Leiterin Susanne Kretschmer (hintere Reihe) und ihr Team sind der Rettungsanker für viele Betroffene und ihre Arbeitgeber, wenn es darum geht, Hindernisse im Arbeitsalltag zu überwinden und neue Perspektiven zu schaffen.

Anlaufstelle für Menschen mit Schwerbehinderung im Arbeitsleben

Der Integrationsfachdienst der AWO berät Arbeitnehmende und Arbeitgeber

Region Hannover/ Hannover. Der Integrationsfachdienst der AWO Region Hannover ist die erste Anlaufstelle für schwerbehinderte, ihnen gleichgestellte, sowie von Behinderung bedrohte Menschen im Arbeitsleben und deren Arbeitgebern. Leiterin Susanne Kretschmer und ihr Team stehen sowohl Arbeitnehmenden als auch Arbeitgebern mit Rat und Tat zur Seite. „Unser Ziel ist es, den Arbeitsplatz der schwerbehinderten Person zu erhalten und gemeinsam mit allen Beteiligten zu überlegen, wie er leidensgerecht angepasst werden kann“, sagt Kretschmer. Menschen mit einem Grad der Behinderung unter 50 erhalten vom Integrationsfachdienst Unterstützung bei der Beantragung der arbeitsrechtlichen Gleichstellung bei der Agentur für Arbeit, was ihnen Zugang zum besonderen Kündigungsschutz und zu den Leistungen des Integrationsamtes verschafft. „Das ist die Voraussetzung dafür, dass wir als Integrationsfachdienst tätig werden können“, betont die Diplom-Sozialpädagogin.

Der Integrationsfachdienst der AWO Region Hannover arbeitet im Auftrag des Integrationsamtes nach Paragraf 192 Sozialgesetzbuch Neuntes Buch – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen.

Das Team unterstützt Schwerbehinderte bei Problemen und Herausforderungen am Arbeitsplatz. Viele der Betroffenen sind psychisch krank, leiden an posttraumatischen Belastungsstörungen, neurologischen Erkrankungen, wie nach einem Schlaganfall, oder sind nach einem Unfall körperlich behindert. Allen gemeinsam ist, dass sie ihren Arbeitsplatz nicht mehr so ausfüllen können wie vor der Erkrankung. „Leidensgerecht bedeutet, dass ein Arbeitsplatz so gestaltet wird, dass er den individuellen Bedürfnissen und Einschränkungen des Arbeitnehmenden gerecht wird“, erklärt Kretschmer. Darüber hinaus beraten die IFD Fachkräfte bei Problemen im Arbeitsalltag wie Über- oder Unterforderung, Konflikten mit Kolleg*innen oder Vorgesetzten sowie zu Fragen der Gleichstellung, der Feststellung einer Schwerbehinderung und der Wiedereingliederung nach Krankheit oder auch zur Frühverrentung. Auch Menschen, die erst noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen, können vom IFD unterstützt werden. Die IFD Fachkräfte stehen den Hilfesuchenden mit regelmäßigen psychosozialen Gesprächen zur Seite und verstehen sich als Ansprechpersonen bei der Bewältigung beruflicher Probleme.

Arbeitgeber erhalten vom Integrationsfachdienst Unterstützung, zum Beispiel bei der Beantragung von Zuschüssen zur Einstellung oder Arbeitsplatzausstattung, zu Mitteln für die Einarbeitung von Personal oder zu Lohnkostenzuschüssen sowie bei Fragen zum betrieblichen Eingliederungsmanagement und zum Kündigungsschutz.

Um das Angebot bekannt zu machen, informiert das Team regelmäßig in Einrichtungen und Institutionen oder informiert bei Schwerbehindertenversammlungen in Betrieben über ihre Dienstleistungen. „Es ist wichtig, dass die Betroffenen wissen, dass sie eine neutrale Unterstützung erhalten können“, so Kretschmer.

