Das AWO Angebot befindet sich auf dem Ahrberggelände in Hannover-Linden und wird koordiniert von AWO Mitarbeiterin Sandra Lazeta-Markanovic (3. von rechts).  Die Ehrenamtlichen Hans Steger (von links), Stefan Weinberger, Renate Hollberg, Klaus-Peter Rocholl und Dr. Sylvia Knapp helfen ehrenamtlich beim Ausfüllen von Formularen und bei Behördengängen.

Wenn ein Antrag zur Hürde wird

Die AWO hilft: Zehn Jahre „Behördenbegleitung und Formularausfüllhilfe“ / Ehrenamtliche waren 5800 Mal im Einsatz

 

Region Hannover/Hannover-Linden. Stattliche 16 Seiten ist er lang, der Antrag auf Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. „Das ist einer unserer Lieblingsanträge“, sagt Klaus-Peter Rocholl und lacht. Rocholl ist einer von acht Ehrenamtlichen des Projekts „Behördenbegleitung und Formularausfüllhilfe“, das die AWO Region Hannover mittlerweile seit zehn Jahren anbietet. Mit großer Resonanz: Mehr als 5800 Menschen haben sich seit dem Start im April 2012 Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder beim Gang zu einer Behörde gesucht.

Ob Anträge beim Jobcenter, auf Wohngeld, Kindergeld oder BAfÖG: Wer Leistungen in Anspruch nehmen möchte, muss sich häufig durch ein Dickicht von Formularen kämpfen. Und sie zu verstehen, ist oftmals nicht ganz einfach. „Immer wieder verzichten Bürger*nnen auf ihnen zustehende Leistungen, weil sie mit den Anträgen überfordert sind“, berichtet Sandra Lazeta-Markanovic, die das Projekt bei der AWO koordiniert. Das Angebot werde zum großen Teil von Menschen wahrgenommen, die auf Leistungen des Jobcenters angewiesen seien. In den meisten Fällen geht es um die Absicherung des Lebensunterhaltes von Alleinlebenden und Familien. Sie benötigten Unterstützung bei Anträgen für Wohngeld, Kindergeld und Elterngeld.

Einige hätten noch nicht ausreichende Deutschkenntnisse, um ihre Formulare allein auszufüllen, weil sie noch nicht lange in Deutschland leben. „Wir können zwar keine Dolmetscher-Kenntnisse anbieten, aber manches Mal funktioniert die Kommunikation auf Englisch. Oder sie bringen Angehörige oder Freunde zum Übersetzen mit“, so Lazeta-Markanovic. Manche der Hilfesuchenden seien auch einfach nur unsicher im Umgang mit den behördlichen Formularen. „Sie haben Angst, etwas falsch zu machen. Sie kommen dann häufig schon mit ausgefüllten Anträgen zu uns in die Sprechstunde und bitten um Überprüfung“, erklärt Lazeta-Markanovic. Die meisten der AWO Ehrenamtlichen befinden sich im Ruhestand. So auch Dr. Sylvia Knapp. „Ich habe nach meinem Ausscheiden aus dem Berufsleben eine sinnstiftende Aufgabe gesucht, bei der ich Menschen helfen kann“, berichtet Knapp, die vier bis 5 Stunden pro Monat im Einsatz ist. Dabei habe sie gezielt nach einer Aufgabe Ausschau gehalten, die zu ihr und ihren Fähigkeiten passt. „Ich bin Juristin und kann meine erworbenen Kenntnisse hier gut einbringen“, so Knapp. Anderen zu helfen, ist das treibende Motiv aller acht AWO Ehrenamtlichen. „Miteinander, füreinander“ sei das Motto. „Es soll nicht hochtrabend klingen, aber für mich ist diese Arbeit in die Tat umgesetzte Solidarität und Nächstenliebe“, sagt Knapp.

Auch wenn die AWO Ausfüllhelfer*innen umfassende Kenntnisse haben, gebe es immer wieder Herausforderungen. „Wir sind gespannt auf die Änderungen beim Bürgergeld“, sagt Knapp. Doch welches ist der derzeit komplizierteste Antrag? Elterngeld, so die einhellige Meinung der AWO Ehrenamtlichen. Auch weil es verschiedene gebe – gemäß den unterschiedlichen Voraussetzungen bei den Eltern. Doch die Frage, welcher der jeweils passende sei, dürften sie beispielsweise nicht beantworten. „Wir sind keine Beratungsstelle“, betont Lazeta-Markanovic. Je nach Bedarf können sich die AWO Freiwilligen auch durch Schulungen weiterbilden. „Wobei es ja eigentlich keine Schulungen geben dürfte, da die Anträge ja eigentlich für jede und jeden verständlich sein sollten.“

„Die Menschen dabei zu unterstützen, dass sie die ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch nehmen können, ist uns ein großes Anliegen“, sagt AWO Fachbereichsleiter Adalbert Mauerhof. Leider gebe es für diese wichtige Aufgabe zurzeit keine Unterstützung von den Kommunen. Gerade in diesen Zeiten, in denen hohe Energiekosten durch den Krieg gegen die Ukraine und hohe Inflation vor allem Menschen mit geringem oder keinem Einkommen zu schaffen machen, sei es wichtig, dass dieses Angebot für Hilfesuchende weiter zur Verfügung steht und wir dadurch ein Stück weit zur Vorbeugung von Armut beitragen können“, ergänzt Lazeta-Markanovic.

–> Die wöchentliche Sprechstunde findet nach vorheriger Terminvereinbarung unter der Telefonnummer 0511 21978-178 jeden Dienstag in der Zeit von 14 bis 17.30 Uhr in den Räumen der AWO auf dem Ahrberggelände, Deisterstraße 85 in 3044 Hannover-Linden statt.

Text, Foto & Clip: Christian Degener/AWO

Das AWO Angebot befindet sich auf dem Ahrberggelände in Hannover-Linden und wird koordiniert von AWO Mitarbeiterin Sandra Lazeta-Markanovic (3. von rechts).  Die Ehrenamtlichen Hans Steger (von links), Stefan Weinberger, Renate Hollberg, Klaus-Peter Rocholl und Dr. Sylvia Knapp helfen ehrenamtlich beim Ausfüllen von Formularen und bei Behördengängen.

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