AWO Region Hannover e.V.
Fachbereich Tageseinrichtungen für Kinder
Marienstraße 22
30171 Hannover

300 Teilnehmende bei Kita-Fachveranstaltung

Zweitägige Fachtagung der AWO im Freizeitheim Vahrenwald in Hannover stand unter dem Motto 100 Jahre AWO - Gesellschaft im Wandel - Kita im Wandel

Die Arbeiterwohlfahrt – kurz AWO – wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Die diesjährige Fachveranstaltung der AWO Region Hannover, Fachbereich Tageseinrichtungen für Kinder, am 24. und 25. Januar stand im Zeichen dieses Jubiläums: “Gesellschaft im Wandel – Kita im Wandel” und richtete sich mit Arbeitsforen und Impulsreferaten an pädagogische Fachkräfte, Leitungskräfte und Interessierte innerhalb und außerhalb der Arbeiterwohlfahrt.

  • Bericht über die zweitägige Fachveranstaltung

    Hannover/Vahrenwald. „Kinder haben einen Anspruch auf beste Bildung“, betonte Professor Wassilios Fthenakis auf der Veranstaltung „100 Jahre AWO: Gesellschaft im Wandel – Kita im Wandel“ im Freizeitheim Vahrenwald. Der Präsident des didacta Verbandes und Verantwortliche für die Bildungsmesse didacta hat mit seinem Impulsreferat die von der AWO Region Hannover organisierte zweitägige Fachveranstaltung eingeleitet. Rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Kindertagesstätten haben gestern und heute teilgenommen und sich mit den stetig wachsenden und wechselnden Erwartungen und Anforderungen an die Qualität der pädagogischen Arbeit in Vorträgen und Arbeitsforen informiert und ausgetauscht.Mit dabei waren auch Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski und Oberbürgermeister Stefan Schostok der Landeshauptstadt Hannover. „Es ist vorbildlich wie die AWO mit den aktuellen Herausforderungen umgeht“, betonte Schostok in seinen Grußworten. Der Verband bringe Gesellschaftspolitik und Fachlichkeit zusammen. Rzyski lobte die AWO als einen notwendigen und verlässlichen Partner.

    „Die Veränderungen in der Gesellschaft spiegeln sich im Alltag unserer Kindertageseinrichtungen“, sagte AWO Vorstandsmitglied Birgit Merkel auf der Veranstaltung. „Kindertagesstätten sind die Seismographen unserer Gesellschaft“, so Merkel. Die Kinder stammten aus unterschiedlichen Herkunftskulturen, Eltern entschieden sich später für Nachwuchs, unterschiedliche Familienformen seien entstanden, beide Eltern seien berufstätig und der Bedarf an Kinderbetreuung wachse stetig. „Armutsrisiken, Bildungsstatus und berufliche Chancen sind ungleich verteilt und beeinflussen den Alltag sowie die Zukunftschancen von Kindern“, ergänzte AWO Fachbereichsleiterin Ingrid Kröger. In den Kindertageseinrichtungen bündelten sich diese Faktoren.„Die Digitalisierung beschleunigt den Veränderungsprozess innerhalb der Gesellschaft massiv“, hob Fthenakis in seinem Impulsreferat hervor. Um Bildungssysteme in die Lage zu versetzen, dieser Herausforderung gerecht zu werden, werde eine tiefgreifende Reform benötigt, führte Fthenakis weiter aus. Damit eine höhere Bildungsqualität entstehe, müssten analoge mit digitalen Bildungsangeboten konstruktiv und kreativ miteinander verbunden werden. Die Stärkung digitaler Kompetenz sei zentraler Bestandteil einer solchen Neuorientierung, so Fthenakis. Diese habe spätestens nach dem zweiten Lebensjahr zu beginnen und gelte – neben Lesen, Schreiben und Rechnen – als die vierte Grundkompetenz. Das www sei heute genauso wichtig wie das ABC in früheren Zeiten.

    „Umsetzung von Inklusion, „Veränderte Ausbildung – Was bedeutet das für Kindertageseinrichtungen und Mentoring?“, „Eltern in ihrer Vielfalt verstehen/Eltern begleiten“, „Kinderstube der Demokratie“ und vieles mehr – den Teilnehmenden wurde an zwei Tagen ein umfangreiches Fachprogramm geboten. „Die vielfältigen Themen der Fachveranstaltung zeigen, dass die beruflichen Anforderungen an pädagogische Fachkräfte hoch und komplex sind“, sagte AWO Geschäftsführer Burkhard Teuber. Die Fachtage seien eine gute Chance, Impulse für Veränderungen zu bekommen.„Ich freue mich auf neue Anregungen“, so eine Erzieherin aus der AWO Kita Voltmerstraße. Die Kinder veränderten sich. Das sei im Kita-Alltag deutlich spürbar und erlebbar. Carsten Lücke, Leiter der AWO Kita Hiltrud-Grote-Weg, sieht die Veranstaltung für sein Team als gute Möglichkeit, sich fachlich und kollegial weiterzubilden.Zwischen den Fachveranstaltungen gab es ein buntes Rahmenprogramm. „Ich bin neugierig“, Was kommt auf mich zu?“, „Zu viel, zu schwer“, „Ich möchte etwas lernen“ – das Improvisations-Theater „Theater Erlebnis“ aus Hannover hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwei Tage lang begleitet, deren Gefühle, Stimmungen und Wünsche aufgenommen und in Szene gesetzt. Auf einem Markt der Möglichkeiten hat die Buchhandlung Sternschnuppe Kinderbücher ausgestellt und die AWO Kindertagesstätten haben ihre Arbeit präsentiert.

    „Was ist erforderlich, um weiterhin qualitativ gute Arbeit zu leisten?“ – die Teilnehmenden konnten ihre ganz persönlichen Wünsche an einen ‚Wunsch-Baum‘ hängen. „Kleinere Gruppen“, „Mehr Raum für die Kinder“ oder „Entlastung für die älteren Arbeitnehmer/innen“ sind nur einige der Wünsche der pädagogischen Fachkräfte in den Kindertagesstätten. Der ‚Wunsch-Baum‘ werde zu einem späteren Zeitpunkt der Politik übergeben, betonte Kröger.

