Freie Träger müssen einbezogen und unterstützt werden

Die AWO Region Hannover und der AWO Bezirksverband Hannover zu den angekündigten Sicherheitsmaßnahmen der Stadt

Region Hannover/Hannover. Die AWO Region Hannover und der AWO Bezirksverband Hannover begrüßen die von der Landeshauptstadt Hannover angekündigten Maßnahmen zum besseren Schutz von Fachkräften in der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Nach den tödlichen Ereignissen in Stade, bei denen sechs Menschen in einer Jugendhilfeeinrichtung getötet wurden, darunter drei Mitarbeitende des Jugendamts der Region Hannover, sei es richtig und notwendig, bestehende Schutzkonzepte zu überprüfen, Risiken systematischer zu bewerten und Mitarbeitende für potentiell gefährliche Situationen besser abzusichern.

Nach einem Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ plant die Stadt Hannover unter anderem, riskante Gesprächstermine künftig an einem zentralen, besonders gesicherten Ort durchzuführen, Sicherheitskräfte einzubinden, Mitarbeitende mit Notfallknöpfen auszustatten und Deeskalationstrainings sowie Fortbildungen auszuweiten. Grundlage soll dabei auch das sogenannte Aachener Modell sein, das Bedrohungslagen in verschiedene Risikostufen einteilt und konkrete Handlungsempfehlungen vorsieht.

„Wir halten diese Schritte für richtig und wichtig. Der Schutz von Mitarbeitenden, die mit Menschen in Krisensituationen arbeiten, muss höchste Priorität haben“, erklärt Gordon Braun, Vorstand der AWO Region Hannover. „Gleichzeitig darf ein solches Sicherheitskonzept nicht nur die kommunalen Dienste im Blick haben. Auch alle freien Träger  übernehmen in Hannover und der Region zentrale Aufgaben in der sozialen Arbeit, in der Kinder- und Jugendhilfe, in Beratungsstellen, in Frauenhäusern, in Wohn- und Betreuungsangeboten oder Einrichtungen, in denen Konflikte eskalieren können.“ Insgesamt müssten aber alle Einrichtungen in den Blick genommen werden, weil die Zunahme von übergriffigem Verhalten auch in Einrichtungen wie zum Beispiel Kindertagesstätten zu beobachten ist.

Die AWO Region Hannover verweist darauf, dass freie Träger täglich in sensiblen Arbeitsfeldern tätig sind: Mitarbeitende begleiten Familien in schwierigen Lebenslagen, beraten Menschen in akuten Krisen, arbeiten mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in belasteten Situationen und unterstützen Menschen, die von Gewalt betroffen sind. Gerade in diesen Bereichen kommen Schutz, Vertrauen und professionelle Nähe zusammen. Deshalb müssten Sicherheitsfragen gemeinsam gedacht werden.

„Wenn die Stadt Hannover ein Sicherheitskonzept weiterentwickelt, wünschen wir uns eine enge Einbindung der freien Träger“, so Braun. „Wir brauchen gemeinsame Standards, klare Kommunikationswege, abgestimmte Verfahren bei Gefährdungslagen und eine verlässliche Vernetzung mit Jugendamt, Polizei und anderen zuständigen Stellen. Sicherheit darf nicht an Zuständigkeitsgrenzen enden.“

Aus Sicht der AWO geht es dabei nicht um Abschottung oder Misstrauen gegenüber Klientinnen und Klienten. Soziale Arbeit lebt von Beziehung, Erreichbarkeit und Vertrauen. Zugleich brauche es aber Strukturen, die Mitarbeitende schützen und ihnen Handlungssicherheit geben. Dazu gehörten regelmäßige Deeskalationstrainings, Fortbildungen zum Umgang mit Bedrohungslagen, Gefährdungsbeurteilungen, technische Notrufsysteme, geeignete räumliche Konzepte sowie klare Notfallabläufe.

Diese Anforderungen seien jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden. „Wir wollen mehr Sicherheit schaffen und benötigen dafür Ressourcen“, betont auch Marco Brunotte, Vorstandsvorsitzender des AWO Bezirksverbands Hannover. „Diese lassen sich nicht aus bestehenden Budgets nebenbei finanzieren. Freie Träger brauchen dafür eine verlässliche finanzielle Unterstützung. Diese Verpflichtung schließt alle Kostenträger mit ein und sollte vom Gesetzgeber mit bedacht werden – die aktuellen Kürzungsdebatten die insbesondere auf der Bundesebene geführt werden müssen daher dringend die Richtung wechseln: hin zu mehr Präventionsmöglichkeiten und einer besseren Unterstützung unserer Mitarbeitenden.“

Die AWO spricht sich deshalb dafür aus, die angekündigten Maßnahmen der Stadt um einen strukturierten Dialog mit freien Trägern zu ergänzen. Ziel müsse ein gemeinsames Sicherheitsverständnis sein, das alle relevanten Akteure der sozialen Arbeit einbezieht – kommunale Dienste ebenso wie freie Träger.

„Die Ereignisse von Stade haben uns tief erschüttert und müssen konkrete Verbesserungen nach sich ziehen“, sagt Braun. „Unsere Mitarbeitenden leisten jeden Tag wichtige Arbeit für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Sie verdienen Schutz, Unterstützung und die Sicherheit, dass ihre Risiken ernst genommen werden.“

Redaktion & Foto: Christian Degener/AWO

 

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