Gemeinsam feierten sie 20 Jahre Elternbegleitung: Elternbegleitungen, Mitarbeitende und Gäste kamen beim Jubiläum von „Rucksack KiTa“ in St. Joseph in Hannover zum Gruppenfoto zusammen.

Wenn Eltern gemeinsam mit ihren Kindern wachsen

20 Jahre Elternbegleitung bei „Rucksack KiTa“: Jubiläumsfeier in Hannover zeigt, wie Sprachförderung Familien stärkt und neue Wege eröffnet

Region Hannover/ Hannover. Manchmal zeigt sich der Erfolg eines Programms bei einer zufälligen Begegnung auf der Straße. Eine ehemalige Teilnehmerin bedanke sich noch heute bei ihr, erzählte eine Elternbegleitung: Durch ihre Unterstützung habe sie Deutsch gelernt. Andere berichteten von Müttern, die sich anfangs kaum in eine Gruppe trauten und später selbst Verantwortung übernahmen. Bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen der Elternbegleitung im Programm „Rucksack KiTa“ in St. Joseph in der hannoverschen List standen jüngst solche persönlichen Erfahrungen im Mittelpunkt. Sie machten deutlich, wie aus gemeinsamen Treffen neue Freundschaften, mehr Selbstvertrauen und mitunter auch berufliche Perspektiven entstehen.

Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay würdigte das Engagement der Elternbegleitungen und überreichte ihnen Urkunden. Zu den Gästen gehörte auch Joana Kleindienst, Fachbereichsleiterin Kindertagesbetreuung der AWO Region Hannover. Die AWO ist seit 2007 Kooperationspartnerin des Programms. In elf Kitas und Familienzentren der AWO gibt es Rucksackgruppen; drei AWO-Koordinatorinnen begleiten das Programm auf insgesamt zwei Stellen. „Rucksack KiTa ist ein wichtiger Baustein für die Zusammenarbeit mit Familien und für die sprachliche Entwicklung der Kinder“, sagte Kleindienst. Für manche Mütter sei die Tätigkeit als Elternbegleitung zugleich ein Wendepunkt gewesen. „Die Elternbegleitung war für manche sogar ein Einstieg in ein ganz neues Leben.“

Wie viel Mut es zunächst kosten kann, diesen Weg einzuschlagen, wurde im Gespräch mit ehemaligen Elternbegleitungen deutlich. Eine von ihnen war zunächst selbst als Mutter in eine Gruppe gekommen. Später die Treffen eigenständig zu begleiten, habe sie vor eine neue Herausforderung gestellt: Nun ging es darum, Verantwortung zu übernehmen, Sicherheit zu vermitteln und auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Eltern einzugehen. Eine andere erinnerte sich an ihre Anfänge nach der Fortbildung: Mitunter habe sie mit nur einer Mutter in der Gruppe gesessen. Das auszuhalten, sei nicht leicht gewesen. Gespräche mit dem Kita-Team, der Leitung und der Koordination hätten ihr geholfen, weiterzumachen. Die Ermutigung, dass die geringe Beteiligung nicht an ihr liege, sei damals entscheidend gewesen.

Den schwierigen Anfängen standen viele Erfahrungen gegenüber, die die Frauen bis heute motivieren. Mütter kamen zunehmend gern zu den Treffen, beteiligten sich an Gesprächen und berichteten von Fortschritten ihrer Kinder. Aus den Gruppen entstanden Freundschaften und gegenseitige Unterstützung im Alltag. „Wir sind eine Familie. Einer für alle, alle für einen“, beschrieb eine Elternbegleitungen das Miteinander in ihrem Familienzentrum. Hinter diesen Begegnungen steht ein Konzept, das Eltern und pädagogische Fachkräfte eng miteinander verbindet. Qualifizierte Elternbegleitungen besprechen in den Rucksackgruppen Materialien mit den Eltern. Diese greifen die Themen zu Hause in ihren jeweiligen Familiensprachen mit den Kindern auf. Parallel arbeiten die pädagogischen Fachkräfte in der Kita dazu auf Deutsch. Das Material umfasst 13 Themenbereiche und steht in 23 Sprachen zur Verfügung.

So werden die Familiensprachen und die deutsche Sprache gleichermaßen gefördert. Zugleich erleben Eltern, wie sie mit ihrem Wissen und ihren Erfahrungen die Entwicklung ihrer Kinder unterstützen können. Eine der Frauen beschrieb es als besonders prägend, wenn Eltern merkten, dass ihre Sprache und ihre Ideen wertvoll seien. Diese Stärken sichtbar zu machen und Eltern in ihrer Rolle zu bestärken, sei ihr wichtig gewesen. In Hannover beteiligen sich inzwischen 54 Kindertageseinrichtungen an „Rucksack KiTa“. Insgesamt gibt es 63 Rucksackgruppen sowie elf Gruppen des ergänzenden Programms „Griffbereit“, bei dem Eltern und Kinder gemeinsam an mehrsprachigen Spiel- und Lernangeboten teilnehmen.

Oberbürgermeister Belit Onay verknüpfte seinen Dank mit Erinnerungen an die eigene Kindheit. Seine Eltern seien aus der Türkei eingewandert, zu Hause habe er Türkisch gelernt. Die Kita sei für ihn ein wichtiger Ort gewesen, um Deutsch zu lernen und mit anderen Kindern und Familien in Kontakt zu kommen. Entscheidend sei, mehrere Sprachen gemeinsam zu entwickeln: „Nicht das eine gegen das andere, sondern beide oder mehrere Sprachen gemeinsam zu entwickeln. Das ist der Reichtum, den viele Kinder in ihrem Zuhause von Natur aus schon haben.“ In einer vielfältigen Stadt wie Hannover müssten Kinder außerdem früh erfahren, dass sie selbstverständlich dazugehören. „Diese Stadt gehört ihnen, das ist ihre Stadt, ihr Zuhause, ihre Zukunft“, sagte Onay. Die Elternbegleitungen unterstützten mit ihrer Arbeit nicht nur die Kinder, sondern auch die Familien und den Austausch untereinander. Deshalb sei es ihm ein persönliches Anliegen gewesen, zur Feier zu kommen und Danke zu sagen.

Dass die Tätigkeit auch die Bildungs- und Berufswege der Elternbegleitungen verändern kann, gehört zu den Erfahrungen aus zwei Jahrzehnten Programmarbeit. Ehemalige Elternbegleitungen arbeiten heute selbst als pädagogische Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen oder haben andere Berufsfelder für sich erschlossen. „Mich berühren diese Geschichten und ihre Werdegänge“, sagte Kleindienst. „Auch deshalb sind wir stolz, ein Teil dieses Programms zu sein.“ Ihr Dank galt den Elternbegleitungen ebenso wie den Teams in den Einrichtungen und der Koordination. Die Jubiläumsfeier bot Raum, auf die gemeinsame Arbeit zurückzublicken – und zu erzählen, was daraus im Leben der Beteiligten geworden ist.

Redaktion & Fotos: Christian Degener/AWO 

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