    Bilder von der Veranstaltung gibt es hier: https://bit.ly/2Dxn9oH

     

  • Die Referate der Dozentinnen und Dozenten

    Impulsreferat Nr. 1:

    Prof. Dr. Wassilios Fthenakis zum Thema “Gesellschaft im Wandel – Kita im Wandel”

    Seit geraumer Zeit finden tiefgreifende Makro- wie mikrosoziale Veränderungen auf allen Ebenen der Gesellschaft statt. Dieser Veränderungsprozess wird durch die Digitalisierung massiv beschleunigt.

    Diese umfassen u. a. einen Wandel der Institutionen, darunter auch der Familie, eine zunehmende soziale und kulturelle Komplexität (jedes 3. Kind im Bildungssystem hat mindestens einen Elternteil, der nicht aus diesem Land kommt), Veränderungen in den subjektiven Konzepten von Elternschaft, vor aller der Vaterschaft, und eine Globalisierung der Kommunikation. Der beschleunigte Wandel lässt kaum sichere Prognosen über die weitere Entwicklung der Gesellschaft, aber auch betreffend individuelle Biographien, kaum zu. Bildungssysteme stehen vor der Herausforderung, Kinder auf eine offene, diskontinuierlich und im Höchstmaß diskursiv und kommunikativ organisierte Welt angemessen vorzubereiten. Dafür werden eine andere Bildungsqualität und ein reformiertes Bildungssystem benötigt.

    Um Bildungssysteme in die Lage zu versetzen, dieser Herausforderung gerecht zu werden, wird eine tiefgreifende Reform benötigt, die die theoretische Fundierung des Bildungssystems betrifft, wie auch eine Neudefinition von Bildungszielen: Nicht mehr die bloße Wissensvermittlung steht im Mittelpunkt, sondern die Stärkung kindlicher Entwicklung und kindlicher Kompetenzen, von Anfang an, d.h. und vor allem im vorschulischen Alter. Hinzu kommt eine Neu-Konzeptualisierung von kindlichem Lernen: Kindliches Lernen ist nicht mehr ein Individuum zentrierter Prozess: das Kind bildet sich selbst, sondern primär ein sozialer Prozess, der vom Kind selbst aktiv mitgeteilt werden, aber auch von anderen, Eltern, Fachkräfte, anderen Kindern etc. Für die Umsetzung dieses neuen Bildungsverständnisses wird auch ein anderer didaktisch-pädagogischer Ansatz Anwendung finden müssen. Die Ko-Konstruktion stellt einen solchen Ansatz dar, der auf kooperativem Lernen aufbaut und über Interaktion, Kommunikation und Diskurse Wissen generiert, vor allem aber der Sinn, die Bedeutung konstruiert werden.

    Zwei weitere Transformationen sind derzeit unverzichtbar: Die Raumtransformation legt nahe, neue Lernräume zu entwerfen, die Interaktionen und Diskurse unterstützen und die Implementation der Ko-Konstruktion unterstützen. Gegenwärtig kommt der Raumtransformation die gleiche Bedeutung zu wie der Digitalisierung. Letztere verändert nicht nur die gesamte Gesellschaft, sondern auch die Art und Weise, wie wir lernen und künftig Bildungsinstitutionen funktionieren werden. Es gilt, analoge mit

    digitalen Bildungsangeboten konstruktiv und kreativ miteinander zu verbinden, dass eine höhere Bildungsqualität entsteht. Die Stärkung digitaler Kompetenz ist zentraler Bestandteil einer solchen Neuorientierung in Bildungssystemen. Diese hat spätestens nach dem zweiten Lebensjahr zu beginnen, denn sie gilt – neben Lesen, Schreiben und Rechnen – als die vierte Grundkompetenz. Das www ist heute genauso wichtig wie das ABC in früheren Zeiten.

    Empirische Forschung bestätigt, dass bei Bereitstellung der geeigneten Rahmenbedingungen die Einbeziehung neuer Technologien in den Bildungsprozess mit messbaren Effekten beim kindlichen Lernen einhergehen können. Diese betreffen einen besseren Zugang zu Wissen, sie stärken individualisiertes und Kind zentriertes Lernen, aber auch in gleicher Weise auch kooperative Lernen. Unterstützen kreatives Lernen und kritisches Denken  und sie tragen signifikant zur Entwicklung kindlicher Autonomie, zur Stärkung kindlicher Kompetenzen und zur Sicherung einer höheren Bildungsqualität bei.

    Verglichen mit anderen Ländern haben wir in Deutschland relativ spät, zögerlich und ohne einen strategischen Plan auf die Herausforderung der Digitalisierung in der Bildung reagiert. Erst in den letzten beiden Jahren beginnen die Bundesländer, mit eigenen Plänen diese Entwicklung gestalten zu wollen. Dafür bedarf es der Schaffung folgender Voraussetzungen: Eine gut funktionierende und            gewartete Infrastruktur in der Bildungsinstitution; gut ausgebildete Pädagogen; ein elaboriertes pädagogisch-didaktisches Konzept und engagierte und gut informierte Eltern.

    Dabei sollten folgende Grundsätze beachtet werden:

    1. Der Vorrang der Pädagogik gegenüber der   Technologie
    2. Die bislang weitgehend fehlende Berücksichtigung der kindlichen Perspektive
    3. Früh beginnen
    4. Die Qualifizierung der Fachkräfte kann nicht länger auf sich warten lassen
    5. Die  Ratlosigkeit der Eltern im Hinblick auf den Einsatz digitaler Medien im Bildungsbereich
    6. Das Bedürfnis nach Standards zur Orientierung

    Das größte Hindernis ist gegenwärtig der analoge Denkansatz von Erwachsenen, auch von Fachkräften, der sog.“Digital Immigrants“.

    Wenn wir etwas verändern möchten, sind wir gut beraten, auf die Stärken des Systems zu setzen. In diesem Fall auf die Kinder und Jugendlichen, auf jene „Digital Natives“, die mit Technologien aufwachsen und keine mentalen Beschränkungen im Umgang mit diesen aufweisen.

    Ob wir die Ziele

    –       Individualisierung,

    –       Bildungsgerechtigkeit

    –       Zugang für alle,

    –       faire Chancen für jedes Kind und

    –       eine höhere Effizienz des Bildungssystems

    erreichen werden, hängt in hohem Maß mit unserer Bereitschaft zusammen, das Bildungssystem tiefgreifend zu reformieren und dabei die Chancen der neuen Technologien produktiv und kreativ zu nutzen. Dafür gibt es gegenwärtig weltweit keine Alternative!

