Region Hannover/ Hannover-Anderten. Neues Werkzeug für ein Angebot, das Reparaturhilfe und Begegnung verbindet: Die Seniorenarbeit der AWO Region Hannover hat für ihre Fahrradwerkstatt in der Begegnungsstätte Anderten eine Förderung von 1.000 Euro von der Region Hannover erhalten. Mit dem Geld wurden ein Werkzeugwagen, ein Montageständer und eine Standpumpe angeschafft. Die Ausstattung erleichtert den beiden Ehrenamtlichen die Arbeit und verbessert die Möglichkeiten, gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern Fahrräder zu reparieren.
Seit August 2024 gibt es das kostenlose Angebot am Walter-Clemens-Platz 1. Wer mit einem platten Reifen, einer defekten Beleuchtung oder einer verschlissenen Kette vorbeikommt, findet dort Unterstützung. Doch für Khatia Rauer, Mitarbeiterin der AWO Seniorenarbeit, steht hinter der Werkstatt mehr als ein repariertes Fahrrad: „Begegnung steht an erster Stelle. Das Fahrrad ist ein Mittel dafür.“ Menschen aus dem Stadtteil sollen miteinander ins Gespräch kommen, sich gegenseitig unterstützen und gemeinsam etwas tun können.
Getragen wird die Werkstatt vom Engagement zweier Ehrenamtlicher. Ralf Schumnig hat das Angebot von Beginn an mit aufgebaut. Der 71-Jährige möchte seine Zeit und seine Fähigkeiten einbringen: „Ich mache das auch, weil ich mit meinen 71 nicht zu Hause rumhängen will, sondern eine ehrenamtliche Tätigkeit machen möchte.“
Inzwischen unterstützt ihn Michael Junk. Der 62-Jährige ist im Vorruhestand und schraubt auch zu Hause an Motorrädern und Fahrrädern. Ein Schild an der Begegnungsstätte machte ihn auf die Werkstatt aufmerksam. Er fragte nach, ob Unterstützung gebraucht werde – seitdem arbeiten die beiden zusammen.
Bislang brachten sie einen großen Teil ihres eigenen Werkzeugs zu den Terminen mit. Rund 25 Kilogramm hätten sie dafür jeweils transportieren müssen, berichtet Junk. Dank der Förderung steht nun eine eigene Ausstattung dauerhaft vor Ort bereit. „Das erleichtert das Ganze ungemein“, sagt er. Die Mittel wurden im Rahmen des Förderprogramms „Selbst schrauben und abstauben“ bewilligt. Damit unterstützt die Region Hannover gemeinnützige Angebote, die Menschen bei der eigenständigen Fahrradreparatur helfen. Finanziell ermöglicht wird das Programm durch die Sparkasse Hannover im Rahmen des Sparkassenbriefs N+.
In Anderten übernehmen die Ehrenamtlichen Sicherheitschecks und einfache Reparaturen, etwa an Reifen, Beleuchtung, Kette oder Bremsen. Wer möchte, kann selbst mit anpacken und dazulernen. Voraussetzung ist das nicht. „Auf jeden Fall erklären wir, was wir machen“, sagt Junk. Benötigte Ersatzteile müssen die Besucherinnen und Besucher selbst besorgen.
Zu ihnen gehört Marie-Luise Deike. Sie hatte beim Tag der offenen Tür von der Fahrradwerkstatt erfahren und nahm für den Besuch fast zehn Kilometer Anfahrt mit dem Rad in Kauf. Vieles repariert sie selbst, den Austausch der Kette überließ sie diesmal den beiden Ehrenamtlichen. Ihr Urteil über das Angebot fällt eindeutig aus: „Sehr gut.“
Die Werkstatt ist Teil des Projekts „Mittendrin älter werden – aktiv vor Ort“ der AWO Seniorenarbeit. Sie richtet sich insbesondere an ältere Menschen, steht aber auch anderen Interessierten offen. Meist kommen drei bis vier Personen pro Termin. Dabei bleibt neben dem Schrauben auch Zeit für Gespräche. Findet parallel das Nachbarschaftscafé statt, lässt sich eine Wartezeit bei Kaffee und Kuchen überbrücken.
Die Fahrradwerkstatt öffnet an jedem zweiten und vierten Donnerstag im Monat von 15 bis 17 Uhr in der Begegnungsstätte Anderten, Walter-Clemens-Platz 1. Der Zugang zur Werkstatt im Keller befindet sich auf der Rückseite des Hauses. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Unterstützung ist kostenlos. Im Dezember und Januar macht die Werkstatt Winterpause.
Das Projekt „Mittendrin älter werden – aktiv vor Ort“ wird im Rahmen des Programms „Stärkung der Teilhabe älterer Menschen – gegen Einsamkeit und soziale Isolation“ durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie durch die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus gefördert. Weitere Förderer sind die Region Hannover und die Landeshauptstadt Hannover.
Redaktion & Fotos: Christian Degener/AWO