Die ambulante Pflegewohngemeinschaft der AWO in Kronsberg-Süd verbindet ein eigenes Zuhause mit Gemeinschaft und verlässlicher Unterstützung rund um die Uhr. Aktuell sind zwei WG-Zimmer für Senior*innen frei.
Region Hannover/Hannover. Beim „Mensch ärgere dich nicht“ wird aufmerksam gewürfelt, über den nächsten Zug beraten und zwischendurch gelacht. In der großen Wohnküche der ambulanten Pflegewohngemeinschaft Kronsberg-Süd zeigt sich an diesem Nachmittag, was das Leben hier ausmacht: Die Bewohner*innen verbringen Zeit miteinander, kommen ins Gespräch und gestalten ihren Alltag gemeinsam. Wer Ruhe braucht, kann sich jederzeit in sein eigenes Zimmer zurückziehen.
In der Pflege-WG der AWO Jugend- und Sozialdienste gGmbH, einem Tochterunternehmen der AWO Region Hannover, sind derzeit zwei WG-Zimmer frei. Das Angebot richtet sich an ältere pflegebedürftige Menschen, die nicht mehr allein wohnen können oder möchten, sich aber ein möglichst selbstständiges Leben in einer kleinen, überschaubaren Gemeinschaft wünschen.
Eine der Bewohnerinnen ist Elfriede Höbel. Sie gehörte zu den ersten Menschen, die nach der Eröffnung der Pflege-WG im Jahr 2023 einzogen. Ihre Entscheidung hat sie nicht bereut. „Ich habe liebe Leute erwischt. Mit denen kann ich gut spielen und mich unterhalten. Das ist richtig nett“, sagt sie. Besonders gern beteiligt sie sich an gemeinsamen Spielen und anderen Aktivitäten. „Ich habe Glück gehabt“, fasst sie zusammen.
Gemeinschaft und Privatsphäre gehören zusammen
Die Pflege-WG befindet sich in einem modernen Wohngebäude an der Mailänder Straße im neuen Stadtquartier Kronsberg-Süd. Elf Senior*innen finden hier ein Zuhause. Jede*r Bewohner*in verfügt über ein rund 15 Quadratmeter großes, individuell eingerichtetes Zimmer mit eigenem barrierefreien Bad. Eigene Möbel, Bilder und vertraute Gegenstände sorgen dafür, dass daraus ein persönliches Zuhause wird.
Das Zentrum der rund 430 Quadratmeter großen WG ist die gemeinschaftlich genutzte Wohnküche. Hier werden Mahlzeiten verspeist und gekocht, Gespräche geführt oder Spiele gespielt. Auch weitere Gemeinschaftsbereiche stehen allen Bewohner*innen offen. Die gesamte Wohnung ist barrierefrei und seniorengerecht gestaltet.
Gerade die Verbindung aus Gemeinschaft und Rückzugsmöglichkeit überzeugte Antje Höbel. Für ihre Mutter sei das Konzept der Pflege-WG genau richtig, berichtet sie: „Hier ist immer jemand da. Wenn man allein sein möchte, kann man sich in sein Zimmer zurückziehen.“ In einer eigenen Wohnung wäre ihre Mutter über längere Zeit auf sich gestellt. In der WG finde sie dagegen Gesellschaft, ohne ihre Privatsphäre aufgeben zu müssen.
Hinzu kommt die Nähe zur Familie. Antje Höbel und weitere Angehörige wohnen nicht weit entfernt und können Elfriede Höbel regelmäßig besuchen. „Für meine Mutter ist das perfekt – und es ist bei uns um die Ecke“, sagt die Tochter. Auch die modernen, vollständig barrierefreien Räume und die überschaubare Größe der WG seien wichtige Gründe für die Entscheidung gewesen.
Unterstützung rund um die Uhr
Die Mitarbeitenden des AWO ambulanten Pflegedienstes sind rund um die Uhr vor Ort. Sie unterstützen die Bewohner*innen bei der Strukturierung ihres Tages, übernehmen die individuell notwendige Pflege und helfen bei alltäglichen Dingen. Auch die medizinisch erforderliche Behandlungspflege ist sichergestellt.