    Impulsreferat Nr. 2:

    Sabine Redecker, Dozentin an der Fachhochschule Kiel, zum Thema “Kita – die Kinderstube der Demokratie”

    Kinder bestimmen und entscheiden mit? Partizipation in den Kitas – Chancen und Grenzen

    In den Kindertageseinrichtungen wird die Beteiligung der Kinder erwartet und gesetzlich vorgeschrieben. Bereits seit 2012 ist Partizipation und die Möglichkeit, sich in persönlichen Angelegenheiten zu beschweren, Voraussetzung für die Erteilung einer Betriebserlaubnis für Kindertageseinrichtungen (§ 45 SGB VIII).

    Im Rahmen der Debatte um frühkindliche Bildung wurde Partizipation zunehmend zu einem Qualitätskriterium pädagogischer Arbeit. Demokratie soll ein Leitprinzip der pädagogischen Arbeit sein, wird in den Querschnittsdimensionen als demokratisches Prinzip beschrieben, in den Bildungsbereichen als Bildungsthema dargestellt, das Kindern schon früh begegnet, und soll das gesamte didaktisch-methodische Arbeiten in der Kita durchziehen.

    Demokratiebildung beginnt schon früh. Spätestens wenn Kinder das erste Mal einen längeren Zeitraum außerhalb ihrer Familie verbringen und erleben, wie eine Gemeinschaft organisiert ist, also in der Kindertageseinrichtung. Hier erfahren sie, wie Machtverhältnisse gestaltet werden, und ob ihre Ideen und Interessen wichtig sind und Berücksichtigung finden.

    Mit dem Konzept „Die Kinderstube der Demokratie“, (Hansen, Knauer, Friedrich, 2002) wurde ein Praxiskonzept für die Umsetzung von demokratischer Partizipation von Kindern in Kindertageseinrichtungen entwickelt und bis heute in vielen Kitas erfolgreich umgesetzt.

    Der Vortrag widmete sich dem Thema demokratisch Partizipation und zeigte anschaulich, wie bereits in der Kita Beteiligung und Demokratiebildung gelingen kann. Hierzu wählte die Referentin Sabine Redecker anschauliche Praxisbeispiele und machte Mut sich diesem wichtigen Thema in der Praxis der Kindertagesbetreuung zu stellen.

    Raus aus der Elternecke… 

    Eltern in Ihrer Vielfalt verstehen – Eltern beteiligen

    Unsere Gesellschaft unterliegt einem stetigen Wandel. Diese Auswirkungen nehmen wir tagtäglich wahr. Wir alle passen uns in unterschiedlicher Art und Weise diesen Veränderungen an. Kindertageseinrichtungen sind ein Ort, in dem erlebt wird, wie sich diese Veränderungen auch auf Familienbilder auswirken. Kinder wachsen heute in den unterschiedlichsten Familienformen auf, und Elternschaft ist gegenwärtig nicht mehr einem klassischen Modell zuzuordnen. In der Folge hat sich die Bedeutung der Kindertageseinrichtung in den vergangenen Jahren stark verändert.

    Strukturelle Veränderungen beziehen sich unter anderem auf die Erweiterung der zu betreuenden Altersgruppen oder der verlängerten Öffnungszeiten, denn damit sind auch andere fachliche Qualifikationen verbunden. Pädagogische Fachkräfte benötigen Wissen über die Entwicklung der Kinder von null bis drei Jahren und müssen danach ihre pädagogischen Konzeptionen anpassen.

    Mit den erweiterten Anforderungen, die an Kindertagesbetreuung heute gestellt werden, wächst auch die Erwartung an die Leistung der pädagogischen Fachkräfte in der Zusammenarbeit mit Müttern und Vätern.  Diese Entwicklungen führen zu Veränderungen. „Elternarbeit“, wie sie noch vor einigen Jahren genannt wurde, muss neu überdacht und konzipiert werden. Heute spricht man in der Regel von Erziehungs- und Bildungspartnerschaften zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern.

    Sabine Redecker führte in ihrem Vortrag aus, wie sich dieser Wandel von der Elternarbeit zur Kooperation mit Müttern und Vätern darstellt. Ihr besonderer Fokus lag dabei auf den vielfältigen Begegnungen mit Müttern und Vätern, dem Blick auf ihre individuellen Lebenslagen, der Bedeutung des Sozialraums und dem Rollenverständnis der pädagogischen Fachkräfte.

    Damit Bildung, Erziehung und Betreuung der Kinder in Kindertageseinrichtungen gelingen kann, bedarf es als Voraussetzung gegenseitige Wertschätzung und gegenseitiges Vertrauen der handelnden Akteure. Gelingende Elternkooperation verlangt deshalb nach unterschiedlichen Formen der Gestaltung.

    Die Beteiligung der Eltern unterstützt eine gute Zusammenarbeit. Der Vortrag stellte Möglichkeiten, Grenzen und Formen der Elternbeteiligung vor.

    Impulsreferat Nr. 3:

    Prof. Ludger Pesch, Professor für Elementarpädagogik/ Erziehungswissenschaft aus Berlin, zum Thema “Der Situationsansatz als Bildungsansatz in der Kita”

  • Zusammenfassungen und Ergebnisse der Arbeitsforen

    Arbeitsforum:

    Die pädagogischen Strategien des Early Excellence Ansatz als Handwerkzeug für die pädagogischen Fachkräfte

    Zusammenfassung von Meike Schmitz:

    Die acht pädagogischen Strategien sind ein Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit im Early Excellence Ansatz und worden von Margy Whalley und Cath Arnold erarbeitet.

    Ihren Ursprung haben sie in verschiedenen pädagogischen Theorien des Erwachsenverhaltens Kindern gegenüber und wurden über die Jahre im Pen Green Center weiter entwickelt.

    Die pädagogischen Strategien zeigen die Vielschichtigkeit der Erwachsenenintervention, die dazu beitragen, dass ein Kind sich in der Institution wohlfühlt, sich entwickelt und lernt, ein Gefühl der Zugehörigkeit zu entwickeln.

    Die Auseinandersetzung mit den pädagogischen Strategien fördert das Bewusstsein für das eigene Verhalten dem Kind gegenüber und dient somit als Instrument der Reflektion unserer pädagogischen Arbeit.

    Sie sind wirksame Verhaltensweisen, die den Erwachsenen helfen, Kinder in ihren Lernprozessen angemessen zu begleiten und zu unterstützen.

