Region Hannover/ Groß-Buchholz. Mit kleinen Schaufeln graben die Kinder in der Erde nach Kartoffeln. Was sie finden, wird gesammelt, gewaschen und wenig später direkt vor Ort gekocht. An den Tischen schneiden Kinder mit Unterstützung ihrer Eltern Gemüse, aus frischen Kräutern entstehen Beilagen für das gemeinsame Essen. Beim Outdoor-Kochen des AWO Familienzentrums Kapellenbrink im benachbarten Lerngarten „LeNes Elfriede“, den die Einrichtung unter dem Dach der Schreberjugend Niedersachsen e.V. gemeinsam mit der AWO-Kita Gehägestraße nutzt, konnten Familien jetzt den Weg einer Mahlzeit vom Beet bis auf den Teller selbst mitgestalten.
„Wer eine Kartoffel selbst aus der Erde geholt hat, schaut beim Essen anders auf den Teller“, sagte Nicole Bartlakowski, Koordinatorin im AWO Familienzentrum. Gemeinsam mit den Kindern wurden die Kartoffeln im Frühjahr eingepflanzt. „Wir möchten die Neugier der Kinder aufgreifen und ihnen Raum geben, selbst etwas herauszufinden: Wo wächst unser Essen, was braucht es, damit es wächstalles und was können wir daraus machen? Genau solche Erfahrungen sind es, die es für uns zu einer großen Bereicherung machen, dass wir gemeinsam mit der AWO-Kita Gehägestraße zu den aktiven Kitas im Lerngarten-Netzwerk (LeNe) Hannover gehören.“ Begleitet wurde der Nachmittag von Mari Mattner, Diätassistentin im städtischen Gesundheitsprojekt „iss dich fit!“, das sich bereits seit 2024 gemeinsam mit LeNe Hannover dafür einsetzt, Kindern in Kitas die Verbindung von Gärtnern, Ernten und Kochen nahezubringen. Schon zum Auftakt bezog Mattner die Kinder mit ein: Wo wachsen Kartoffeln? Und an welcher Stelle im Garten könnte man welche finden? Die Antworten kamen schnell, anschließend ging es gemeinsam auf die Suche. Zur Ernte gehörten auch frische Kräuter. Neben Kräuterquark und Kräuterbutter stand eine besondere Erfahrung auf dem Programm: Aus Sahne stellten die Teilnehmenden selbst Butter her.
Für Mattner liegt gerade im Mitmachen der Schlüssel zur frühkindlichen Ernährungsbildung. „Wir wollen, dass die Kinder von Anfang an Spaß an gesunder Ernährung bekommen. Dafür soll ganz viel ausprobiert und probiert werden“, sagt sie. Das Projekt arbeitet vor allem mit Kitas zusammen, gibt Anregungen für den Alltag und bezieht über Elternkochkurse auch die Familien ein. Denn die Entdeckungen der Kinder wirken nach ihrer Erfahrung häufig zu Hause weiter: Sie erzählen davon, möchten Zutaten wiederverwenden und bringen neue Ideen in die Familienküche.
Der Lerngarten LeNes Elfriede bot dafür Möglichkeiten, die über das gemeinsame Kochen hinausgingen. Hier konnten die Kinder unmittelbar sehen, wo Lebensmittel herkommen – und selbst Hand anlegen. „Sie können das Essen selbst ausbuddeln, und am Ende liegt es auf dem Teller. Das ist ganz wertvoll“, sagt Mattner.
Auch ein Vater, der mit seinen vier und sieben Jahre alten Kindern teilnahm, schätzt solche Nachmittagsangebote. In seiner Familie spiele eine ausgewogene Ernährung ohnehin eine wichtige Rolle. Selbst zu ernten und zuzubereiten helfe den Kindern, Lebensmittel besser kennenzulernen und ein Verständnis für ihre Verarbeitung zu entwickeln. „Ich finde diese Nachmittagsaktivitäten eine sehr schöne Sache. Die Kinder haben Spaß daran“, sagte er.
Für Anke Bischoff, Projektleiterin von LeNe Hannover passte die Aktion besonders gut zum Ausklang der Gartensaison. Was über Monate gewachsen war, wurde nun gemeinsam geerntet, verarbeitet und gegessen. „Damit schließt sich ein Kreislauf im Garten“, sagte sie. Besonders beeindruckte sie die Ausdauer der Kinder: Auch nach rund eineinhalb Stunden seien viele noch aufmerksam dabei gewesen und hätten weiter mitgemacht. „Unter freiem Himmel etwas zu essen, das man selbst zubereitet und teilweise sogar selbst gepflanzt hat, ist einfach etwas sehr Besonderes.“
Neben dem Kennenlernen der Lebensmittel gehörte das Miteinander zum Nachmittag. Eltern unterstützten beim Vorbereiten, Kinder übernahmen einzelne Arbeitsschritte, und zum Schluss wurde gemeinsam gegessen. „Solche Nachmittage schaffen auch Gelegenheiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und Gemeinschaft zu erleben“, sagte Manar Sharaf, die Stadtteilmutter des AWO Familienzentrums Kapellenbrink. „Die Kinder erleben, dass sie etwas zum gemeinsamen Essen beitragen können. Und die Familien nehmen vielleicht die eine oder andere Idee mit, die sich zu Hause ganz einfach wieder aufgreifen lässt.“
Redaktion & Fotos: Christian Degener/AWO