„Gerade bei Positionswechseln vom Rollstuhl ins Bett merke ich, dass die Bewegungen kontrollierter ablaufen und weniger Kraft kosten“, sagt Altenpflegehelferin Zekiye Tomen, die hier eine Bewohnerin in den Rollstuhl hebt.

Rückenschonender durch den Pflegealltag

Sehnde: AWO Residenz erprobt neue Unterstützung für Pflegekräfte

Region Hannover/Sehnde. Heben, stützen, umlagern – viele Handgriffe in der Pflege gehen täglich auf den Rücken. In der AWO Residenz Sehnde wird deshalb derzeit ein neuer Ansatz erprobt: Exoskelette sollen Pflegekräfte bei körperlich belastenden Tätigkeiten unterstützen. Seit mehreren Wochen laufen die Tests im Rahmen eines wissenschaftlich begleiteten Projekts. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob sogenannte passive Exoskelette den Arbeitsalltag spürbar erleichtern können. Gerade beim Transfer von Bewohnerinnen und Bewohnern – etwa vom Bett in den Rollstuhl oder zur Toilette – sind Rücken und Schultern stark beansprucht. Die mechanischen Systeme setzen genau hier an, indem sie Bewegungen stabilisieren und die Belastung gezielt reduzieren.

Nach mehreren Wochen im Einsatz fällt das erste Fazit vor Ort positiv aus. „Mir macht das sehr viel Spaß mit dem Exoskelett“, berichtet Altenpfleger Jürg Tauche. „Ich trage es jetzt seit fast vier Wochen und nutze es aktiv in der Pflege – beim Transfer oder Positionswechsel vom Rollstuhl ins Bett und andersherum. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen gesammelt.“ Auch bei Alexander Schmidt, ebenfalls examinierter Altenpfleger, kommt die Unterstützung gut an. Das Exoskelett entlastet meinen Rücken und ich bin nach der Arbeit weniger angestrengt oder gestresst.“ Davon berichtet auch Altenpflegehelferin Zekiye Tomen. „Gerade bei Positionswechseln vom Rollstuhl ins Bett merke ich, dass die Bewegungen kontrollierter ablaufen und weniger Kraft kosten.“

Die Erprobung ist Teil des Projekts EXOWEGE, das von der Gesundheitswirtschaft Hannover e.V. getragen und wissenschaftlich von KeHaConsulting begleitet wird. Die AWO Jugend- und Sozialdienste gGmbH Region Hannover beteiligt sich mit zwei Einrichtungen an dem Pilotprojekt, darunter die Residenz in Sehnde. Ziel ist es, belastbare Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welchen Beitrag Exoskelette in Pflege und Haustechnik leisten können. Für die Einrichtung steht dabei vor allem die Entlastung der Mitarbeitenden im Fokus – aber auch die Frage, wie sich der Pflegeberuf weiterentwickeln lässt. „Wir sind froh, an dem Projekt EXOWEGE mitwirken zu können“, sagt Alina Zerbe, stellvertretende Fachbereichsleitung Pflege und Wohnen im Alter bei der AWO Jugend- und Sozialdienste gGmbH. „Wir testen den Nutzen von Exoskeletten in der Pflege und der Haustechnik. Wir möchten unsere Mitarbeitenden bei körperlich schweren Tätigkeiten entlasten und hoffen, dass die Skelette ein mögliches Hilfsmittel in der Zukunft darstellen.“

Darüber hinaus sieht Zerbe in dem Projekt auch eine strategische Perspektive: „Wir sehen darin eine wichtige Chance, moderne Technologien in unseren Arbeitsalltag zu integrieren und die Arbeit in der Pflege attraktiver zu gestalten. Das Projekt ergänzt unser bestehendes betriebliches Gesundheitsmanagement und zeigt, dass Prävention und Innovation in der Pflege Hand in Hand gehen können.“

Vor Beginn der Testphase wurden die Mitarbeitenden im Umgang mit den Skeletten geschult. Ergänzend begleiten medizinische Untersuchungen und Befragungen den gesamten Zeitraum, um neben persönlichen Eindrücken auch wissenschaftlich fundierte Daten zu erheben. Noch ist offen, welche Rolle Exoskelette künftig im Pflegealltag spielen werden. Die bisherigen Erfahrungen in Sehnde deuten jedoch darauf hin, dass Exoskelette neben den bestehenden technischen Hilfsmitteln vor allem bei körperlich anspruchsvollen Bewegungsabläufen eine spürbare Entlastung bringen können.

Fotos & Text: Christian Degener/AWO

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