    Sie fördern einen achtsamen Umgang miteinander.

    In dem Arbeitsform haben die Teilnehmenden eine Idee davon bekommen, mit den Strategien zu arbeiten und sie zur eigenen Reflektion, aber auch zur Teamreflektion zu nutzen.

     

    Arbeitsforum:

    In aller Munde – „Sprachbildung?

    Ein Überblick über die Sprachentwicklung

    Zusammenfassung von Elke Reinbold, Petra Wenger und Heide Bistolopoulos

    Die Sprachentwicklung ist ein individueller Prozess und daher von Kind zu Kind verschieden. Es ist daher unerlässlich, folgende Angaben lediglich als Richtmaße zu betrachten, die der groben Orientierung dienen. Es handelt sich um Zeiträume und nicht um genaue Zeitpunkte. Jedes Kind durchläuft seine eigene Entwicklung und hat sein eigenes Tempo. So verläuft zum Beispiel manche Phase schneller als andere, andere Phasen werden übersprungen oder die Entwicklung dauert länger. Kein Kind sollte streng nach Tabellen mit anderen Kindern verglichen werden. Druck hat zur Folge, dass sich ein Kind im schlimmsten Fall verschließt und die Entwicklung stagniert.

    Unsere Aufgabe ist es, uns mit der Sprachentwicklung vertraut zu machen, um eventuelle Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und entwicklungsfördernde Impulse und Anregungen zu geben.

    Überblick über die Sprachentwicklung (diese Auflistung ist ein punktueller Einblick in die Sprachentwicklung, also nicht als vollständig zu betrachten).

    0 bis 1 Lebensjahr

    • Der Säugling beginnt mit der Stimme zu experimentieren – Quietschen, Brummen, Gurrlaute
    • Produziert Silbenkombinationen – mama, dada, weiter Gurrlaute brrrrr……..
    • Der Säugling sucht mit den Augen aktiv nach der Schallquelle
    • Drückt mit der Stimme unterschiedliche Stimmungen aus
    • Verwendet Zeigegeste, z.B. zeigt mit ausgestrecktem Arm auf Objekte oder Personen
    • Nutzt Gesten zur Kommunikation, z.B. streckt es die Arme auf, um auszurücken, dass es hochgehoben werden will

    Förderung:

    Bei jeder Gelegenheit mit dem Kind sprechen, Fingerspiele, Kinderlieder, Bewegungsspiele: „Hoppe, hoppe Reiter“. Laute des Kindes wiederholen.

    • Wenn das Lallen wieder aufhört, Arztbesuch, Verdacht auf Hörprobleme

    1 bis 1,5 Lebensjahre

    • Hat einen aktiven Wortschatz von ca.10 -20 Worten
    • Reagiert auf Fragen durch hinschauen
    • Stellt erste Fragen durch Verwendung der Frageintonation – Mama? Auto?
    • Beteiligt sich aktiv an Bilderbuchbetrachtungen

    Förderung:

    Kurze Fragen, auf die das Kind reagieren muss: „Wo ist der Hund?“ Bilderbücher anschauen und erzählen, Handlungen des Kindes kommentieren

    1,5 bis 2 Lebensjahre

    • Magische Grenze: 50-Wort-Marke
    • Fragt: „Was ist das?“
    • Beantwortet einfache Fragen
    • Kann Tierlaute nachahmen
    • Verbindet Worte zu Zweiwortsätzen „Papa Auto?“, „Laura Tasse?“
    • Erweitert seinen aktiven Wortschatz rapide ca. 50 – 200 Worte

    Förderung:

    Viel mit dem Kind sprechen, Bilderbücher gemeinsam betrachten, sich vom Kind bestimmte Dinge zeigen lassen, spricht das Kind falsch aus, nicht korrigieren, im nächsten Satz richtig aussprechen

    • Mindestens 10 Worte, sonst Arztbesuch, Verdacht auf Sprachverzögerung

    2 bis 3 Lebensjahre

    • Wortschatz ca.200 -500 Worte
    • Spricht in Drei- und Vierwortäußerungen „Puppe ist jetzt müde“
    • Kann über sich reden (ich oder eigener Vorname)
    • Benutzt Sprache nun auch zum Kommunizieren mit anderen Kindern
    • Kann erkennen, was im Bilderbuch geschieht und dieses auch benennen
    • Erste Frageworte: wo, wann, was, wer
    • Versteht und verwendet Präpositionen „in, auf, unter, nach, vor…“

    Förderung:

    Über Vergangenes reden, dabei an das Kind Fragen stellen, Geschichten erzählen und/oder vorlesen

    3 bis 4 Lebensjahre

    • Wortschatz ca. 800 – 1000 Worte
    • Verwendet die meisten Laute fehlerfrei
    • Nimmt Bezug auf vergangene Ereignisse: „Das hat mir Oma geschenkt!“
    • Benennt Farben
    • Verwendet Steigerungsformen bei Adjektiven
    • Verbindet ganze Sätze (Haupt- und Nebensätze)
    • Benutzt korrekte Verbzweitstellung: „Lisa trinkt Wasser!“
    • Verwendet Worte, die mentale Zustände beschreiben (denken, wissen, meinen)
    • Hört konzentriert zu
    • Langweilt sich nicht, wenn eine Geschichte öfter als einmal gelesen wird
    • Stellt Fragen, um mehr Informationen oder Details zu erfahren: „Wohin gehen wir heute?“

    Förderung:

    Das Kind Erlebnisse erzählen lassen, Sprachspiele: „Ich sehe was, was du nicht siehst!“, mit dem Kind in einen Dialog gehen, so oft es nur möglich ist.