Das Erstgespräch findet in der Regel in den Räumen des Integrationsfachdienstes der AWO statt – „quasi auf neutralem Boden“, sagt Kretschmer: „Auch, wenn der Arbeitgeber uns kontaktiert und ein Gespräch, wie zum Beispiel ein BEM-Gespräch, anberaumt, ist es wichtig, die betroffene Person zunächst in einem anderen Umfeld als direkt am Arbeitsplatz kennenzulernen. Wir bitten sie auch, medizinische Unterlagen mitzubringen, darunter den Feststellungsbescheid, um die genau anerkannte Behinderung zu ermitteln.“ Diese Daten seien sensibel und würden von den Betroffenen nicht immer gerne dem Arbeitgeber vorgelegt.

Das Erstgespräch diene auch dazu, den Ratsuchenden die Rolle und die Aufgaben des Integrationsfachdienstes zu verdeutlichen, betont Kretschmer. Um Veränderungen am Arbeitsplatz zu erwirken, sei es wichtig, dass alle Parteien bereit sind, miteinander zu sprechen. „Und das versuchen wir durch Aufklärung und Information zu erreichen – warum Veränderungen notwendig sind, was der Arbeitgeber dafür benötigt oder welche Fördermöglichkeiten es gibt.“ In der Regel finden dazu mehrere Gespräche statt. Aufgabe des Integrationsfachdienstes ist es unter anderem, dafür zu sorgen, dass Maßnahmen geplant und Fristen gesetzt werden. „Wir überprüfen regelmäßig den Fortschritt und stellen sicher, dass alle Beteiligten informiert sind und die Umsetzung vorangetrieben wird. Oft fehle es den Betroffenen an Einblick, warum die Umsetzung stockt. „Deshalb sorgen wir für eine transparente Kommunikation.“

Eine große Herausforderung bei der leidensgerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen für schwerbehinderte Menschen sei die zunehmende Digitalisierung, bemerkt Kretschmer. Durch die Digitalisierung würden einfachere Tätigkeiten in den Berufszweigen zunehmend wegfallen. Die Möglichkeiten, die Betroffenen dann in anderen Bereichen einzusetzen, würden immer weniger. Immer häufiger stelle sich die Frage, ob das Arbeitsverhältnis überhaupt noch gehalten werden könne, wenn der Arbeitgebende nicht mehr wisse, wie er die Person einsetzen könne.

„Trotz der Herausforderungen bleibt es unser oberstes Ziel, sowohl für die schwerbehinderten Arbeitnehmer als auch für die Arbeitgeber Lösungen zu finden, die den individuellen Bedürfnissen gerecht werden und eine erfolgreiche Zusammenarbeit ermöglichen“, wie Susanne Kretschmer.

Zwei weitere Angebote des Integrationsfachdienstes der AWO Region Hannover bieten Menschen mit Schwerbehinderungen die Möglichkeit, auf dem ersten Arbeitsmarkt zu etablieren beziehungsweise ein bestehendes Arbeitsverhältnis zu erhalten:

Das Budget für Arbeit ist eine Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben nach dem SGB IX §61 (Rehabilitation und Teilhabe) und ermöglicht Menschen mit Behinderungen eine Alternative zu einer Beschäftigung in einer Werkstatt. Ziel ist es, einen Übergang auf den ersten allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

„Jobcoaching am Arbeitsplatz“ bietet Menschen mit Schwerbehinderung eine individuelle Einarbeitung und Unterstützung bei der Arbeit in Betrieben auf dem ersten Arbeitsmarkt. Die Leistung dient als Einstieg in ein Arbeitsverhältnis oder zu dessen Erhalt.

Mehr Informationen: Integrationsfachdienst für Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben der AWO Region Hannover, Deisterstraße 85 A, 30449 Hannover, ifd@awo-hannover.de, Telefon: 0511 21978-182

Text: Gaby Kujawa/AWO, Foto: Christian Degener/AWO

Leiterin Susanne Kretschmer (hintere Reihe) und ihr Team sind der Rettungsanker für viele Betroffene und ihre Arbeitgeber, wenn es darum geht, Hindernisse im Arbeitsalltag zu überwinden und neue Perspektiven zu schaffen.

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