Region Hannover/Gehrden. Wie kommt eine Pflegeeinrichtung durch eine längere Hitzeperiode? Was brauchen ältere Menschen an besonders heißen Tagen? Und wie lässt sich trotz des Fachkräftemangels eine gute Versorgung sicherstellen? Mit diesen und weiteren Fragen hat sich Eva Bender, SPD-Kandidatin für das Amt der Regionspräsidentin, jetzt bei einem Besuch der AWO Residenz Gehrden beschäftigt.
Gemeinsam mit Gordon Braun, Vorstand der AWO Region Hannover, Alina Zerbe, stellvertretende Fachbereichsleiterin Pflege und Wohnen im Alter bei der AWO Jugend- und Sozialdienste gGmbH, Residenzleiterin Anke-Kathrin Buwitt und Pflegedienstleiterin Anne Quast ging Bender durch die Einrichtung am Thiemorgen. Dabei erhielt sie Einblicke in die Wohnbereiche sowie in den Alltag der Bewohner*innen und Mitarbeitenden.
Ein Schwerpunkt des Rundgangs lag auf den heißen Tagen der vergangenen Wochen. Hohe Temperaturen stellen Pflegeeinrichtungen vor besondere Herausforderungen, weil ältere und pflegebedürftige Menschen häufig empfindlicher auf Hitze reagieren und gesundheitliche Risiken nicht immer selbst wahrnehmen können.
„Hitzeschutz ist in der stationären Pflege inzwischen eine dauerhafte Aufgabe“, sagt Gordon Braun. „Wir müssen organisatorisch und perspektivisch auch baulich darauf reagieren, dass Hitzeperioden häufiger und länger werden. Dafür brauchen Pflegeeinrichtungen verlässliche Rahmenbedingungen und die notwendigen Investitionsmöglichkeiten.“
Wie die Einrichtung konkret auf hohe Temperaturen reagiert, erläuterte Anke-Kathrin Buwitt. „An heißen Tagen achten unsere Mitarbeitenden besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, möglichst kühle Aufenthaltsbereiche und angepasste Tagesabläufe. Gleichzeitig möchten wir den Bewohnerinnen und Bewohnern weiterhin einen angenehmen und abwechslungsreichen Alltag ermöglichen.“
Neben dem Hitzeschutz ging es bei dem Besuch um die personelle Situation in der Pflege. Insbesondere examinierte Pflegekräfte werden dringend gesucht. „Pflegeeinrichtungen stehen vor der Herausforderung, dass die Zahl der Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf wächst, während qualifizierte Beschäftigte fehlen“, erklärt Alina Zerbe. „Wir brauchen deshalb mehr Menschen, die sich für eine Ausbildung in der Pflege entscheiden, und gute Arbeitsbedingungen, damit examinierte Pflegekräfte langfristig in ihrem Beruf bleiben.“
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Beschäftigungs- und Betreuungsangebote der Residenz. Das Team zeigte Bender, welche Spiele bei den Bewohner*innen besonders beliebt sind und wie vielfältig die gemeinsamen Aktivitäten gestaltet werden. Einen unmittelbaren Einblick erhielt die Besucherin in die Kochgruppe: Dort bereiteten Bewohner*innen gemeinsam mit Mitarbeitenden Kartoffelsalat und eine kalte Rote-Bete-Suppe zu. Die Gäste durften beide Gerichte anschließend probieren. Die Angebote dienen nicht nur der Unterhaltung. Sie schaffen Gemeinschaft, knüpfen an Fähigkeiten und Interessen der Bewohner*innen an und geben dem Alltag Struktur. Kochen, Spielen und weitere gemeinsame Aktivitäten bieten zugleich Anlässe für Gespräche, fördern die Selbstständigkeit und ermöglichen soziale Teilhabe.
Die AWO Residenz Gehrden bildet gemeinsam mit dem Service Wohnen ein Seniorenzentrum. Sie bietet vollstationäre Pflege sowie Kurzzeit- und Verhinderungspflege an. Ein eigener Wohnbereich ist auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz ausgerichtet. Zum Angebot gehören vielfältige Freizeit-, Beschäftigungs- und Betreuungsmöglichkeiten sowie Mahlzeiten aus der hauseigenen Küche. Im Anschluss an den Rundgang setzte Bender den Austausch im Sommergarten auf der Terrasse der Einrichtung fort. Dort kam sie mit Bewohner*innen ins Gespräch, darunter die 91-jährige Gisela Meinhardt. Die ehemalige Apothekerin berichtete von ihrem Berufsleben und ihren Erfahrungen aus vielen Jahrzehnten.
Auch Volker Hillebrandt nahm an der Gesprächsrunde teil. Der 84-jährige Rechtsanwalt erzählte von seiner beruflichen Tätigkeit und seiner Mitwirkung an rechtlichen Aufgaben im Zusammenhang mit der Abwicklung der DDR nach der Wiedervereinigung. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die beruflichen Erfahrungen der beiden Bewohner*innen und ihre persönlichen Erinnerungen an gesellschaftliche Veränderungen.
Für Bender bot der Besuch vielfältige Einblicke in die stationäre Pflege – von den Auswirkungen des Fachkräftemangels und dem Umgang mit Hitzeperioden über die tägliche Betreuung bis zum persönlichen Austausch mit den Bewohner*innen.
Redaktion & Fotos: Christian Degener/AWO