    4 bis 6 Jahre

    • Wortschatz ca.1500 – 5000 Worte
    • Führt zweiteilige Anweisungen aus, die z.B. „bevor“ oder „nachdem“ enthalten
    • Fragt nach der Bedeutung unbekannter Worte
    • Beschäftigt sich mit der Lautstruktur von Worten (z.B. Reime: Renate – Tomate)
    • Nutzt Sprache argumentativ, um seine Interessen und Standpunkte zu begründen
    • Verwendet Präpositionen (oben, vor, neben, zwischen)
    • Kann die Mehrzahl weitestgehend richtig bilden
    • Grammatik entspricht weitgehend der Sprache der Erwachsenen
    • Ahmt Schriftzüge nach (Einkaufszettel)
    • Beginnt Aufzählungen zu verwenden, z.B. wenn es Handlungsschritte beschreibt
    • Verfügt über spezifischen Wortschatz für bestimmte Bereiche (Bahnhof, Gleis, ICE)
    • Artikuliert deutlich und korrekt nur Unsicherheit bei „s“ oder Zischlauten

    Förderung:

    Rollenspiels, verschiedene Aktionsinseln (Schule, Krankenhaus, Post), Projekte planen, z.B. Zirkus, Bilderbücher selbst gestalten, Bewegungsspiele

    Quellen: Ute Hellrung: Sprachentwicklung und Sprachförderung – Beobachten, verstehen, handeln

    Simone Beller: Entwicklungstabelle 0-9

    Dialogische/sprachentwicklungsfreundliche Grundhaltung

    • Ich nehme Perspektiven der Kinder ein, um sie in ihrem Handeln besser verstehen und begleiten zu können.
    • Ich vertraue in die Kräfte und das Können der Kinder, begegnen ihnen mit einer fehlerfreundlichen Grundhaltung und ermutigen sie zu eigenen Experimenten.
    • Ich beteilige Kinder, ihrem Alter entsprechend, an allen, sie betreffenden, wichtigen Entscheidungen im Alltag.
    • Ich halte mich zurück und gebe Kindern damit die Möglichkeit, ihre eigene Welt erforschen zu können. Ich schaue ihnen dabei sehr aufmerksam zu, nehmen ihre Signale wahr und biete ihnen dort Hilfe an, wo sie gebraucht wird.
    • Ich lasse Kindern die Zeit, die sie brauchen, um sich in ihrem eigenen Tempo entwickeln zu können.
    • Ich begegne Kindern mit der dialogischen Haltung eines Lernenden und mit der Offenheit, für immer neue Ideen und Prozesse.
    • Ich trete mit Kindern in den Dialog.
    • Jede und Jeder genießt den gleichen Respekt.
    • Ich mache mir bewusst, dass meine “Wirklichkeit” nur ein Teil des Ganzen ist.
    • Ich genieße das Zuhören.
    • Ich brauche niemanden von meiner Sichtweise zu überzeugen.
    • Ich verzichte darauf, meine Lösung über den Lösungsweg meines Gegenübers zu stellen.
    • Wenn ich von mir rede benutze ich das Wort “Ich” und spreche nicht von man.
    • Ich spreche von Herzen und fasse mich kurz.
    • Ich höre mir neue Sichtweisen offen an.
    • Ich nehme Unterschiedlichkeit als Reichtum wahr.
    • Bevor ich rede nehme ich einen Atemzug Pause.
    • Ich bin überzeugt, dass jedes Kind etwas zu sagen hat.
    • Ich begegne ihnen fragend, nicht wissend.
    • Ich bin interessiert an und neugierig auf die Beiträge der Kinder.
    • Ich nehme alle Beiträge der Kinder ernst.

    Sprachförderfallen vermeiden:

    • Fokus nicht darauf legen, dass ein Kind verbalisiert.
    • Keine Abfragesituation herstellen, sondern authentische Gespräche führen.
    • Auf An/Aufforderung zu sprechen, ist keine Kommunikation.
    • Es geht nicht um Belehrung, sondern darum, sich auf die subjektive Wirklichkeit des Kindes einzulassen.

    Angelehnt an „spielrauminfo“

    Gruppenarbeit

    Wir kommen ins Gespräch

    Wie hängen die pädagogische Grundhaltung der Erzieher/in und die alltagsintegrierte Sprachbildung überhaupt zusammen?

    • Hier ist neben der pädagogischen Grundhaltung insbesondere auch noch der Blick auf die

    dialogische/sprachentwicklungsfreundliche Grundhaltung wichtig.

    • alltagsintegrierte Sprachbildung ist ein Bereich, den man von mehreren Seiten betrachten kann. Wir schauen uns heute den Bereich der Erzieher/in an (Sonne=pädagogische Grundhaltung und Gießkanne = Methoden, z.B. Sprachvorbild beim Sprachbaum)
    • Wie würde ich meine pädagogische Grundhaltung beschreiben?
    • Was habe ich für Stärken/Schwächen?
    • Was sende ich möglichst für „Signale“ aus/ wie gehe ich auf die Kinder zu, damit sprachförderliche Dialoge entstehen?
    • Was ist besonders wichtig, damit alltagsintegrierte Sprachbildung gelingen kann?

    Was ist pädagogische Grundhaltung? 

    Die pädagogische Grundhaltung setzt sich aus drei Säulen zusammen:

    Kongruenz (Echtheit, Unverfälschtheit, Transparenz)

    Das Wahrnehmen von Kongruenz im Alltag erfolgt intuitiv und ist für uns allgegenwärtig. Der Mensch (besonders die von uns zu betreuenden Kinder) spüren meist sehr genau, ob eine Person das, was sie sagt auch wirklich meint oder ob sie etwas vortäuscht.  Aus diesem Grunde ist es essentiell für unsere Arbeit, stets die eigene Befindlichkeit innerhalb der Kommunikation wahrzunehmen und zu spiegeln, um damit kongruent aufzutreten.

    Akzeptanz

    Auch die Akzeptanz stellt bei unserer Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und ihren Familien eine ebenso bedeutende Grundhaltung dar. Akzeptanz versteht sich hier als die bedingungslose, positive Zuwendung zu einem Menschen. Der Mensch erfährt eine warme Anteilnahme, die nicht besitzergreifend ist.

    Empathie

    Auch der Empathie kommt eine unverzichtbar zentrale Rolle im Sinne der pädagogischen Grundhaltung zu. Empathisch sein bedeutet, sich in sein Gegenüber einfühlen zu können.

    Bei diesem Thema stellen sich gleich mehrere Fragen

    • Wie ist meine pädagogische Grundhaltung?
    • Was ist mir besonders wichtig?
    • Welchen Einfluss hat das auf mein pädagogisches Handeln (hier mit dem Schwerpunkt auf alltagsintegrierte Sprachbildung)
    • Was läuft gut?
    • Was kann schieflaufen?
      • Wie gehe ich damit um?

    Fazit: Verhaltensweisen sollten bewusst erlebt und reflektiert werden, damit im Alltag eine Sensibilität entstehen kann.

