Region Hannover/ Garbsen. Bevor sie beim Spendenlauf ihre Runden drehten, beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler des siebten Jahrgangs der IGS Garbsen mit Fragen, die im Schulalltag eher selten zur Sprache kommen: Warum gibt es Frauenhäuser? Wer findet dort Schutz? Und wohin können sich junge Menschen wenden, wenn sie selbst Gewalt erleben oder Betroffene kennen? Die acht Klassen erhielten Besuch von Nele Kramer, Leiterin des Anonymen Frauenhauses der AWO Region Hannover. Anschließend sammelten sie mit einem Lauf Spenden für die Einrichtung.
Die Aktion knüpfte an das Thema Geschlechterungleichheiten an, mit dem sich die Jugendlichen im Fach Gesellschaftslehre beschäftigt hatten. Zugleich gehörte sie zur Auseinandersetzung mit den Zielen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Für den Jahrgang stand dabei in diesem Jahr die Geschlechtergleichheit im Mittelpunkt. „Wir wollen, dass unsere Kinder einen Bezug zu diesen Zielen bekommen“, erklärte Jessica Mylius, Leiterin des siebten Jahrgangs. „In diesem Jahr beschäftigen wir uns mit Geschlechtergleichheit. Daraus ist die Idee entstanden, mit unserem Spendenlauf die Frauenhausarbeit zu unterstützen.“
Bereits im Vorfeld hatten die Schülerinnen und Schüler Eltern, Großeltern, Geschäfte und weitere mögliche Unterstützer angesprochen. Diese konnten einen Betrag festlegen, den sie für jede gelaufene Runde spenden wollten. Beim sogenannten Seelauf sammelten die Jugendlichen dann Stempel auf vorbereiteten Karten. Mit diesen Nachweisen sollten sie anschließend zu ihren Unterstützern zurückkehren und die zugesagten Spenden einsammeln. Die Schule wollte das Geld über die Lehrkräfte bündeln und an die AWO überweisen.
„Die Kinder sind selbst auf verschiedene Menschen zugegangen und haben darum gebeten, sie beim Spenden zu unterstützen“, berichtete Mylius. So begann ihr Engagement bereits vor dem eigentlichen Lauf: Sie mussten erklären, wofür sie sich einsetzten, und andere für die Unterstützung gewinnen.
In den ersten beiden Unterrichtsstunden stellte Kramer die Arbeit des Frauenhauses vor und beantwortete Fragen. Die Jugendlichen erfuhren, welche Menschen dort Zuflucht finden und wie die Einrichtung Frauen und ihre Kinder unterstützt. Auch konkrete Hilfsangebote für Jugendliche in der Region Hannover wurden bekannt gemacht. „Für viele Jugendliche ist ein Frauenhaus zunächst etwas Unbekanntes. Im direkten Gespräch können sie nachfragen und erfahren, was hinter diesem Begriff steckt“, sagte Kramer. „Damit wollen wir Vorurteile abbauen und die Hemmschwelle senken, sich bei Bedarf selbst Unterstützung zu holen.“
Der persönliche Austausch sollte die Unterrichtsinhalte um Einblicke in die praktische Arbeit ergänzen. Für die Schule war dabei entscheidend, den zwölf- bis 14-Jährigen Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Sie sollten erfahren, wo sie Hilfe finden können – für sich selbst oder für Menschen in ihrem Umfeld. „Wir finden es wichtig, Kinder schon in diesem Alter für Gewalt zu sensibilisieren“, sagte Mylius. „Wir wollen ihnen Handlungsmöglichkeiten bieten, damit sie sich wehren können und wissen, wo sie Schutz suchen können.“ Dieses Wissen sei auch dann wichtig, wenn die Jugendlichen jemanden kennten, der sich in einer solchen Situation befinde.
Kramer betonte, dass die Begegnung mit dem Hilfesystem Berührungsängste abbauen könne. „Uns ist wichtig, dass junge Menschen wissen: Ich muss mit belastenden Erfahrungen nicht allein bleiben“, erklärte sie. „Hilfe anzunehmen ist ein Zeichen von Stärke. Genauso wichtig ist es, hinzuschauen und anderen Unterstützung anzubieten.“ In der dritten Unterrichtsstunde ging es schließlich auf die Laufstrecke.
In der dritten Unterrichtsstunde ging es schließlich auf die Laufstrecke. Mit jeder dokumentierten Runde trugen die Schülerinnen und Schüler dazu bei, Spenden für das Frauenhaus zu sammeln. Insgesamt kamen dabei 2,452,38 Euro für das Anonyme Frauenhaus der AWO Region Hannover zusammen. Die Beschäftigung mit Geschlechtergerechtigkeit und Gewaltschutz mündete damit in eine gemeinsame Aktion, bei der sie selbst Unterstützung leisten konnten. „Die Jugendlichen haben sich mit einem schwierigen Thema auseinandergesetzt und anschließend selbst etwas getan“, sagte Kramer. „Durch den Spendenlauf konnten sie erleben, dass ihr Engagement konkrete Unterstützung ermöglicht.“
Redaktion & Fotos: Christian Degener/AWO