „Ich dränge die Frauen zu keiner Entscheidung, ich begleite sie lediglich auf ihrem Weg zu einer Entscheidung“, betont Ogiermann. „Mein Job ist es, die Frauen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben zu begleiten.“

Wenn Frauen Gewalt erleben oder gestalkt werden, hilft sie ihnen, einen Gewaltschutzantrag zu stellen. „Und ich rate ihnen, Anzeige zu erstatten, damit sie bessere Möglichkeiten haben, ihre Interessen juristisch durchzusetzen“, sagt Ogiermann. Außerdem rät sie den Betroffenen, die Verletzungen zu dokumentieren, und gibt ihnen auf Wunsch die Telefonnummer eines Frauenhauses. In der MHH gibt  es das Netzwerk „Pro Beweis“, das bei der Dokumentation und Spurensicherung hilft. In Lehrte, wo sie zwei Mal pro Woche in der AWO Frauenberatung arbeitet, seien es vor allem Frauen im Alter zwischen 30 und 60 Jahren, die die Beratungsstelle aufsuchen. „Oft haben sich die Männer von ihnen getrennt und sie haben rechtliche Fragen – und manche wissen nicht, wie es finanziell weitergehen soll oder finden keine Wohnung“, berichtet die Beraterin.

Durch ihren Job erlebt Ogiermann viele Konflikte – wie geht sie damit um? „Ich mag meine Arbeit sehr, Beratung war schon seit langem mein Berufswunsch – und um abzuschalten mache ich Yoga, gehe tanzen, meditiere oder treffe mich mit Freundinnen und Freunden“, sagt Ogiermann.

Die Beratung für Frauen bei häuslicher Gewalt erreichen Sie unter der Telefonnummer 05120-9895671 oder 0179-4493417. Die Beratung unterliegt der Schweigepflicht, ist parteilich für Frauen und kostenlos. Sie ist auf Wunsch anonym.

Sprechzeiten:

Garbsen: Montag und Dienstag nach telefonischer Vereinbarung

Seelze: Offene Sprechstunde Mittwoch von 15 bis 17 Uhr und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr sowie nach Vereinbarung

 

Sarah Ogiermann vor dem Rathaus in Seelze. Die AWO Beratungsstelle für Frauen bei häuslicher Gewalt ist im „Sozialen Haus“ am Rathausplatz untergebracht.

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