    Alltagssituationen sprachbildend nutzen

    Ich erkenne eine Situation als geeignet zur Sprachbildung/Sprachförderung

    • Ich habe Zeit für das Kind
    • Ich höre zu
    • Ich bin dabei – geteilte Aufmerksamkeit
    • Mir fällt etwas auf, dass ich fördern/ erweitern… kann
    • Ich möchte das Kind in seiner Entwicklung weiterbringen

    Ich analysiere das Thema der Situation

    inhaltlich:

    • Worum geht es?
    • Gibt es einen Auslöser?
    • Ist noch jemand involviert?

    sprachlich:

    • Satzaufbau
    • Wortschatz
    • Mimik/Gestik
    • Was ist korrekt/Was stimmt noch nicht?
    • Mit welchem sprachlichen Entwicklungsschritt ist das Kind gerade beschäftigt?

    Ich fördere die Sprache des Kindes mit geeigneten Methoden

    • Wiederholung – häufig das fehlerhafte Wort verwenden, später am Tag/ in der Woche nochmals aufgreifen
    • Einen erkennbaren Kontrast schaffen – zum Beispiel durch korrektives Feedback, Wort wird von Erzieher/in richtig verwendet, dadurch erkennt das Kind den Unterschied
    • Erweiterung des Verständnisses des Wortes (ah, der Ball, der Ball ist rund, da haben wir aber viele Bälle, Spiel mit einem echten Ball anbieten –nicht bei allen Worten möglich)

    Ich greife das Thema des Kindes auf

    inhaltlich

    • Ich beziehe mich auf das Gesagte
    • Ich führe das Thema des Kindes fort
    • Ich beziehe mehrere Kinder in das Gespräch mit ein
    • Ich stelle offene weiterführende Fragen
    • Wir kommen in einen Dialog

    oder sprachlich

    • Ich benutze die Worte des Kindes richtig
    • Ich spreche den Satz in der richtigen Reihenfolge
    • Ich entscheide mich für einen Schwerpunkt, den ich fördern möchte (die anderen „Fehler“ außen vorlassen)
    • Ich biete evtl. neue Worte an, die die gleiche Bedeutung haben
    • Ich nutze das korrektive Feedback
    • Ich nutze die Wiederholung

    Ich reflektiere den Erfolg der angewandten Sprachlernstrategie

    • War mein Sprachvorbild dem Entwicklungsstand des Kindes angemessen? (Sprachvorbild des Erziehers)
    • War mein Sprachvorbild der Situation angemessen?
    • Passte meine Mimik/Gestik zu dem, was ich gesagt habe (war es kongruent)?
    • Hat das Kind mir und meiner Sprache Aufmerksamkeit geschenkt? (Geteilte Aufmerksamkeit)
    • Ist ein Dialog entstanden? (Grundlagen eines Dialogs)
    • Kann ich beim nächsten Mal etwas anders/besser/gelingender gestalten?
    • Sehe ich (auf längere Sicht) eine Entwicklung beim Kind?

    Arbeitsforum:

    „ Die pädagogischen Strategien des Early Excellence Ansatz „ als Handwerkzeug für die pädagogischen Fachkräfte

    Zusammenfassung von Meike Schmitz:

    „Ganzheitliche Entspannungsangebote für Kinder“

    In dem Arbeitsforum Ganzheitliche Entspannungsangebote für Kinder unter Leitung der Yogalehrerin Kerstin Henne, wurden kindgemäße Entspannungsmethoden vorgestellt und praktisch durchgeführt.

    Visuell dargestellt durch die Entspannungspyramide, wurde veranschaulicht, welche Art der Entspannung für welche Altersgruppe in Frage kommen kann:

    Um die Kinder „abzuholen“ werden Entspannungsangebote in Form von phantasievollen Geschichten, Traumreisen und spielerischen Massagen angeboten. Die Kinder werden auf eine Reise mitgenommen, deren Grundlage die Erlebniswelt der Kinder ist.

    In den Entspannungsstunden liegt der Focus sowohl auf dem einzelnen Kind als auch auf gruppendynamischen Prozessen. Ganz nebenbei wird die Eigen- aber auch die Fremdwahrnehmung gefördert. Als Folge davon können sich eine bessere Körperwahrnehmung, ein größeres Selbstbewusstsein sowie mehr Empathie für andere einstellen.

    Zitat zum Arbeitsforum: Ganzheitliche Entspannungsangebote für Kinder wirken sich positiv auf das Sozialverhalten aus und leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung.

    Arbeitsforum/ Vortrag:

    Von der Kindertagesstätte zum Familienzentrum” – Trägerübergreifendes Rahmen-konzept der Stadt Hannover

    Zusammenfassung des Vortrags von Andreas Schenk vom Fachbereich Jugend und Familie der Landeshauptstadt Hannover

    Seit dem Jahr 2006 werden in Hannover Kitas zu Familienzentren (FZ) weiterentwickelt. In der Stadtstrategie „Hannover plus Zehn“ ist das Thema „Familienzentren“ als wichtiges Handlungsfeld verankert und wird durch die Stadt finanziell gefördert. Mittlerweile sind in mehreren Stufen 44 FZ in das trägerübergreifende Programm aufgenommen worden. Alle Einrichtungen liegen in Stadtgebieten mit besonderem Handlungsbedarf und werden mit mindestens 40.000 € bis maximal 55.000 € jährlich an zusätzlichen Personal- und Sachmit-teln von der Stadt Hannover gefördert. Ein weiterer Ausbau ist beabsichtigt.

    Ziel ist es, in Familienzentren durch ein vielfältiges bedarfsgerechtes Angebot Familien zu erreichen, sie zu unterstützen und frühzeitig in die Entwicklungsprozesse ihrer Kinder einzu-binden. Gesellschaftliche Teilhabe und familienfreundliche Strukturen sollen gefördert und entwickelt werden. Grundlage hierfür bildet der Early Excellence Ansatz (EEC), der in Eng-land seit vielen Jahren in „Integreated Centres“ umgesetzt wird.