Dabei sollen die Bewohner*innen möglichst viel selbst entscheiden und ihre vorhandenen Fähigkeiten bewahren. Wer sich beteiligen möchte, kann etwa beim Decken des Tisches, bei kleinen Aufgaben im Haushalt, bei Spielen oder gemeinsamen Unternehmungen mitmachen. Der Alltag orientiert sich an den persönlichen Bedürfnissen, Gewohnheiten und Möglichkeiten der einzelnen Bewohner*innen.
Die kleine Gruppengröße schafft vertraute Abläufe und ein persönliches, familienähnliches Miteinander. Das Angebot eignet sich auch für Menschen mit Demenz im Anfangsstadium, die im Alltag Sicherheit und Orientierung benötigen.
Entlastung und weiterhin viel gemeinsame Zeit
Wie wichtig eine verlässliche Versorgung auch für Angehörige sein kann, erlebt Karin Machold. Sie wohnt in unmittelbarer Nähe und hat ihren Mann Christian bis vor Kurzem selbst zu Hause betreut. Inzwischen lebt er in der Pflege-WG. Seine Frau besucht ihn täglich, begleitet ihn bei Spaziergängen oder setzt sich mit ihm an den Tisch, um gemeinsam zu puzzeln.
„Ich weiß, dass mein Mann hier gut versorgt ist und dass immer jemand ansprechbar ist“, sagt Karin Machold. Diese Sicherheit sei für sie eine große Entlastung. „Ich kann ihn jeden Tag besuchen und Zeit mit ihm verbringen, ohne währenddessen ständig überlegen zu müssen, was noch organisiert oder erledigt werden muss.“
Die Entscheidung, die Pflege abzugeben, sei dennoch nicht leicht gewesen. Umso wichtiger sei es für sie gewesen, einen Ort zu finden, der überschaubar und persönlich wirkt. „Hier kennt man sich. Die Mitarbeitenden wissen, was mein Mann braucht, und ich werde einbezogen“, sagt Machold. Sie könne weiterhin an seinem Alltag teilhaben und viel Zeit mit ihm verbringen, trage die Verantwortung für seine Versorgung aber nicht mehr allein.
Angehörige sind in der Pflege-WG ausdrücklich willkommen. Sie können zu Besuch kommen, gemeinsame Zeit verbringen und sich – wenn sie möchten – in den Alltag der WG einbringen. Wie stark sie sich beteiligen, entscheiden die Familien selbst.
Mit der Zeit ist daraus ein lebendiges Gemeinschaftsgefühl entstanden, das auch von den Angehörigen mitgetragen wird. Sie treffen sich regelmäßig in der Wohnküche, tauschen sich über gemeinsame Themen und Anliegen aus und entwickeln eigene Ideen für zusätzliche Aktivitäten. So organisieren und begleiten sie beispielsweise gemeinsame Ausflüge, etwa in den Tierpark. Karin Machold hat zudem einen Musiker gewonnen, der gelegentlich am Nachmittag in die WG kommt, auf der Akustikgitarre spielt und gemeinsam mit der Gruppe alte Lieder singt.
Mitten im Wohnquartier
Ein weiterer Vorteil ist die Lage im Stadtteil. Kronsberg-Süd verbindet ein modernes Wohnumfeld mit kurzen Wegen und einer guten Anbindung an Bus und Bahn. Einkaufsmöglichkeiten, öffentliche Plätze und Grünflächen sind erreichbar, Spaziergänge können direkt vor der Haustür beginnen. Die Pflege-WG ist damit kein abgeschlossener Ort, sondern Teil eines lebendigen Wohnquartiers.
Wer für sich selbst oder einen Angehörigen nach einer Alternative zum Alleinwohnen oder zu einer stationären Pflegeeinrichtung sucht, kann die ambulant betreute Pflege-WG kennenlernen und sich persönlich beraten lassen. Voraussetzung für den Einzug ist grundsätzlich mindestens Pflegegrad 2. Ein wesentlicher Teil der Pflegekosten kann von der Pflegeversicherung übernommen werden. Weiterhin zahlt die Pflegeversicherung einen monatlichen Wohngruppenzuschlag. Abhängig von der persönlichen Situation kommen weitere Unterstützungen wie Wohngeld infrage.
Kontakt und Beratung:
AWO ambulanter Pflegedienst
Ricklinger Str. 5b, 30449 Hannover
Telefon: 0511 260925 – 0
E-Mail: info@awo-pflegedienst.de
Redaktion & Fotos: Christian Degener/AWO