Region Hannover/Hannover-Nordtadt. Eine Bibliothek, deren Zukunft auf der Kippe stand. Eine Begegnungsstätte, die ihre Räume aufgeben musste. Und die gemeinsame Idee, beides zusammenzubringen: Mit dem StadtGemeinschaftsHaus Nord am Engelbosteler Damm ist in Hannovers Nordstadt ein Ort entstanden, der Bücher, Beratung und Begegnung unter einem Dach vereint. Für die interkulturelle Seniorenarbeit der AWO Region Hannover eröffnet der neue Standort nach Jahren räumlicher Provisorien neue Möglichkeiten.
Zur Eröffnung hielten Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay, Bildungs- und Kulturdezernentin Eva Bender und Silvia Bruns, Dezernentin für Soziales und Integration, Grußworte. Künftig gestalten die Stadtbibliothek, der kommunale Seniorenservice, die AWO und die Bürger*inneninitiative „Bücher für alle!“ das Haus gemeinsam. Die Bibliothek bleibt damit als Anlaufstelle im Stadtteil erhalten und wird zugleich Teil eines umfassenderen Angebots für die Nachbarschaft.
„Die Nordstadtbibliothek war von der Schließung bedroht, und unsere interkulturelle Seniorenarbeit hatte kein dauerhaftes Zuhause mehr. Hier sind zwei schwierige Ausgangslagen zusammengekommen, aus denen etwas Neues und Positives entstehen konnte“, sagte Diana Jäger, Leiterin des Fachbereichs Jugend und Familie der AWO Region Hannover.
Wie dringend neue Räume gebraucht wurden, zeigt der Blick zurück: Anfang 2023 musste die AWO ihre bisherige Begegnungsstätte im Horst-Fitjer-Weg aus Sicherheitsgründen verlassen. Es folgte der Umzug in eine kleine Wohnung im vierten Stock der Kopernikusstraße 5. Die Gruppen hielten den Kontakt, die Mitarbeitenden organisierten weiter Beratung und Begegnung – allerdings unter deutlich beengten Bedingungen. Einzelne Angebote mussten andernorts stattfinden. Selbst für ein größeres Jubiläumsfest fehlte der Platz.
Dabei reicht die Geschichte der Arbeit weit zurück. Bereits 1994 begann die AWO in Hannover mit einem eigenen Projekt für ältere Menschen mit Einwanderungsgeschichte. Am 14. April 2000 eröffnete dann die interkulturelle Begegnungs- und Beratungsstätte in der Nordstadt. Aus den ersten Gruppen entwickelte sich über die Jahre ein vielfältiges Angebot, das von ehrenamtlichen Gruppenleitungen mitgetragen wird.
Dieses gewachsene Miteinander zieht nun mit ins StadtGemeinschaftsHaus Nord. Mehr als zehn Gruppen gehören inzwischen zum Angebot: Menschen mit türkischer, persischer oder arabischer Muttersprache treffen sich ebenso wie Senior*innen aus dem Balkan und internationale Gruppen. Im Erzählcafé kommen unterschiedliche Lebensgeschichten zusammen. In den Spielegruppen begegnen sich unter anderem deutsche, russische, türkische und persische Teilnehmende. Die Gruppe „Unterwegs“ wiederum entdeckt jede Woche andere Orte in Hannover und der Umgebung.
„Unsere Gruppen sind bereits im Haus angekommen. Wir bringen viele Menschen zusammen und damit auch viel Leben in die neuen Räume“, sagte Fatma Taspunar von der interkulturellen Seniorenarbeit der AWO. „An fast allen Wochentagen finden bei uns Angebote statt.“
Neben den Gruppentreffen bleibt die persönliche Unterstützung ein fester Bestandteil der Arbeit. Zweimal wöchentlich bietet die AWO Einzelberatung an. Ergänzend möchten die Mitarbeiterinnen ein Angebot zur Begleitung bei Behördengängen entwickeln. Auch weitere Gruppen sollen hinzukommen.
„Wir wollen unsere Arbeit hier weiterführen und ausbauen“, erklärte Taspunar. „Dazu gehören die Beratung und unsere bestehenden Gruppen, aber auch neue Angebote. Eine Begleitung zu Behörden ist beispielsweise eine Idee, die wir weiterverfolgen möchten.“
Das gemeinsame Haus bietet dafür neue Möglichkeiten. Wer wegen eines Buches kommt, kann auf ein Gruppenangebot aufmerksam werden; wer eine Beratung nutzt, lernt vielleicht andere Aktivitäten im Stadtteil kennen. Die beteiligten Einrichtungen können ihre Angebote aufeinander abstimmen und gemeinsame Veranstaltungen entwickeln. Jäger sieht zudem Chancen in einer stärkeren Nutzung der Räume am Abend.
„Wir möchten hier noch mehr Gruppen etablieren und gemeinsam einen lebendigen Treffpunkt für die Nordstadt gestalten“, sagte die Fachbereichsleiterin. „Dafür bringen wir ein Netzwerk von Menschen mit, die schon lange miteinander verbunden sind.“
Auch die Lage am Engelbosteler Damm macht für die AWO einen Unterschied. Der neue Treffpunkt liegt direkt an einer der wichtigsten Straßen des Stadtteils. Die interkulturelle Seniorenarbeit wird damit im Alltag der Nachbarschaft sichtbarer.
„Wir sind jetzt direkt an der Hauptstraße und gut zu sehen“, sagte Taspunar. Nach den Jahren in beengten Ausweichräumen ist das eine wichtige Veränderung: Die Gruppen haben wieder Platz – und Menschen, die das Angebot bislang nicht kennen, können es leichter entdecken.
Redaktion & Fotos: Christian Degener/AWO