    Das Rahmenprogramm FZ formuliert folgende Ziele:

    • Bildungspolitische Aspekte: Frühkindliche Entwicklung fördern, Bildung & Erziehung von Anfang an, Elternbeteiligung und –bildung integrieren
    • Familienpolitische Aspekte: Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Erwerbstätigkeit för-dern, bewusste Familienplanung anregen
    • Gesundheitspolitische Aspekte: Prävention durch Erkennen von gesundheitsschädlichen Faktoren, Einüben gesundheitsförderlichen Verhaltens, Eigenverantwortlichkeit erfahren
    • Netzwerk Aspekte: Verbesserung struktureller und sozialräumlicher Zusammenarbeit,

    Optimierung der Nutzung bestehender Ressourcen, Anlegen von Interdisziplinarität

    Frühe Grundlagen für die Entwicklung von Kitas zu Familienzentren in Hannover wurden in der städtischen Kita Gronostrasse gelegt. Mit der Lage im damaligen größten Notunter-kunftsgebiet der Stadt Hannover betreute die Kita in 8 Gruppen ausschließlich Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien. Es gelang kaum einen nachhaltigen Einfluss auf die Bildungs- und Zukunftschancen der zu betreuenden Kinder zu haben.

    Im Rahmen der Kooperation mit der AWO Familienbildung und dem Netzwerk FLUXUS – lernende Region – wurde ab 2001 mit pädagogischen Fachkräften aus der Kita und unter Beteiligung von Eltern das Konzept „Von der Kita zum Familienzentrum“ entwickelt. 2004 wurde das Konzept im Fachbereich Jugend und Familie vorgestellt und ein auf 3 Jahre be-fristeter Projektantrag zur Entwicklung eines Familienzentrums mit ganzheitlichem Bildungs-ansatz in der Kita Gronostrasse gestellt. Gleichzeitig wurde das trägerübergreifende Pro-gramm FZ und eine verlässliche Förderung politisch beschlossen. Die Modellphase wurde ab 2005 wissenschaftlich durch die Fachhochschule Hannover begleitet und die Kita mit zu-sätzlichen Sach- und Personalkosten ausgestattet.

    Zur Aufnahme von Kitas in das Programm Familienzentren sind Vergabekriterien entwickelt worden, die im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens bei der Auswahl neuer Einrichtungen angelegt werden:

    • Standort: Kita in einem schwierigen Wohn- und Lebensumfeld,
    • die Bereitschaft des gesamten Teams, dass die Kita sich zu einem FZ entwickelt,
    • die Einführung des „Early Excellence Ansatzes“ in die pädagogische Arbeit im FZ,
    • Zusicherung des Trägers, die Weiterentwicklung aktiv zu unterstützen und begleiten,
    • Öffnung der Einrichtung nach innen und nach außen,
    • trägerübergreifende Zusammenarbeit, u. a. im Forum Familienzentrum,
    • Weiterbildung einer Fachberatung des Trägers zur Early Excellence Multiplikator*in,
    • verbindliche Teilnahme an den Fortbildungen für die Familienzentren.
    • Für die Weiterqualifizierung und Unterstützung der Fachkräfte in FZ ist ein Fortbildungs-programm gemeinsam mit den Fachberatungen der beteiligten Träger entwickelt worden:

    • Einführung in die pädagogischen Strategien

    • Veränderungen gestalten – Organisationsentwicklung in Familienzentren für die Lei-tungen und Koordinator*in

    • Einheitliches, ressourcenorientiertes Beobachtungs- und Dokumentationssystem

    • Ressourcenorientierte Zusammenarbeit mit Eltern in Familienzentren

    • Einführung in den Umgang mit Medien I und II (digitale Fotogra-fie/Videografie/Schnitttechnik)

    • Führen und Leiten im Familienzentrum (Coaching)

    • Supervision/Prozessbegleitung in den Teams (nach Absprache)

    • Entwicklungspsychologische Grundlagen

    • Elterngespräche im Early Excellence Ansatz führen

    FZ sind dazu verpflichtet jedes Jahr der Stadt Hannover einen Sachbericht über den Ent-wicklungsstand zu geben. Hierfür gibt es ein standardisiertes Formular das u.a. Rahmenda-ten, Maßnahmen und Angebote zur Zielerreichung und familienunterstützende Angebote abfragt. Die Sachberichte werden zusammengefasst, dienen zur Prozesssteuerung und sind Grundlage zur Erstellung von Sachberichten für Politik und Verwaltung.

    Um den individuellen Entwicklungsstand der FZ abzubilden, sowie die Prozessbegleitung der Einrichtungen bedarfsgerechter zu gestalten sind Entwicklungsgespräche in FZ im Rah-men von Dienstbesprechungen eingeführt. Dazu wurde ein Gesprächsleitfaden entwickelt der sich an den Schlüsselkonzepten des EEC Ansatzes orientiert.

    Ergebnisse: 

    • Familien nehmen zunehmend Erziehungsberatung in Anspruch

    • Eltern sind aktiviert, beteiligen sich, führen Angebote durch

    • Bildungschancen von Kindern verbessern sich

    • Wirksamkeitsforschung des Programms durch die FH Hannover

    • Programme wie z.B. FuN, FamilienErgo, werden gut angenommen

    • Sprachförderung ist ein wesentlicher Baustein

    • Rückgang von Krisenintervention – HZE Maßnahmen

    • Bundesweiter Fachtag Familienzentren in Hannover

    • Familienzentren sind wichtige Netzwerkpartner im Sozialraum, Kooperationen haben zugenommen / sind intensiviert worden

    • Integration der Programme „Stadtteilmütter/-väter“ und “GemeinsamWachsen“ nach dem Modell der Growing Together Groups in Pen Green“

    Die zurzeit ca. 600 verschiedenen Angebote für Familien in FZ sind partizipatorisch mit allen Beteiligten auf die Bedarfe der Elternschaft im jeweiligen FZ abgestimmt, werden ausgewer-tet und angepasst. Damit kann insgesamt ein sehr einfacher und früher Zugang, auch für Familien, deren Kinder (noch) keine Kita besuchen, geschaffen werden.

    Arbeitsforum:

    Umsetzung Inklusion / Vision und Herausforderung

    Zusammenfassung von Klaus Kokemoor:

     Die Umsetzung von Inklusion ist die große Herausforderung für die pädagogischen Fachkräfte in Kindertagesstätten. Fachkräfte werden nun häufig mit Kindern konfrontiert, die neue Anforderungen stellen und viele an Ihre Grenzen bringen. Wir benötigen innovative pädagogische Konzepte, um den Entwicklungsbedürfnissen aller Kinder gerecht zu werden.

    Ein wichtiger Aspekt, um exklusiven Tendenzen entgegen zu wirken ist die Beziehungsgestaltung der Menschen untereinander. Inklusion reduziert sich nicht auf die gemeinsame Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung, sondern die Ermöglichung von Anschlussfähigkeiten untereinander sowie den Zugang zu gemeinsamer Bildungserfahrungen.

