Rasoul Tanghatar arbeitet bei der Fachstelle Schulvermeidung der AWO Region Hannover.

„Manchmal ist da so ein Aha-Effekt“

Rasoul Tanghatar arbeitet bei der Fachstelle Schulvermeidung der AWO Region Hannover. Er ist im Rahmen des Präventionsprojektes an zwei Schulen tätig. Ziel ist es hier, Schülerinnen und Schüler mit hohen Fehlzeiten zu motivieren, wieder regelmäßig in die Schule zu gehen – mit frühzeitigen Hilfen die Situation der Jugendlichen zu stabilisieren. „Schulabsentismus beginnt mit innerer Verweigerung, zum Beispiel wenn sich jemand nicht aktiv am Unterricht beteiligt oder durch Schweigen auffällt“, sagt Tanghatar. Die Gründe dafür seien vielfältig – familiäre Probleme, mangelnde Unterstützung durch die Familie, Mobbingerfahrungen, die innere Einstellung oder auch Krankheit. „Es ist sehr komplex und von Fall zu Fall ganz unterschiedlich.“

Um frühzeitig gegensteuern zu können, führt Tanghatar mit allen an der Situation Beteiligten Gespräche, also nicht nur mit den Jugendlichen, sondern auch mit Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten und den Lehrkräften. Seine Aufgabe sieht der studierte Sozialpsychologe und Pädagoge unter anderem darin, Schülerinnen und Schüler für das Lernen zu begeistern. „Auf eine andere Art und Weise dazu beizutragen, dass sie die Schulpflicht erfüllen“, wie er sagt. In seiner Arbeit mit den Jugendlichen gehe es darum, sie zu überzeugen, das Richtige für sich zu tun und mit ihnen über persönliche Ziele zu reden. An erster Stelle stehe dabei, eine Vertrauensbasis aufzubauen, sie ernst zu nehmen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Einige der Jugendlichen hätten das vorher so noch nicht erfahren, so Tanghatar. Dazu gehöre auch, sich eine Übersicht über die jeweilige Situation der Jugendlichen zu verschaffen, was eigentlich los ist im Leben der Jugendlichen, mit der Familie, mit der alleinerziehenden Mutter oder anderen Person, die zum Umfeld gehören. Auch die Lehrkräfte werden mit einbezogen. Wichtig sei es, dass alle unterstützt werden im Sinne des Kindes oder des Jugendlichen.

Tanghatar bringt eine Menge Berufserfahrungen aus der Kinder- und Jugendarbeit mit. „Durch meine Arbeit in einem Jugendtreff konnte ich viel beobachten und erfahren, was die Jugendlichen über die Schule erzählen.“ In der Freizeit verhielten sie sich anders und seien offener. Man erfahre viel über sie, was sie sich wünschten oder was sie für Träume hätten.

Es sei wichtig, die Sinnhaftigkeit mit den Jugendlichen zusammen zu klären. „Manchmal ist dann da so ein Aha Effekt, dass es gut für sie ist, zur Schule zu gehen“, erzählt Tanghatar. Spaß am Lernen entwickeln, mit Stress umgehen, Kommunikation und Körpersprache – alles Faktoren, die wesentlich für einen erfolgreichen Schulbesuch sind, für die weitere berufliche Entwicklung sowie auch für das Wohlbefinden. Diese Themen bildeten schon immer Schwerpunkte in Tanghatars Leben – aus Leidenschaft und aus Überzeugung. „Es ist möglich daran zu arbeiten und für sich einen Weg zu finden“, davon ist Tanghatar, der selber zwei Bücher zu diesen Themen veröffentlicht hat, überzeugt. Er habe die beiden Fachbücher während seiner früheren Tätigkeit als Coach geschrieben, um bestimmte Verhaltensweisen besser zu verstehen, zum Beispiel, warum es Missverständnisse in der Kommunikation gibt oder warum Menschen sich in bestimmten Situationen gestresst fühlen.

Prüfungsangst oder Redeangst stelle häufig ein großes Problem für die Schülerinnen und Schüler dar. „Ich arbeite mit ihnen daran und gebe ihnen etwas in die Hand, damit sie sich nicht hilflos oder ausgeliefert fühlen, sondern mit dem Gefühl die Situation im Griff zu haben, ihren Werdegang gestalten können.“

Für Tanghatar ist es wichtig, Menschen helfen zu können. Durch Beratung und Unterstützung könne man eine ganze Menge erreichen. „Wenn ich dazu beitrage, dass jemand zufrieden ist, gibt derjenige dies auch an andere weiter und trägt dazu bei, dass viele Menschen sich wohler fühlen.“ Und er freut sich darüber, mit der AWO einen Arbeitgeber zu haben, der sich um die Menschen kümmert und durch die Arbeit dazu beiträgt, dass es den Menschen besser geht.

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