Region Hannover/ Hannover-Limmer. Was mache ich, wenn mich jemand anspricht, den ich nicht kenne? Wie kann ich reagieren, wenn mir etwas komisch vorkommt? Und an wen kann ich mich wenden, wenn es zu Hause Streit gibt? Um Fragen wie diese ging es jetzt in der AWO Kita Harenberger Straße – kindgerecht, spielerisch und mit zwei besonderen Hauptfiguren: Susi, einer Erstklässlerin, und Herrn Müller, einem Hund. Die Präventionspuppenbühne der Polizeidirektion Hannover war zu Gast in der Einrichtung und präsentierte das interaktive Puppenspiel „Selbstbewusst auf kleinen Füßen“. Die beiden Puppen Susi und Herr Müller wurden von Helena Boss, Sozialpädagogin bei der Polizeidirektion Hannover, gespielt. Im Zusammenspiel mit ihrer Kollegin Anke Dlugosch, Polizeihauptkommissarin und örtliche Kontaktbeamtin, entstand ein lebendiger Austausch mit den Kindern. Eingeladen waren die Vorschulkinder der Kita – gemeinsam mit ihren Eltern.
Im Mittelpunkt standen Themen, die Kinder im Übergang zur Schule besonders beschäftigen können: Selbstbewusstsein, der Umgang mit familiären Streitigkeiten und das richtige Verhalten gegenüber fremden Menschen. Die Kinder verfolgten aufmerksam, wie Susi und Herr Müller schwierige Situationen erlebten, Fragen stellten und gemeinsam nach Lösungen suchten.
„Uns ist wichtig, dass Kinder lernen: Ich darf Nein sagen, ich darf mir Hilfe holen und ich bin mit meinen Gefühlen nicht allein“, sagt Einrichtungsleiterin Jessica Merola. „Die Puppen schaffen dabei einen Zugang, der für Kinder viel unmittelbarer ist als eine reine Erklärung durch Erwachsene.“
Genau darin liegt die Stärke des Puppenspiels. Komplexe Themen werden nicht abstrakt erklärt, sondern in Alltagssituationen übersetzt, die Kinder kennen oder nachvollziehen können. Susi als Erstklässlerin bietet dabei eine Figur, mit der sich die Vorschulkinder gut identifizieren können. Herr Müller, der Hund, bringt Leichtigkeit, Humor und Nähe in das Spiel – und macht es den Kindern leichter, auch über Unsicherheiten oder Ängste zu sprechen.
In der rund einstündigen Vorstellung ging es unter anderem darum, Streit einzuordnen, eigene Gefühle ernst zu nehmen und zu verstehen, dass Kinder sich Hilfe holen dürfen. Ebenso wurde thematisiert, wie wichtig Vorsicht gegenüber fremden Menschen ist. Die Botschaft war klar, aber nicht belehrend: Kinder sollen aufmerksam sein, Grenzen wahrnehmen und wissen, dass sie sich Erwachsenen anvertrauen können.
Die Kinder folgten dem Spiel mal konzentriert, mal lachend, immer wieder im direkten Kontakt mit den Puppen und den Polizeikräften. Für die Kita ist genau diese Mischung entscheidend. „Die Kinder nehmen aus so einem Vormittag viel mit, weil sie nicht nur zuhören, sondern erleben“, sagt Merola. „Sie sehen: Ich darf Fragen stellen. Ich darf unsicher sein. Und ich darf stark auftreten – auch auf kleinen Füßen.“
Für die AWO Kita Harenberger Straße ist der Besuch der Präventionspuppenbühne kein einmaliges Projekt, sondern ein fester Bestandteil der pädagogischen Arbeit. „Diese Aktion führen wir jedes Jahr mit unseren Vorschulkindern durch“, erklärt Merola. „Sie ist Teil unseres Schutzkonzeptes und ergänzt das, was wir im Kita-Alltag immer wieder üben: aufeinander achten, Gefühle ernst nehmen, Grenzen respektieren und Hilfe holen.“
Dass die Eltern bei der Vorstellung dabei waren, gehört zum Konzept der Puppenbühne und ist der Kita besonders wichtig. Denn die Themen enden nicht mit dem Puppenspiel. Sie können zu Hause aufgegriffen, besprochen und vertieft werden. „Prävention funktioniert dann besonders gut, wenn Kinder, Eltern, Kita und Polizei dieselben Botschaften vermitteln“, sagt Merola. „Für die Kinder ist es stärkend, wenn sie merken: Die Erwachsenen um mich herum sprechen miteinander und nehmen meine Sicherheit ernst.“
Im Anschluss an die Vorstellung gab es Raum für Austausch und Fragen. Begleitet durch Anke Dlugosch und Helena Boss konnten die Eltern die Inhalte einordnen und Anregungen für den Alltag mitnehmen. Für die Kinder blieb vor allem ein lebendiger Vormittag in Erinnerung – mit Susi, Herrn Müller und wichtigen Botschaften, die lange nachwirken können.
weitere Infos zur Puppenbühne: hier
Text & Fotos: Christian Degener/AWO