Klaus Hedrich übergab 600 Euro an die Kita Dunantstraße. In der Hand hält er ein Foto seiner verstorbenen Mutter.

Statt Blumen: Trauernde spenden für die AWO

Verstorbene Herta Hedrich bedachte die Arbeiterwohlfahrt mit 1200 Euro

Region Hannover/ Hannover-Vahrenwald. „Die AWO war ihr Leben“, sagt Klaus Hedrich über seine Mutter Herta, die 65 Jahre lang Mitglied der AWO war und sich jahrzehntelang ehrenamtlich in dem Verband engagiert hatte. Zu Beginn des Jahres war Hedrich im Alter von 98 Jahren verstorben und auch über ihren Tod hinaus hat sie an die Arbeiterwohlfahrt gedacht: Statt Blumen oder andere Aufmerksamkeiten wollte sie, dass die Trauernden bei ihrer Beerdigung für die AWO spenden. Zusammengekommen sind 1200 Euro – 600 Euro erhält nun die AWO Kita Dunantstraße in Hannover-Vahrenheide, 300 Euro das AWO Kreisjugendwerk und den Rest der Kinder- und Jugendtreff Camelot der Arbeiterwohlfahrt in Kleefeld.

„Ihr Gedanke war, etwas Gutes zu tun, auch wenn sie geht. Und sie wollte, dass mit dem Geld Kindern geholfen wird“, sagt Klaus Hedrich, der die Spendenaktion gemeinsam mit seinem Bruder Jürgen organisiert hat. „Ich freue mich sehr über die Spenden, wir können das Geld gut gebrauchen für Projekte außer der Reihe“, sagt Kitaleiter Jonas Flasbart. Seine Einrichtung ist eine sogenannte Erschwernis-Kita, die zu einem großen Teil von Kindern aus finanziell benachteiligten Familien besucht wird. „Wir wollen demnächst im Team entscheiden, wofür wir das Geld verwenden“, sagt Flasbart. 

Im Kinder- und Jugendtreff Camelot will eine Jugendgruppe von dem Geld einen alten Bauwagen herrichten und ausstatten. Die Jugendlichen dürfen dabei selbst entscheiden, wie sie die Spende einsetzen und ihn gestalten. Das Kreisjugendwerk der AWO will von der Spende T-Shirts und Kapuzenjacken kaufen und mit seinem Logo bedrucken.

Foto & Text: Christian Degener/AWO

Hier finden Sie ein Porträt über Herta Hedrich vom August 2020:

Ein Leben im Zeichen der Solidarität

Die 97-Jährige Herta Hedrich ist seit 65 Jahren Mitglied der AWO – auch Ministerpräsident Stephan Weil gratulierte

Hannover/ Bothfeld. Solidarität ist einer der fünf Grundwerte der AWO – Herta Hedrich aus Vahrenwald lebt Solidarität seit vielen Jahrzehnten: Heute wurde die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes für 65-jährige Mitgliedschaft in der AWO ausgezeichnet. Birgit Merkel, stellvertretende Vorsitzende des Präsidiums der AWO Region Hannover, und Petra Gillmann, Vorsitzende des Ortsvereins Hannover-List, ehrten Hedrich und überreichten ihr eine Urkunde, eine Nadel und ihre Lieblingsschokolade im Hof des Seniorenzentrums Klaus-Bahlsen-Haus in Bothfeld, wo die 97-Jährige lebt. Und noch eine weitere Auszeichnung wurde ihr zuteil: Ministerpräsident Stephan Weil ehrte Hedrich für 70-jährige Mitgliedschaft in der SPD.

