Region Hannover/Hannover. Eine Kinderredaktion berichtet aus ihrem Schulalltag, Senior*innen entwickeln Angebote gegen Einsamkeit, Mädchen bringen ihre Forderungen in die Kommunalpolitik ein: Sechs Projekte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern der AWO Region Hannover zeigen, wie Demokratie, Teilhabe und Nachhaltigkeit ganz praktisch gestaltet werden können. Die Soziale Zukunft Bürgerstiftung der AWO in der Region Hannover hat die Beiträge jetzt im Rahmen ihres Wettbewerbs 2026 in der AWO Begegnungsstätte Anderten ausgezeichnet.
„Die prämierten Projekte zeigen, dass Demokratie, Teilhabe und Nachhaltigkeit keine abstrakten Begriffe bleiben müssen“, sagte Dirk von der Osten, Vorstandsvorsitzender der AWO Region Hannover, bei der Preisverleihung. „Sie werden konkret, wenn Kinder ihre Sicht veröffentlichen, ältere Menschen Angebote in ihrem Quartier mitgestalten oder Nachhaltigkeit in Einrichtungen und Vereinen praktisch erprobt wird. Genau solche Ideen aus dem Alltag wollen wir mit dem Wettbewerb sichtbar machen und stärken.“
Die Jury stand unter der Leitung von Petra Rudszuck, der stellvertretenden Präsidentin der Region Hannover und Vorsitzende des Stiftungsrates, und die ausgezeichneten Projekte erhielten jeweils 1000 Euro Preisgeld. Im Bereich Demokratie und Teilhabe wurde unter anderem der „Baumfunk“ des AWO Ganztags an der Gebrüder-Körting-Schule ausgezeichnet. In einer wöchentlichen Arbeitsgemeinschaft entscheiden sechs bis zehn Grundschulkinder selbst, worüber sie berichten möchten. Sie schreiben Texte, produzieren Fotos, Videos oder Tonaufnahmen und veröffentlichen ihre Beiträge auf dem Kinderblog der Stadt Hannover sowie auf der Internetseite der Schule. Dabei greifen sie auch Themen auf, die sie unmittelbar beschäftigen – etwa wenn im Zuge der Schulsanierung Container den Basketballplatz blockieren. Zugleich lernen die Kinder den Umgang mit digitalen Medien, Urheberrechten, dem Recht am eigenen Bild und angemessener Sprache im Internet.
Wie gesellschaftliche Teilhabe im Alter gestärkt werden kann, zeigt das Projekt „Mittendrin älter werden – aktiv vor Ort“ der AWO Seniorenarbeit. In den Stadtteilen List und Anderten sind zahlreiche Angebote entstanden, die Begegnung ermöglichen und Einsamkeit entgegenwirken. Ein Beispiel ist das Sonntagscafé in der List, das regelmäßig von mehr als 35 Menschen besucht wird und von drei Ehrenamtlichen getragen wird. Hinzu kommen unter anderem eine Fahrradwerkstatt, Tanzgruppen, Begleitspaziergänge, ein Mittagstisch, Nachbarschaftscafés, interkulturelle Backgruppen sowie Beratungs- und Informationsangebote. Viele dieser Aktivitäten wurden aus den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen im Quartier heraus entwickelt.
Ausgezeichnet wurde außerdem das Projekt „MÄDCHEN*geRECHTE Kommune – Mädchen machen Politik!“. Mädchen und junge Frauen im Alter von acht bis 18 Jahren setzten sich im Neuen Rathaus Hannover mit ihren Rechten auseinander und entwickelten in einer Zukunftswerkstatt konkrete Vorschläge für eine mädchen-gerechte Stadt. Zu ihren priorisierten Ideen gehörten eine bessere Beleuchtung und mehr Sicherheit im öffentlichen Raum, kostenlose Hygieneartikel auf Schul- und öffentlichen Toiletten, ein späterer Schulbeginn sowie mehr kostenlose und saubere Toiletten. Die Ergebnisse wurden der Ratsvorsitzenden übergeben und sollen in die politischen Gremien der Stadt einfließen. Durchgeführt wurde das Projekt vom Mädchen*arbeitskreis Hannover und der Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung „Rollende Baustelle“ der AWO in Kooperation mit dem Referat für Frauen und Gleichstellung der Landeshauptstadt Hannover.
Im Bereich „Nachhaltigkeit“ überzeugte das Projekt „INA – Nachhaltigkeit interkulturell“ der Sozialen Energieberatung. Die AWO Region Hannover war 2025 einer von zwei bundesweiten Modellstandorten des vom Umweltbundesamt geförderten Projekts. Im Mittelpunkt standen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und ihre ehrenamtlichen Organisationen. In mehreren Präsenz- und Online-Schulungen beschäftigten sich die Teilnehmer*innen mit den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und wurden darauf vorbereitet, lokale Vereine bei der Entwicklung eigener Nachhaltigkeitsstrategien zu begleiten. Der Ansatz verbindet gesellschaftliches Engagement mit konkreten Fragen des Alltags und soll mit Trainer*innen und Vereinen in der Region Hannover dauerhaft fortgeführt werden.
Dass Wiederverwertung bereits für Kita-Kinder selbstverständlich werden kann, zeigt die „Projektwoche Nachhaltigkeit“ der AWO Kita Sylter Weg. Produktionsreste und mitgebrachte Verpackungen wurden nicht weggeworfen, sondern zum Ausgangspunkt für neue Bastelarbeiten und Spielideen. Die Kinder entwickelten aus Joghurtbechern, Milchkartons, Schachteln und weiteren Materialien eigene Ideen. Inzwischen ist das Arbeiten mit Produktions- und Verpackungsresten ein fester Bestandteil des Kreativbereichs der Kita.
Beim Projekt „Nachhaltigkeit erleben: Schulgarten, Naturprojekte und Nachhaltigkeitstag“ des AWO Ganztags an der Friedrich-Ebert-Schule entstand gemeinsam mit den Kindern ein dauerhaftes Lern- und Erfahrungsangebot. Grundschulkinder legten Hochbeete sowie Blumen- und Kräuterflächen an, wählten Pflanzen aus und übernahmen Verantwortung für deren Pflege. Ergänzt wurde das Angebot durch Naturbeobachtungen, Upcyclingaktionen, Experimente und einen schulweiten Nachhaltigkeitstag mit Workshops und Mitmachstationen. Der Schulgarten bleibt langfristig Bestandteil des Ganztagsangebots.
„Die sechs Projekte setzen auf Beteiligung und Selbstwirksamkeit. Menschen erleben, dass sie selbst etwas anstoßen und in ihrem direkten Umfeld verändern können“, betonte von der Osten. „Ich danke allen Beteiligten, die diese Angebote mit Fachlichkeit, Ausdauer und vielen guten Ideen möglich machen.“
Zum Hintergrund:
Mit ihrem Wettbewerb zeichnet die Soziale Zukunft Bürgerstiftung der AWO in der Region Hannover Projekte aus, die demokratische Beteiligung, gesellschaftliche Teilhabe und nachhaltiges Handeln fördern. Der Wettbewerb 2026 stand unter den Überschriften „Demokratie stärken und Teilhabe fördern“ sowie „Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit“. In beiden Bereichen wurden jeweils drei Projekte prämiert.
Redaktion & Fotos: Christian Degener/AWO – Foto Nr.6 mit KI-Unterstützung