Mehr als ein gewöhnlicher Gastronomiebetrieb: Café Marie wird fünf Jahre alt

Konzept gelungen, wirtschaftlich noch nicht aus dem Gröbsten raus

AWO Fachbereichsleiterin Antje Hennecke (Mitte) überreichte Café-Leiterin Elke Priewe (2. von links) und ihrem Team einen Blumenstrauß zum fünfjährigen Bestehen des Cafés.

Hannover/Laatzen. Die ersten Monate und Jahre sind bekanntlich die schwierigsten in der Gastronomie – das Café Marie der AWO Region Hannover im Laatzener Stadthaus hat die Anfangszeit hinter sich und wird heute fünf Jahre alt. Dennoch sei sei das Café wirtschaftlich immer noch eine große Herausforderung, berichtet AWO Fachbereichsleiterin Antje Hennecke. „Die Lage ist nicht einfach – wir konkurrieren mit dem Leine-Center, wo viele Laatzener einkaufen und essen gehen“, so Hennecke. Zwar laufe der Mittagstisch trotz allem sehr gut und man habe bereits viele Stammgäste, aber zum Frühstück und nachmittags müssten es noch mehr Besucher sein, damit sich das Café langfristig tragen könne. Dennoch sei das Café ein Erfolgsprojekt, da es mehr ist als ein gewöhnlicher Gastronomiebetrieb: Hier arbeiten Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen zusammen in einem Team mit gastronomischen Fach- und Hilfskräften.

Menschen mit psychischen Erkrankungen sind oftmals nicht in der Lage, dem Druck der Arbeitswelt standzuhalten. Das von der Region Hannover geförderte Zuverdienstprojekt verfolgt das Ziel, sie gemäß ihrer Möglichkeiten in die Arbeitswelt zu integrieren, so dass sie am Arbeitsleben teilhaben können. „Das klappt hervorragend – wir haben hier ein tolles Team“, sagt Hennecke. „Wir betonen hier nicht die Schwächen, sondern gehen auf die Stärken der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein“, ergänzt Elke Priewe, die das Café leitet. Die Zuverdienstprojekte der Region Hannover mit niedrigschwelligen Beschäftigungsangeboten haben kürzlich ihren Pilotstatus verlassen und werden ab 1. Juli diesen Jahres zur festen Einrichtung. „Zuverdienstangebote wie das Café Marie sind wichtige soziale Projekte – durch sie gelingt es, Menschen aus dem Kreislauf institutionalisierter Hilfsangebote herauszuführen. Mit ihrer wiedererlangten Stabilität gelang einigen Teilnehmenden sogar der Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt oder der Auszug aus einer stationären Wohneinrichtung in eine eigene Wohnung“, berichtet Hennecke. Deshalb dürfe die Politik Projekte wie das Café Marie nicht vorrangig nur aus rein wirtschaftlicher Sichtweise betrachten sondern müsse den gesellschaftlichen und sozialen Stellenwert und Gewinn betrachten, den ein solches Projekt für den jeweiligen Standort habe.

Eröffnet wurde das Café Marie, das nach der AWO Gründerin Marie Juchacz, benannt wurde, zeitgleich mit dem Laatzener Stadthaus, das seinen fünften Geburtstag mit verschiedenen Aktionen in dieser Woche feiert. Das Café hat montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr geöffnet und bietet ein abwechslungsreiches Frühstückangebot, einen täglich wechselnden Mittagstisch, verschiedene Kaffeespezialitäten aus ökologischem Anbau und frisch gebackenen Kuchen. Darüber hinaus gibt es ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm – sehr beliebt ist unter anderem das Krimi-Dinner. „Wir wollen immer wieder neue Veranstaltungen und Aktionen anbieten – sie sind sozusagen das I-Tüpfelchen des Cafés. Durch sie wird das Café zu einem lebendigen Treffpunkt für Jung und Alt, sagt Hennecke. Zum fünften Geburtstag gibt es für die Gäste heute eine große Geburtstagstorte und ein großes Antipasti-Buffet.

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