    Wichtig ist was zwischen den Menschen geschieht

    Arbeitsforum/ Workshop:

    Offene Arbeit

    Zusammenfassung von Claudia Pallokat, Fachberaterin für trägerübergreifende Angelegenheiten und Programme bei der Landeshauptstadt Hannover:

    Der Workshop beinhaltete die Themenschwerpunkte:

    • Wissenswertes und Hintergründe
    • Sichtbare und unsichtbare Merkmale der Offene Arbeit
    • Das Spiel und wie Kinder lernen
    • Die Rolle der pädagogischen Fachkraft
    • Zur Aktualität der Offenen Arbeit

    Der Workshop begann mit einer kurzen Einführung zum Konzept der Offenen Arbeit. Es wurde von den Anfängen in den 70er Jahren berichtet und wie sich der Ansatz in den damaligen Kindertagesstätten verbreitete und mit welchen Hintergründen. Mit der Fragestellung „Was fällt dir zum Thema Offene Arbeit ein?“ wurde ein Sachstand der pädagogischen Fachkräfte ermittelt. Die sichtbaren Merkmale wie der Spielraum für Bewegung, das veränderte Raumkonzept, das Bezugserzieher*innen-System, die Zuständigkeiten für die Kinder und das übergreifende Arbeiten, sowie die unsichtbaren Merkmale wie die Haltung zum Kind, die Kindzentrierung, die veränderte Beziehung zu den Kindern und im Team und Offenheit und Vertrauen dienten einer Annäherung an das Thema. Weiterhin wurde erörtert was die anwesenden Fachkräfte zum kindlichen Lernen und deren Bildungsprozesse wissen, um zum kindlichen Spiel und dessen Wichtigkeit in der Entwicklung überzuleiten. Die veränderte Rolle der pädagogischen Fachkräfte in der Offen Arbeit wurde erörtert, um den erforderlichen Perspektivwechsel aufzuzeigen. Ebenso wurde die Aktualität der Offenen Arbeit dargestellt, unter den Gesichtspunkten neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, des Niedersächsischen Orientierungsplans, der aktuellen Thematik Inklusion, der Partizipation und der UN-Kinderrechtskonvention.

    Arbeitsforum/ Referat:

    Beobachtung und Förderung von kindlichen Interessen im Übergang

    Zusammenfassung von Dr. Michael Lichtblau & Magdalena Hartmann:

    Das Arbeitsforum hat sich mit der kindlichen Interessenentwicklung von Kindern im Übergang von der Kita in die Schule auseinandergesetzt. Zu Beginn wurde zum gegenseitigen Kennenlernen eine soziodemografische Aufstellung aller Teilnehmenden durchgeführt. Nach dieser Methode stellen sich alle Personen nach bestimmten Kriterien (Geburtsort, Arbeitsort, Profession, Kontakt mit der Übergangsthematik) in einem Raum auf. Anschließend wurde über einen PPT-Vortrag in grundlegende theoretische und empirische Aspekte der kindlichen Interessenentwicklung im Übergang Kita-Schule eingeführt. Forschungsergebnisse belegen die positive Wirkung individueller Interessen von Kindern für die (Lern-)Entwicklung und deren unterstützende Funktion im Übergang zur Schule. Leider zeigen die Ergebnisse aber auch, dass kindliche Interessenentwicklungsverläufe in der Schule noch zu selten bewusst aufgriffen und als Ansatzpunkt inklusiver Förderung genutzt werden. Aus diesem Grund wurde in Kooperation von der Leibniz Universität Hannover (Dr. Michael Lichtblau & Magdalena Hartmann) und der Stadt Hannover (Andreas Schenk) ein Forschungsprojekt durchgeführt, in dem ein Konzept zur interessen- und EEC-basierten Übergangsgestaltung entwickelt und an zwei Modellstandorten erprobt wurde. Der zweite Teil des Vortrags widmete sich daher der Vorstellung dieses Praxistransferprojektes. Die Ergebnisse der Evaluation verdeutlichen die Bedeutung von Haltungsaspekten in den Systemen „Kita“ und „Schule“ in Bezug auf die Arbeit an der Übergangsgestaltung. Mangelt es in den Systemen an dem Willen Veränderungsprozesse nachhaltig zu bearbeiten, gelingt eine Intensivierung der Zusammenarbeit kaum. Gleichzeitig wurde an einem Modellstandort aber auch sichtbar, welche positiven Effekte mit einem intensiven Austausch der Systeme „Kita“, „Schule“ und „Familie“ im Rahmen der Beobachtung und Förderung kindlicher Interessen im Übergang verbunden sind, wenn alle Beteiligten offen und motiviert mitgestalten. Angeregt wurde im Arbeitsforum dann auf Basis der Vortragsinhalte und individueller Praxiserfahrungen der Teilnehmenden über die Themen „Beobachtung und Förderung kindlicher Interessen“ und „Übergangsgestaltung Kita-Schule“ diskutiert.

    Bei weiterem Interesse an diesem Thema:

    Lichtblau, M. (12.2018): Kindliche Interessen beobachten und fördern. KiTa Fachtext. Verfügbar unter: www.kita-fachtexte.de/uploads/media/KiTaFT_Lichtblau_II_2018_kindlicheInteressenbeobachtenundfoerdern.pdf

    Lichtblau, M. & Hartmann, M. (2017). Implementation eines inklusiven und interessenbasierten Übergangskonzeptes Kita-Schule im Kontext des Early-Excellence-Ansatzes. In A. Schmitt, E. Sterdt & L. Fischer (Hrsg.). Empirisches Arbeiten in der Frühpädagogik im Kontext des evidenzbasierten Ansatzes. Ein Tagungsbericht. Köln: Wolters Kluwer, S. 33-46.

    Hartmann, M. & Lichtblau, M. (2017). Keine Inklusion ohne Kooperation. Kooperative Gestaltung des Übergangs von Familienzentren und Schulen der Stadt Hannover im Kontext des Early-Excellence-Ansatzes. In: B. Lütje-Klose, M.-A, Boger, B. Hopmann& P. Neumann (Hg.). Leistung inklusive? Inklusion in der Leistungsgesellschaft. Band I: Menschenrechtliche, sozialtheoretische und professionsbezogene Perspektiven. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, S. 178-186.

     

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