Hedrich wurde 1923 in Chemnitz geboren, 1949 floh sie mit ihrer Familie in den Westen und fand in Hannover eine neue Heimat. Nachdem sie sich hier heimisch fühlte, organisierte sie sich in der Arbeiterwohlfahrt: 1953 begann sie als Helferin in der Abteilung Vahrenwald/Hannover und wurde zwei Jahre später Mitglied des AWO Kreisverbands Hannover Stadt. Ihre ehrenamtlichen Anfänge waren geprägt von der Nachkriegszeit und einer notleidenden Bevölkerung. Hedrich unterstützte die Menschen in ihrem Stadtteil: Sie half bei der Beschaffung und Verteilung von Lebensmitteln und Kleidung, beim Beantragen von Sozialleistungen und anderen Dingen – die Bandbreite ihres Engagements war groß. „Herta war immer ein Mensch, der nicht lange gefragt hat, wie es zu der Notlage kam – sie sah sie und begann unmittelbar mit der unbürokratischen Hilfe“, sagte Merkel, die sie seit mehreren Jahrzehnten kennt. Im Mittelpunkt ihres Engagements habe immer der Abbau sozialer Ungerechtigkeiten gestanden – sie habe sich für Chancengleichheit aller Bürger/innen eingesetzt, unabhängig vom kulturellen, gesellschaftlichen oder religiösen Hintergrund. Ihre zupackende Art zeigte Hedrich auch, als jemand gesucht wurde, die Mitgliedsbeiträge zu kassieren. „Das war damals mehr, als nur das Geld zu kassieren. Kassieren für die AWO bedeutete immer, sich die Sorgen und Nöte der Mitglieder anzuhören und sie in der Bewältigung ihrer Probleme zu unterstützen. – ein Besuch dauerte dann schon mal zwei Stunden oder mehr“, berichtete Merkel.

Als 1974 eine neue Leiterin für die Abteilung Vahrenwald gesucht wurde, meldete sich Hedrich zur Wahl und wurde gewählt. Zu ihren Aufgaben gehörte fortan auch die Organisation von Fahrten und Feiern für die damals 250 Mitglieder. Im Jahr 1963 wurde die Altentagesstätte in Hainholz als eine der ersten Tagesstätten in Hannover eingeweiht. In der kleinen Begegnungsstätte in der Helmholtzstraße organisierte Hedrich 25 Helferinnen und Helfer für die Seniorenbegegnung und plante und gestaltete Feiern und Sitzungen für die Mitglieder. Die Betreuung der Mitglieder lag Hedrich besonders am Herzen: Sie versorgte sie mit Informationen über die Arbeiterwohlfahrt, war bei der Vermittlung von Seniorenplätzen behilflich, leistete Lebenshilfe und warb neue Mitglieder an.

Außerdem prägte Hedrich als Delegierte im Kreisausschuss und den Kreiskonferenzen die Inhalte des Kreisverbandes entscheidend mit. Erst 2001, damals war sie schon von 78 Jahre alt legte sie das Amt der Abteilungsleiterin nieder. Die Alltagssorgen „ihrer“ Mitglieder lagen ihr dennoch weiterhin am Herzen. Auch wenn sie in der Zwischenzeit zu Ihrem Sohn nach Bothfeld gezogen war, besuchte sie weiterhin Veranstaltungen in der Helmholtzstraße und hatte ein offenes Ohr für die Bewohnerinnen und Bewohner in ihrem Stadtteil. „Die AWO, das war mein Leben“, sagte sie mal in einem Interview. “ Dabei habe Hedrich aus ihrer Arbeit nie viel Aufhebens gemacht. „Wenn die Bezeichnung ‚stille Stars‘ auf jemanden zutrifft, dann auf Herta Hedrich“, sagte Merkel. Ihr rund 50-jähriges Engagement für die Menschen in ihrem Stadtteil habe Vorbildcharakter für die nachfolgenden Generationen und mache sie zu einer würdigen Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Und bis vor kurzem war Hedrich noch aktiv und mischte sich ein: im Beirat des Seniorenheims, in dem sie lebt.

Klaus Hedrich übergab 600 Euro an die Kita Dunantstraße. In der Hand hält er ein Foto seiner verstorbenen Mutter.

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